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Vom Grünstreifen zwischen den Privatgrundstücken (re.) und dem Hartplatz (li.) ist nicht mehr viel übrig.

Streit um Grundstück am Schulzentrum

Versprechen in Geretsrieder Stadtplanung wertlos?

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Geretsried – Die neue Turnhalle am Schulzentrum soll direkt an das Grundstück von Rudolf Diebl angrenzen. Wehren kann er sich nicht. Auch ein Versprechen des ehemaligen Landrats zählt nicht mehr.

Eine schmale Straße und Wald. Viel Wald. Mehr war da nicht, als sich Rudolf Diebl sein Baugrundstück im Jahr 1958 ausgesucht hat. Er war der Erste, der an der Adalbert-Stifter-Straße gebaut hat, sagt er. Heute, 58 Jahre später, hat sein Einfamilienhaus mit Holzofen und großem Garten samt Teich viele Nachbarn. Einer von ihnen bringt den ehemaligen Werkzeugmacher-Meister momentan um den Schlaf: Es ist der Landkreis mit dem geplanten Bau der Din-Zweifach-Turnhalle. Sie soll direkt an Diebls Grundstück angrenzen.

Das Grundstück von Rudolf Diebl an der Adalbert-Stifter-Straße grenzt im Westen an das Schulzentrum.

Mit den Schülern und dem Lärm habe er sich bislang stets arrangiert, sagt Diebl, der sich nicht fotografieren lassen wollte. „Ich weiß, dass Schule sein muss.“ Mit dem Bau der Turnhalle fühlt er sich aber vor den Kopf gestoßen. „Ich war doch zuerst da. Aber mich hat trotzdem nie jemand gefragt.“ Er habe vom Bauvorhaben aus unserer Zeitung erfahren. Erst auf Nachfrage, erklärt der 87-Jährige, habe ihn in dieser Woche jemand vom Landratsamt besucht. „Ein umgänglicher Mann“, sagt der Senior. Die Probleme aber bleiben.
 
In zehn Metern Abstand zu Diebls Grundstück soll die Halle auf den jetzigen Hartplatz gebaut werden (siehe Kasten). Der Geretsrieder scheut weniger die hohen Mauern, sondern den Lärm. „Eine Turnhalle ist nämlich nicht schalldicht, wir hören ja die jetzige Halle schon“, sagt er. Der Sportbetrieb der Schulen und Vereine läuft von frühmorgens bis spätabends, sieben Tage die Woche. „Wenn die neue Halle kommt, ist mein Grundstück nicht mehr wohnenswert.“

Außerdem stört den Rentner, dass der acht Meter breite und 50 Meter lange Grünstreifen, der die Gärten der Anlieger bislang vom Sportplatz des Schulzentrums getrennt hat, gerodet wurde. Der schirmte den Lärm ab und diente als Sichtschutz. Laut Diebl ist die Abholzung im Vorgriff auf die bevorstehenden Bauarbeiten nötig. So wurde es ihm auf Nachfrage erklärt. Er hofft, dass der Landkreis danach zumindest ein neues Biotop pflanzt – und die Flächen nicht als Parkplatz nutzt. Als der Kreis Anfang der 1970er-Jahre das Schulzentrum plante, sagt er, standen der damalige Bürgermeister Heinz Schneider und Landrat Franz Lehmair bei ihm im Garten. „Sie haben versprochen, dass alles dafür getan wird, dass die Belastungen für uns erträglich bleiben.“ Jetzt, 45 Jahre später, wolle von dem Versprechen niemand mehr etwas wissen. dor

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