+
Volles Haus: 124 Absolventen nahmen am Freitag im Rahmen einer gut zweieinhalbstündigen Feier Abschied vom Geretsrieder Gymnasium. Zum Abiturzeugnis dazu gab’s für jeden eine Sonnenblume gratis.

„Heut mach ich gar nichts, keinen Finger krumm“

„Der perfekte Moment“: Geretsrieder Abiturienten feiern ihren Abschluss

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
    schließen

Die Musik stand im Mittelpunkt der diesjährigen Zeugnisverleihung am Geretsrieder Gymnasium. Der Chor sang ein Lied, das alle gut fanden - es stammt von Max Raabe.

Geretsried – Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche trällerten der Große Chor, das Ensemble und die 124 Absolventen des Geretsrieder Gymnasiums am Freitagmittag in der Schulaula fröhlich das Lied von Max Raabe: „Heut’ mach’ ich gar nichts, keinen Finger krumm, ich bleib’ zu Haus’ und liege hier einfach nur so rum – der perfekte Moment wird heut’ verpennt.“ Das sei den Abiturienten vergönnt, meinte Oberstudiendirektor Christoph Strödecke, weil: „Euer Leben wird sich ab heute gewaltig ändern.“ Die „Eigenverantwortung und die große Freiheit“, die nun ständige Wegbegleiter würden, seien eine große Herausforderung.

Das angeblich zu schwere Mathe-Abitur ist schon vergessen

Die Paukerei und die angeblich viel zu schwere Matheprüfung sind längst vergessen. Bereits seit Ende Mai kennen die Abiturienten ihre Noten – und verbrachten die Zeit bis zur Zeugnisverleihung sinnvoll. Bei Indoor- beziehungsweise Outdoor-Partys, mit der Organisation des von Schulleiter Strödecke am Freitag ausdrücklich gelobten Abi-Streichs, beim Lehrer-Schüler-Grillen, beim Kauf eines Anzugs beziehungsweise Abendkleids für den Abi-Ball, mit der Vorbereitung auf die in wenigen Stunden bevorstehende Abi-Reise nach Kroatien oder schlicht und ergreifend mit der aktuellen Netflix-Serie vor der heimischen Glotze. Denn: Das süße Leben endet so abrupt, wie es für die Damen und Herren begann.

Schulleiter hält ein Plädoyer für die Bildung

Ob Studium oder Ausbildungsstart: Von den jungen Erwachsenen seien sehr bald permanent eigene Entscheidungen gefragt, so Strödecke. „Sie müssen jetzt Eigenverantwortung übernehmen.“ Der Schulleiter, der bei subtropischen Temperaturen eine 45-minütige, sehr anspruchsvolle Rede hielt, zeigte Verständnis für seine Schützlinge, die sich häufig gefragt hätten: „Sinus und Kosinus – ist das wirklich nötig? Warum zwei Fremdsprachen? Wofür braucht es Shakespeare?“ Strödecke betonte, dass den Absolventen ein vertieftes Allgemeinwissen, ein „großer Fundus“ mitgegeben werde, „auf den ihr lange zurückgreifen könnt“. Bildung sei „ein intellektueller Zeitvertreib auf höchstem Niveau“, so Strödeckes Credo. Nicht alles, was in den vergangenen Jahren auf dem Unterrichtsplan stand, sei sofort im Alltag anwendbar beziehungsweise umzusetzen. Doch der Schulleiter versprach den Absolventen: Der Tag werde kommen, „an dem ihr auf die Fertigkeiten zurückgreifen könnt, die ihr in der Schule gelernt habt“.

Lesen Sie auch: Die Abifeier am Ickinger Gymnasium

Im Namen ihrer Mitschüler sprachen Michael Stevens und Jannis Weidner. Sie lobten den starken Zusammenhalt des Abi-Jahrgangs 2019 – und erinnerten „an die schönsten Dinge im Schulleben, die Klassenfahrten“. Mit Blick auf die „Fridays for Future“-Demonstrationen von Schülern und Studenten für den Klimaschutz dankten die beiden der Schulleitung für die gezeigte Solidarität. „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagte Stevens. Er appellierte an „Jung und Alt, noch stärker an einem Strang zu ziehen, um das Boot auf den richtigen Kurs zu bringen“.

Lesen Sie auch: Das planen die drei besten Abiturienten

Die Zeugnisverleihung war heuer eine besonders musikalische. Den Anfang machte die Bläserklasse, überwiegend bestehend aus Fünftklässlern, angeleitet von Musiklehrer Alfred Menzinger. Kaum war Tims Posaune nach kurzer Suche wieder aufgetaucht, legte sich die Formation kräftig ins Zeug und wünschte den Absolventen „viel Glück auf eurem weiteren Lebensweg“. Ein wenig Melancholie wehte durch die voll besetzte Aula, als Musiklehrer Benedikt Jilek am Klavier und Abiturientin Anouk Eggert (Cello) Cameron Thomaz’ Stück „See you again“ vortrugen. Minutenlang war’s mucksmäuschenstill, und vor den geistigen Augen der Absolventen zogen mutmaßlich viele, viele Bilder aus den vergangenen Schuljahren vorüber.

„Heute ist ihr Tag, heute ist ihr Fest“, stimmte Studiendirektorin Christine Kolbeck die Ausscheider auf den Abi-Ball am Abend in der Loisachhalle ein. Dr. Michael Pauli, Vorsitzender des Elternbeirats, lobte „diesen tollen Abi-Jahrgang“. Nun müsse jeder Einzelne sein Leben selbst in die Hand nehmen und seinen individuellen Weg gehen. Paulis Tipp: „Das Richtige ist leicht, und das Leichte ist richtig.“ cce

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare