Urgestein: Seit über vier Jahrzehnten arbeitet Helmut Hodolitsch am Bauhof. Im Oktober geht der Geretsrieder mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand.
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Urgestein: Seit über vier Jahrzehnten arbeitet Helmut Hodolitsch am Bauhof. Im Oktober geht der Geretsrieder mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand.

INTERVIEW

Nach 41 Jahren ist Schluss: Bauhofleiter Helmut Hodolitsch geht in den Ruhestand

41 Jahre lang arbeitete Helmut Hodolitsch beim Geretsrieder Bauhof - und hat dort einiges erlebt. Im Interview blickt er zurück.

Geretsried – Seine Stelle ist bereits neu ausgeschrieben. Ende Oktober geht der Leiter des städtischen Bauhofs, Helmut Hodolitsch, mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. 41 Jahre lang arbeitete der gelernte Kfz-Mechaniker beim Bauhof, zuerst als Schlosser und Werkstattmeister, dann als stellvertretender Leiter und seit 2016 als Chef von insgesamt 38 Mitarbeitern. Wir blickten mit dem Geretsrieder auf seine langjährige Tätigkeit zurück, sprachen über Veränderungen während der vier Jahrzehnte, über schöne und weniger schöne Erlebnisse.

Herr Hodolitsch, fast Ihre gesamte Familie arbeitete bei der Stadt. War es schon quasi Tradition, dass auch Sie sich für den öffentlichen Dienst bewarben?

Helmut Hodolitsch: Das kann man so sagen. Mein Vater arbeitete auf dem Friedhof, meine Mutter im Hallenbad und einer meiner beiden Brüder bei den Stadtwerken. Ich hatte nach der Schule Kfz-Mechaniker gelernt und war sieben Jahre lang bei einer örtlichen Autofirma beschäftigt, bis mein Vater meinte: Helmut, geh’ zur Stadt. Das ist ein sicherer Job. Also bewarb ich mich auf die Stelle als Schlosser. Das ging damals als Mechaniker. Ich war handwerklich vielseitig begabt. Bürgermeister Heinz Schneider stellte mich ein in der Hoffnung, der Apfel falle nicht weit vom Stamm – er war sehr zufrieden mit meinem Vater. Aber es gab auch Anfeindungen von Kollegen nach dem Motto: Das ist jetzt der vierte Hodolitsch bei der Stadt, allmählich langt’s.

Das hat sich dann wohl geändert. Sie waren 20 Jahre lang Personalrat. Die Leute vertrauten Ihnen also.

Helmut Hodolitsch: Ja, ich habe auch einiges erreicht für die Mitarbeiter. Zum Beispiel erhielten sie im Laufe der Jahre immer mehr Mitspracherecht. Wir haben viele ausländische Kollegen hier. Für die habe ich mich genauso eingesetzt wie für die deutschen Kollegen. Mit den Mitarbeitern der verschiedenen Nationalitäten gab es eigentlich die wenigsten Probleme. Mit den jeweiligen Bürgermeistern und mit der Geschäftsführung war die Zusammenarbeit ebenfalls gut. Eine Zeit lang dachten die Stadträte, es sei günstiger, Arbeiten an externe Unternehmen zu vergeben. Relativ schnell hat sich gezeigt, dass der Bauhof das durch seine Flexibilität genauso gut kann.

16 Jahre lang waren Sie Stellvertreter, erst kurz bei Herrmann Modlmayer, dann bei Manfred Deliano. Zum Ende Ihres Berufslebens haben Sie sich dann noch um den Chefposten beworben. Warum?

Helmut Hodolitsch: Ich hatte mich schon vor 20 Jahren unter Bürgermeister Hans Schmid um die Leitung des Bauhofs beworben, damals leider ohne Erfolg. Aber vor fünf Jahren hab’ ich mir gesagt: Ich kenne den Betrieb und die Menschen und vor allem Geretsried jetzt so gut, da möchte ich nicht, dass mir ein Externer vor die Nase gesetzt wird, der womöglich Entscheidungen trifft, die ich anders getroffen hätte.

War das im Rückblick die richtige Entscheidung?

Helmut Hodolitsch: Man hat natürlich viel mehr Verantwortung als Bauhofleiter und muss sich mit entsprechend mehr Problemen herumschlagen.

Welche Probleme sind das?

Helmut Hodolitsch: Das für mich Unbefriedigendste ist, wenn Bürger etwas an der Arbeit des Bauhofs auszusetzen haben. Im Winter wird dem einen zu viel gesalzen oder Split gestreut, was den Pfoten seines Hundes nicht guttut, dem anderen ist es zu wenig, weil zum Beispiel die Fußgängerunterführung beim Rathaus glatt ist. Dasselbe beim Schneeräumen. Da kann’s nicht schnell genug gehen. Gerade in den vergangenen Sommern meinten die Leute beispielsweise auch, wir würden zu viel mähen und damit die Artenvielfalt gefährden. Das stimmt natürlich nicht.

Wie viele schneereiche Winter haben Sie erlebt?

Helmut Hodolitsch: Zwei richtig heftige: Einen Anfang der 1980er Jahre und den Katastrophenwinter 2019. 1982/83 kam Bürgermeister Heinz Schneider zu uns ins Büro, das sich damals noch am Dompfaffenweg befand, und rief persönlich einige Firmen an, die uns beim Räumen helfen sollten. In dem Winter, in dem es drei Tage nonstop durch schneite und fast ein Meter Schnee lag, hat sich keiner beschwert, dass durch die vom Schneepflug zusammengeschobenen Haufen an den Straßenrändern Parkplätze wegfielen. Heute ist das anders. Da rufen sofort Bürger an, dass wir die Schneeberge bitte wegschaffen sollen. Diese – zugegeben wenigen – Unzufriedenen können einem den Job schon vermiesen.

Ist Ihnen ab und zu mal der Kragen geplatzt?

Helmut Hodolitsch: Seit ich Chef bin, bekommen die meisten Anrufe meine Mitarbeiterinnen ab. Davor musste ich mir aber selbst schon einiges anhören und war manchmal kurz davor, in die Luft zu gehen. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, freundlich, aber bestimmt zu sein, nach dem Motto: argumentieren ja, diskutieren nein. Wir sind ja nicht nur die Hausmeister von Geretsried, wir müssen in erster Linie für die Sicherheit der Menschen sorgen. Manchmal haben mich Leute privat, wenn ich mit meiner Frau am Wochenende im Eiscafé saß, wegen irgendwelchem Müll oder Beschädigungen angesprochen. Ich habe mir dann erlaubt, sie darauf hinzuweisen, dass ich nicht im Dienst bin und dass sie mich gerne am Montag im Büro anrufen können. Ich muss schon zugeben, dass ich mit zunehmendem Alter nicht mehr so die Nerven habe.

Hören Sie deshalb vorzeitig auf und gehen in Altersteilzeit?

Helmut Hodolitsch: So ist es. Im Juli werde ich 63. Ich wollte und will immer alles hundertprozentig machen und wenn das – oft aufgrund der zunehmenden Bürokratie – nicht klappt oder wenn es in den Augen der Bürger nicht genug ist, geht das auf meine Gesundheit. Ich hab’ mich mit Sport, früher exzessiver Squash, dann Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike, jetzt Tennis, Radeln und Workout, immer fit gehalten. Aber ich merke: Zu viel Ärger schlägt mir auf den Magen, und das ist es nicht wert.

Aber positive Erlebnisse gab es doch sicher auch während Ihrer langen Dienstzeit?

Helmut Hodolitsch: Natürlich! Der Job ist sehr vielseitig. Was ich alles gemacht habe seit 1980: vom Motorsägen bis zur Reparatur großer Lkw. Mir hat auch die Arbeit im Team immer gefallen. Früher war das Gemeinschaftsgefühl allerdings noch ausgeprägter. Da hat man sich freitags um halb zwölf im Aufenthaltsraum auf ein Bier und eine Brotzeit zusammengesetzt und geratscht. Ich werde nie vergessen, wie Kollegen mir 1997, als meine Tochter schwer erkrankte, ihre Überstunden schenkten, damit ich bei ihr sein konnte. So was wäre heute, glaub’ ich, gar nicht mehr möglich (Anmerkung der Redaktion: Hodolitschs Tochter verstarb 1998 an einer Art von Leukämie).

Woran erinnern Sie sich noch besonders gerne?

Helmut Hodolitsch: Ach, das ist schon ewig her: Ganz am Anfang kam Bürgermeister Schneider einmal auf eine Bierrunde am Bauhof vorbei. Wir erzählten ihm, dass wir dringend einen neuen Gabelstapler bräuchten, weil der alte kaputt war. Da ging er los und kaufte für 40 000 D-Mark einen neuen – ganz unbürokratisch, ohne Stadtratsbeschluss und europaweite Ausschreibung. Aber auch später haben die jeweiligen Rathauschefs und Stadträte immer ein offenes Ohr für die Belange des Bauhofs gehabt und es geschafft, im Haushalt Geld für wichtige Anschaffungen einzustellen. Stolz bin ich auf den Bewegungsparcours im Stadtwald, den der Bauhof aufgebaut hat. Der wird super angenommen.

Hat sich die Arbeit des Bauhofs seit Corona verändert?

Helmut Hodolitsch: Wir hatten es im vergangenen Frühjahr zunächst mit Schichtarbeit versucht, aber das funktionierte nicht. Beim zweiten Lockdown habe ich dann beschlossen: Wir achten auf die Hygieneregeln und setzen das Personal wie bisher ein. Das hat funktioniert. Dadurch, dass die Menschen wegen der Lockdowns viel mehr draußen unterwegs sind, hat der Müll zugenommen. Aber Vermüllung und Vandalismus halten sich zum Glück in Grenzen.

Worauf freuen Sie sich im Ruhestand?

Helmut Hodolitsch: Seit Februar bin ich stolzer Opa. Meine zweite Tochter hat ein ganz wunderbares Mädchen mit dem Name Mila auf die Welt gebracht. Ich werde mir einen Fahrradanhänger kaufen und im Sommer mit der Kleinen um den Starnberger See radeln. Das Wichtigste ist für mich – und das ist mir seit 1998 umso bewusster geworden –, dass meine Familie und ich gesund bleiben. Mit meiner Frau will ich ab Oktober aktiv das Leben genießen.

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