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Die Gründungsmitglieder: (v. li.) Klaus Forster, Roland Hammerschmied und Franziska Borth.

25 Jahre Mixed Voices 

Mit einem Spiritual im Bus fing alles an

Sie singen schon mehr als ihr halbes Leben lang zusammen. Mit drei Gründungsmitgliedern blickt unsere Zeitung zurück auf 25 Jahre Vokalensemble Mixed Voices.

Geretsried – Roland Hammerschmied (50), Franziska Borth (45) und Klaus Forster (47) gehörten zu den 14 jungen Leuten, die 1992 beschlossen, einen Gospelchor ins Leben zu rufen. Das kam so: Alle 14 sangen im Isura-Madrigal-Chor (IMC). Auf der Rückfahrt von einer Konzertreise stimmten einige von ihnen im Bus ein Spiritual an, das sie auf der Bad Feilnbacher Chorwoche gelernt hatten. Die anderen fielen ein, es folgte ein zweites Spiritual. Man hatte so viel Freude an dieser bis dato kaum gesungenen Musikrichtung, dass man sich ihr intensiver widmen wollte.

Der damalige Leiter des IMC, Günter Löffler, sei nicht begeistert gewesen, dass ihm mehr als ein Dutzend Jugendliche wegbrachen, erinnert sich Hammerschmied. Die erste Probe der noch namenlosen Sängerinnen und Sänger fand im September 1992 in der Hauptschule an der Adalbert-Stifter-Straße statt. Hammerschmied übernahm die Leitung der hoch motivierten Laiengruppe. Nach einem Jahr intensiven Übens gab sie ihr erstes Konzert im November 1993 in der Petruskirche. Auf dem Programm standen 13 Gospel-Stücke – ein beachtliches Repertoire für die Newcomer. Klaus Forster: „Die Kirche war gesteckt voll. Die Leute standen sogar im Mittelgang. Uns traf erst mal der Schlag, als wir aus der Sakristei auf die Bühne traten.“

Vereinsgründung im Korkenzieher

1994 folgte in Volker Wittes Kleinkunstkneipe Korkenzieher die Vereinsgründung der Mixed Voices. Wie sie zu ihrem Namen fanden? „Auf den Notenblättern stand oft ,for mixed voices‘, auf Deutsch: für gemischte Stimmen. Wir haben diesen Begriff einfach übernommen“, berichtet Hammerschmied. Unter seinem Dirigat probte der A-cappella-Chor zuerst in der Baptistenkirche, dann im Gemeindesaal der Petruskirche und schließlich auf Einladung der verstorbenen Musikschulleiterin Ingrid Obser im Saal der Musikschule.

Inspiration und Weiterbildung erfuhr das Ensemble regelmäßig auf der Bad Feilnbacher Chorwoche, einer Veranstaltung des Bayerischen Sängerbunds. Noch heute seien diese Treffen ein Höhepunkt im Jahreslauf, schwärmt Franziska Borth. Viele dort erlernte Lieder nehme man ins Konzertprogramm auf. Anfangs gaben die Mixed Voices jedes Jahr ein Konzert, abwechselnd mit geistlichen und weltlichen Liedern. Von Anfang an sangen sie auf Spendenbasis – eine schöne Tradition, die sich bis heute gehalten hat. Hammerschmied erklärt: „Wir wollen allen den Besuch ermöglichen, auch jenen, die sich keine teure Karte leisten können. Von den Einnahmen können wir meist ganz gut die Werbung im Vorfeld und neue Noten bezahlen.“

Aktuell 37 Mitglieder

Zum Zehnjährigen zählten die Mixed Voices immer noch 15 Mitglieder. Erst in den vergangenen fünf, sechs Jahren stockte man auf aktuell 37 Mitglieder im Alter von 20 bis 60 Jahren auf. Das hat laut Tenor Forster den Vorteil, dass immer genügend Stimmen zur Verfügung stehen, selbst wenn einmal jemand krank ist oder aus anderen Gründen ausfällt. Manche Werke ließen sich auch in kleiner Besetzung nicht so gut singen, ergänzt Franziska Borth. Im Moment nehme der Chor keine neuen Sänger auf, muss Hammerschmied mögliche Interessenten enttäuschen. Bei besonders talentierten Anwärtern sage er aber nicht Nein. „Wir müssen schon schauen, dass auch Junge nachkommen“, meint der 50-Jährige. Der Chorleiter kann mit seiner Truppe auf zahlreiche Höhepunkte innerhalb des vergangenen Vierteljahrhunderts zurückblicken. Zusammen mit der Philharmonie Isartal wirkten die Mixed Voices schon zu Beginn ihrer Karriere am Opernprojekt „Orpheus und Eurydike“ mit. Mit Freunden aus Simbach am Inn führten sie die Haydn-Messe auf, und Duke Ellingtons „Sacred Concert“ mit Big Band im vergangenen Jahr in der Kirche Maria Hilf war ein Riesenerfolg. Darüber hinaus steigerte sich die jährliche Anzahl der Konzerte von einem auf zwei und seit 2014 auf drei. Die Herbstkonzerte in der Aula des Gymnasiums besuchten zuletzt insgesamt 900 Zuhörer.

Trotz des stetig gestiegenen Anspruchs, der wöchentlichen Proben und der Anspannung vor Konzerten blieb die Geselligkeit bei den Voices nie auf der Strecke. Im Gegenteil: „Wir sind im Laufe der Zeit zu einer wirklich tollen Gruppe zusammengewachsen“, sagt Franziska Borth. Reisen nach Italien, in die Schweiz, in die Partnerstadt Chamalières und zuletzt als absoluter Höhepunkt nach Indien inklusive Konzert mit den „Capital City Minstrels“ hätten das Zusammengehörigkeitsgefühl noch verstärkt. Forster erzählt, wenn man auf Ausflügen an einer Kirche vorbeikomme, gehe man häufig hinein, um spontan die „Montanara“ zu schmettern. „Es macht immer noch wahnsinnig Spaß“, lautet Hammerschmieds Fazit.

Jubiläumskonzerte

Aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens geben die Mixed Voices an diesem Freitag, 17. November, sowie am Samstag und Sonntag, 18. und 19. November, jeweils ab 19.30 Uhr ein Jubiläumskonzert in der Aula des Geretsrieder Gymnasiums. Im Gepäck haben die Sängerinnen und Sänger sowohl Klassiker als auch „frische“ Songs. Vor 25 Jahren sangen sie bereits einmal den Schlager „Lass mich dein Badewasser schlürfen“. Den Hit werden sie ebenso zum Besten geben wie den Gute-Laune-Macher „Who Put The Bomp?“ und den berühmten, nur aus Silben bestehenden „Zottelmarsch“. Am Sonntag, 17. Dezember, gibt es traditionell ein Adventskonzert in der Pfarrkirche Maria Hilf in Geretsried.

Tanja Lühr

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