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Wir trafen uns mit dem Investor Reinhold Krämmel (li.) und seinem Mitarbeiter Uwe Schenk zu einem Rundgang.

„Die Zeit ist reif für etwas Neues“

Abriss am Karl-Lederer-Platz 14-18: Ein Rundgang

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Geretsried – Alle Wohnungen und Läden sind geräumt, Strom und Wasser abgestellt. Voraussichtlich im Juli werden die Häuser Karl-Lederer-Platz 14, 16 und 18 abgebrochen. Wir trafen uns mit dem Bauunternehmer Reinhold Krämmel und seinem Mitarbeiter Uwe Schenk zu einem Rundgang.

37 Jahre saß Reinhold Krämmel in der Firmenleitung der Krämmel-Unternehmensgruppe. Anfang des Jahres hat er das operative Geschäft an seinen ältesten Sohn Korbinian übergeben. Dennoch übernimmt es der Seniorchef persönlich, uns durch die Häuser am Karl-Lederer-Platz zu führen. Das Gebäude Nummer 16 befindet sich seit drei Generationen in Familienbesitz und ist Teil der Firmengeschichte. Dort etwas Neues zu schaffen und damit das Zentrum von Geretsried zu stärken, ist dem 67-Jährigen „eine Herzensangelegenheit“, wie er sagt.

Wir treffen uns im ehemaligen Schlecker-Markt. Krämmel hat einen schweren Leitzordner mitgebracht. Darin ist die Geschichte der Häuser dokumentiert. Manche Seiten sind so vergilbt, dass man die Schrift kaum noch lesen kann. Alles beginnt im Jahr 1947: Damals gründen Gustav Alfred Sachers und Josef Krämmel, der Vater von Reinhold Krämmel, das Bauunternehmen Sachers & Krämmel in Wolfratshausen. Ein Jahr später verlegen sie ihren Firmensitz nach Geretsried.

Weite Teile des heutigen Stadtgebiets gehören damals der bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA). 1958 erwerben die beiden Unternehmer knapp 2000 Quadratmeter Grund am Karl-Lederer-Platz, der damals noch den Namen Marktplatz trägt. Reinhold Krämmel zeigt den Notarvertrag: „,7,50 Mark hat der Quadratmeter damals gekostet.“

Besuch in einem Geisterhaus: Voraussichtlich im Juli wird die Häuserzeile Karl-Lederer-Platz 14 bis 18 abgebrochen. 

Ein Jahr später werden die Häuser gebaut. Seitdem befindet sich das Mittelhaus Nummer 16 im Besitz der Familie Krämmel. 1965 überträgt es Josef Krämmel seinem Sohn Reinhold. „Ich war damals noch im Studium“, erinnert er sich. Sein erster Mieter war das Fotogeschäft Peter, sein letzter Bürobedarf Schröter. Ende 1979 geht aus der Firma Sachers & Krämmel durch Realteilung die Krämmel GmbH & Co. Bauunternehmung KG hervor. Das Eckhaus Nummer 14 bleibt im Besitz der Familie Sachers. Anfang 2012, als die Drogeriemarktkette Schlecker pleite geht und die Filiale am Karl-Lederer-Platz geschlossen wird, entschließt sich die Familie zum Verkauf – und Krämmel erwirbt das Nachbarhaus.

Vergangenes Jahr gelingt es ihm auch, das Haus Nummer 18 zu kaufen. Das Grundstück hatte 1958 die Familie des Architekten Fritz Noppes erworben, der den ersten Bebauungsplan für den Karl-Lederer-Platz entworfen hat. Nur das letzte Haus in der Reihe, die Nummer 20, gehört Krämmel nicht. Dieses Gebäude hat sich die KLP Projekt UG, eine Gemeinschaft von vier Unternehmern, gesichert. Krämmel verliert dazu nicht viele Worte. „Das Thema ist abgehakt“, sagt er. Derzeit laufen Gespräche, um die Planungen beider Investoren aufeinander abzustimmen.

Noch in diesem Sommer will Krämmel seine drei Häuser abbrechen. „Innerhalb von drei, vier Wochen ist das erledigt“, sagt er. Wehmut kommt dabei nicht auf. Im Gegenteil: „Die Zeit ist reif für etwas Neues.“ Die Läden im Erdgeschoss sind zu klein, um dort attraktive Geschäfte anzusiedeln. Auch die Wohnungen haben ihre besten Zeiten hinter sich. Bis Ende März mussten alle zwölf Mietparteien ausziehen. „Wir haben allen eine Alternative angeboten“, sagt Uwe Schenk, zuständig für die Bestandsimmobilien von Krämmel. Mit zwei, drei Ausnahmen sei alles problemlos abgelaufen.

Auf dem Rundgang durch die leeren Läden und Wohnungen fühlt man sich wie in einem Geisterhaus. Zum Teil sieht es auch gespenstisch aus. In einer Wohnung steht noch ein Hasenstall, in einer anderen ein Kühlschrank. „Da haben wir noch viel zu tun“, sagt Schenk über die Hinterlassenschaften. Vor der Tür stehen zwei weiße Plastikstühle, daneben liegt ein verdörrter Christbaum. Die leeren Garagen im Hinterhof nutzten Unbekannte, um dort ihren Sperrmüll loszuwerden. Als es in einer Nacht dort brannte, zog Schenk die Reißleine. Seitdem riegelt ein Bauzaun den Durchgang ab. Unbefugten ist der Zutritt verboten.

Reinhold Krämmel will sich das alles gar nicht so genau anschauen. Lieber spricht der 67-Jährige darüber, was sein Unternehmen Neues plant: einen modernen Bau mit Büros und Praxen, zirka 50 Wohnungen und einem Supermarkt, der als Magnet die Kunden ins Zentrum ziehen soll. Nach dem Konzept einer Markthalle soll der Vollsortimenter gestaltet werden. Gespräche mit zwei großen Ketten laufen. Weil für einen solchen Supermarkt knapp 2000 Quadratmeter nicht ausreichen, ist in Richtung Rathaus ein zusätzlicher Querbau geplant. Die gesamte Bebauung wird fünfgeschossig, nur an der Ecke ist ein siebengeschossiger Turmbau vorgesehen. Mit seinen etwa 23 Metern Höhe soll er einen städtebaulichen Akzent im Zentrum setzen. So sieht es der Entwurf des Architekten Klaus Kehrbaum vor.

Der Grund gehört der Stadt. Die Verhandlungen laufen. Bislang ist nur entschieden, dass es eine bauliche „Dominante“ in der Innenstadt geben soll. Wie dominant, darüber wird derzeit lebhaft diskutiert. Dennoch ist Krämmel zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen wird. Zum einen brauche man die zusätzlichen 470 Quadratmeter, um das auch von der Stadt gewünschte Markthallenkonzept umzusetzen. Zum anderen wäre er bereit, unter dem gesamten Karl-Lederer-Platz eine Tiefgarage zu bauen. „Das ist doch ein Geschenk“, findet der Unternehmer. Die Stadt ist vor so einem Projekt bislang immer zurückgeschreckt.

Ohne Tiefgarage könnte Krämmel sein Vorhaben allerdings auch nicht realisieren. Etwa 200 Stellplätze sind für seinen Neubau erforderlich, rund 170 könnte man auf einer Ebene unter dem Karl-Lederer-Platz unterbringen. Die Tiefgarage würde bis unter die Straße reichen – ein aufwändiges Unterfangen. „Das Brückenbauwerk muss so stabil gebaut werden, dass ein Leopard-Panzer drüber fahren kann“, erklärt Krämmel.

Inzwischen sind wir auf unserem Rundgang wieder vor dem ehemaligen Schlecker-Markt angekommen. Im Herbst, wenn der Grundwasserstand am niedrigsten ist, könnten die Tiefbauarbeiten beginnen. Dass dies vor allem für die Anwohner belastend wird, räumt Krämmel ein. Mindestens ein Jahr ist der Karl-Lederer-Platz eine Baustelle, wird die Durchfahrt zwischen B 11 und Egerlandstraße gesperrt sein. Bis alles fertig ist, dürften in Summe mindestens zwei Jahre vergehen.

„Der bequemere Weg wäre, auf der grünen Wiese zu bauen“, sagt Reinhold Krämmel. Doch damit würde die Mitte der Stadt wieder an den Rand rücken. Deshalb unterstützt er die Bemühungen, den Karl-Lederer-Platz zu stärken. „Dadurch bekommt Geretsried endlich das, was es braucht: ein Zentrum“, sagt er. Diese „Riesenchance“ gelte es jetzt zu nutzen. Er sei bereit, dazu seinen Beitrag zu leisten. Es geht – so viel verrät der Geschäftsmann am Ende – um einen zweistelligen Millionenbeitrag.

sas

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