Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

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Ein erster Baustein für das neue Zentrum: Das Vorhaben „Puls G“ am Karl-Lederer-Platz.

Stadtrat stimmt Krämmel-Bau am Karl-Lederer-Platz zu

„Das Geretsried des 21. Jahrhunderts“

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Der Stadtrat hat dem Krämmel-Bau am Karl-Lederer-Platz mit großer Mehrheit zugestimmt. Zuvor hielt der Bürgermeister eine leidenschaftliche Rede

Geretsried - Es gehe um das große Ganze, „ein modernes lebendiges Stadtzentrum für Geretsried“. Das unterstrich CSU-Bürgermeister Michael Müller am Dienstagabend im Stadtrat und appelierte an das Gremium, „dem ersten wichtigen Schritt zuzustimmen“. 26 von 29 anwesenden Stadträten folgten ihm und beschlossen den Bebauungsplan für die Grundstücke Karl-Lederer-Platz 14 bis 18 zur Satzung. Damit ist der Weg frei für den Bau des neuen Wohn- und Geschäftshauses der Krämmel Familien GbR.

„Puls G“ heißt das Vorhaben, und es soll der „Initialzünder“ für die Zentrumsstärkung sein, erklärte Müller. Er erinnerte an den Ausgangspunkt des Entwicklungsprozesses 2015. Damals waren auf dem so genannten Lorenz-Areal 13 000 Quadratmeter Handelsfläche ausgewiesen, auf der Böhmwiese weitere 7000 bis 9000 Quadratmeter. „Damit hätten wir in der T-Zone von Karl-Lederer-Platz und Egerlandstraße alles platt gemacht“, so Müller. Unter seiner Leitung entschied sich der Stadtrat, den Bereich um das Rathaus („unser Identifkationspunkt“) zu stärken. „Treibende Kraft“ in diesem Prozess, das betonte der Bürgermeister, sei die Stadt. Aber natürlich sei man auch auf die Bereitschaft von Eigentümern und Investoren angewiesen. Allein die Familie Krämmel und die Baugenossenschaft sind bereit, „insgesamt 70 Millionen zu investieren, um Geretsried voranzubringen“.

Müller: Bürger wurden frühzeitig eingebunden

Der Bürgermeister widersprach Aussagen, es sei über die Köpfe der Bevölkerung entschieden worden. Im Leitbild hätten sich die Bürger für „ein modernes lebendiges Stadtzentrum mit hoher Aufenthaltsqualität“ ausgesprochen. Damit sei erkannt worden, dass dies ein wichtiger Faktor für die Entwicklung von Geretsried und der ganzen Region ist. Nur Kommunen, die in ihre Lebensqualität investieren, könnten ihre Bewohner halten und neue dazu gewinnen. Alle Beteiligten und Betroffenen seien frühzeitig einbezogen werden, erklärte Müller und erinnerte an diverse Workshops und auch persönliche Gespräche. Dass die Bürgerbeteiligung zum Teil nicht angenommen wurde, erklärte sich der Architekt Klaus Kehrbaum damit, dass viele Bürger nicht verstanden hätten, um „welche epochale Veränderung“ es geht.

Auch Kehrbaum betonte, dass der Krämmel-Bau, auf dem sich die Diskussion zuletzt fokussiert hatte, nur ein Baustein in einem Gesamtkozept sei – eine „Briefmarke“, wie er es nannte. Dass es schon eine recht große Briefmarke ist („eher ein Achter-Block“), merkte dazu Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) an. Namens seiner Fraktion erklärte Meinl: „Die CSU steht für diese epochale Entwicklung unserer Stadt und unserer Zukunft.“

Reeh fühlt sich als „Neider und Missgünstling“ abgestempelt

Meinl hatte die Rolle des Fraktionssprechers übernommen, weil Volker Reeh eine konträr andere Meinung vertritt. Als Anwohner findet er den bis zu siebengeschossigen Krämmel-Bau nach wie vor zu groß und vor allem zu hoch. Auch kritisierte er, wie mit den Ängsten und Sorgen der Anwohner umgegangen worden sei. Er selbst sei von Anfang an als „Neider und Missgünstling“ abgestempelt worden, sagte Reeh. Aus den Gesprächen mit dem Architekten Klaus Kehrbaum sei er bisweilen nicht schlau geworden. „Aber so ein Künstler aus München ist natürlich was anderes als so ein Provinzfischhändler.“

Nicht einer Meinung mit Gerhard Meinl (re.): Sabine Lorenz und Volker Reeh von der CSU.

Zumindest beim Thema Grundwasser sah Reeh die Stadt „auf einem guten Weg“. Laut seines Fraktionskollegen Meinl wurde dem Investor im Durchführungsvertrag ein Beweissicherungsverfahren auferlegt. Zudem arbeitet die Stadt an einem Grundwassermanagement, das nach den Worten von Bürgermeister Müller „beispielhaft“ für Bayern ist.

Lug: „Initialzündung für den großen Sprung“

Darauf gedrängt hatten auch die Freien Wähler (FW). Deren Sprecher Robert Lug erklärte, dass es in der Verantwortung des Vorhabensträgers liege, dass keine Schäden entstehen. Die Stadt habe aber die „moralische Verpflichtung“, den Bürgern dabei Hilfestellung zu geben. Auch die FW-Fraktion steht hinter dem Vorhaben. Lug erinnerte daran, dass man bereits beim Bau des BGZ vor zehn Jahren auf eine „Sogwirkung“ gehofft hatte. „Jetzt geben wir die Initialzündung für den großen Sprung.“ Dass andere Investoren wie die Gebrüder Hirschberger, die zwischenzeitlich das ehemalige Deimer-Haus nur saniert haben, den Kürzeren ziehen, bedauerte Lug. „Aber das kann nicht bedeuten, dass wir auf diesem Level stehen bleiben.“

Büttner: „Das ist das Geretsried des 21. Jahrhunderts“

Aus der SPD-Fraktion meldete sich Walter Büttner zu Wort. „Das ist das Geretsried des 21. Jahrhunderts“, begrüßte der 70-Jährige die Pläne. Auch seine Mutter mit 103 Jahren frage sich, wie man gegen diese Entwicklung sein könne. Zum Karl-Lederer-Platz sagte Büttner: „Das soll die gute Stube sein? Eine Blechlawine mit einer Architektur aus den 1950er Jahren.“ Ähnlich hatte sich zuvor schon der Bürgermeister geäußert: Ein Platz, „auf dem den ganzen Tag nur Autos stehen“, könne man doch nicht als „Herz der Stadt“ definieren, so Müller.

Am Ende stimmten nur drei von 29 Stadträten gegen die Pläne: Volker Reeh und Sabine Lorenz von der CSU sowie Arthur Wolfseher von der SPD.

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