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Lachen ist die beste Medizin: (v. li.) Gerti Bergelt, Hedda Rautenberg und Antonie Sommerwerk von der Selbsthilfegruppe Krebsnachsorge. 

30 Jahre Selbsthilfegruppe 

Krebsnachsorge in Geretsried: Mit Optimismus neuen Lebensmut finden

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Krebs ist kein Grund, ohne Lebensfreude zu sein: Das ist das Motto der Selbsthilfegruppe für Krebsnachsorge, die sich vor 30 Jahren im Landkreis gegründet hat. Ihr Ziel ist es, Betroffene und deren Angehörige nach Kräften zu unterstützen.

Geretsried – Krebs. „Wenn man diese Diagnose erhält, zieht es einem erst einmal den Boden unter den Füßen weg“, sagt Gerti Bergelt. „Man steht unter Schock, ist völlig überfordert.“ Denn neben den gesundheitlichen Fragen, wie man mit der Behandlung – Operation, Bestrahlung, Chemotherapie – zurechtkommt, steht auch noch die Überlegung, wie es privat weitergeht. Wird die Familie, der Partner damit umgehen können? Wie sieht es mit der Arbeitsstelle aus? Vor allem aber: Wird man überleben?

Die 78-Jährige spricht aus Erfahrung. Vor 25 Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, 16 Jahre später ein zweites Mal. Eine Bekannte erzählte Bergelt damals von der Selbsthilfegruppe. Die Geretsriederinging hin und blieb. „Das Verständnis, vor allem aber der Optimismus halfen mir, neuen Lebensmut zu finden.“ Bergelt nahm beide Male den Kampf gegen die heimtückische Krankheit auf – und siegte.

Ähnliche Erfahrungen haben auch Hedda Rautenberg (73), die derzeitige Leiterin der Selbsthilfegruppe, und Antonie Sommerwerk (62) gemacht. „Wichtig ist, dass man sich nicht in sein stilles Kämmerlein verzieht“, betont Rautenberg, die seit zehn Jahren Mitglied ist. Einen Punkt, der für die Gründerin der Gruppe, Helga Seitz, vor 30 Jahren ausschlaggebend war. „Noch vor einigen Jahrzehnten galt Krebs als Tabuthema“, erinnert sich Sommerwerk. „Da wurde viel hinter vorgehaltener Hand getratscht. Dabei ist Offenheit sehr wichtig.“

Derzeit zählt die Gruppe 80 Mitglieder zwischen 62 und 89 Jahren. Sie kommen aus dem gesamten Landkreis, Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. „Wir finanzieren uns durch Spenden“, sagt Rautenberg. Die Selbsthilfegruppe ist der Bayerischen Krebsgesellschaft angeschlossen und wird von staatlicher Seite gefördert. Der Großteil der Mitglieder hatte Brustkrebs. „Etwa 80 Prozent. Aber wir haben auch Mitglieder mit Darm-, Haut- oder Lungenkrebs und Leukämie.“

Die Gruppe trifft sich einmal im Monat in Geretsried. Meistens gibt es einen Fachvortrag. Zusätzlich unternehmen die Mitglieder Ausflüge, Wanderungen und Konzertbesuche. Zweimal die Woche ist Sport angesagt: Montags von der Selbsthilfegruppe organisiert, mittwochs unter der Federführung des TuS Geretsried. „Aber egal, aus welchem Anlass wir uns begegnen“, sagt Sommerwerk, „ein Bauchmuskeltraining ist immer dabei.“ Denn Lachen ist nach wie vor die beste Medizin. „Wir wollen nicht, dass sich alles um den Krebs dreht, wir wollen fröhlich sein und das Leben genießen“, sagen die drei Frauen.

Dass die Krankheit nicht automatisch ein Todesurteil sein muss, versuchen sie den „Neuankömmlingen“ zu vermitteln. „Der erste Kontakt findet in einem persönlichem Gespräch statt“, beschreibt Rautenberg das Vorgehen. „Wir versuchen zu trösten, Geborgenheit zu geben, die Schwellenangst zu nehmen. Zudem bekommt jeder Neuerkrankte einen ,alten Hasen‘ mit möglichst der gleichen Diagnose als eine Art Pate zur Seite gestellt.“ So können Erfahrungen ausgetauscht und viele Fragen im Vorfeld beantwortet werden. „Und der Neue hat so gleich das beste Beispiel vor Augen, dass man geheilt werden kann.“ Dieses Vorgehen hat sich mehr als bewährt. Rautenberg muss lachen. „Ich meine, wenn ich mir ein Motorrad kaufen möchte, rede ich ja auch mit einem Motorradfahrer darüber und nicht mit meinem Friseur oder dem Maler.“

Geburtstagsfest

Die 30-Jahr-Feier findet am Freitag, 22. September, im Pfarrzentrum Maria Hilf an der Johann-Sebastian-Bach-Straße 2 in Geretsried statt. Los geht’s um 16 Uhr mit einem Gottesdienst, den Diakon Clemens Irmer und Pastor Dr. Theo Heckel halten. Anschließend findet mit Unterstützung des Königsdorfer Vereins Blut (Bürger für Leukämie- und Tumorerkrankte) ein Sektempfang im gegenüberliegenden Pfarrheim statt.

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