Boule-Spiel am Neuen Platz in Geretsried
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Ein bisschen Kies, drei Kugeln und eine geübte Hand: Regelmäßig spielen die Kugelwurffreunde Geretsried miteinander Boule. Hier Leila Brandstetter und André Hofmann.

Kugelwurffreunde freuen sich über Spielfläche

Französisches Flair am Neuen Platz: Hier trifft man sich zum Boule-Spielen

In Frankreich wird Boule an jeder Ecke gespielt - und auch in Geretsried seit Kurzem am Neuen Platz. Dort ist die Spielfläche fertig. Ein Besuch.

Geretsried – Wochenende, die Sonne lugt hin und wieder durch die geschlossene Wolkendecke, es ist warm, aber nicht zu heiß – ideale Bedingungen für die Kugelwurffreunde Geretsried. Die zehn Frauen und Männer um Kerstin Fischer und Michael Freißmann treffen sich regelmäßig für ein paar Runden Boule. Seit kurzem gibt es dafür eine öffentliche Spielfläche am Neuen Platz.

Am Tag der Städtebauförderung am 8. Mai wollte das Quartiersmanagement, mit dem die Stadt den Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit beauftragt hat, die Boulebahn einweihen. Aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens soll der Tag der Städtebauförderung in Geretsried am 9. Oktober nachgefeiert werden.

Boule-Spiel im Frankreichurlaub entdeckt

Die Kugelwurffreunde sind ein lockerer Zusammenschluss. Wer Zeit hat, trifft sich zum Spielen. An besagtem Sonntag spielt beispielsweise Freißmann gegen Fischer. „Der Platz ist richtig gut geworden“, findet der 53-Jährige, der das Spiel bei einem Frankreichurlaub für sich entdeckt hat. Wieder daheim trommelte er ein paar Freunde zusammen und schlug Sportreferent Wolfgang Werner vor, eine Fläche am Neuen Platz entsprechend herzurichten. Der sprach das Thema Ende 2019 im zuständigen Stadtratsausschuss an – mit Erfolg. Der Wunsch wurde erfüllt. Inzwischen kann der Platz genutzt werden. Was noch fehlt, ist ein Schild, das auf ihn hinweist. „Jetzt lagen immer wieder Kippen und Kronkorken herum. Das ist ärgerlich“, sagt der Geretsrieder.

Michael Freißmann und Kerstin Fischer spielen gerne Boule.

Beim Boule, die korrekte Bezeichnung für das Wurfspiel lautet Pétanque, geht es darum, seine Kugeln möglichst nah an eine rote Zielkugel, das „Schweinchen“, zu bringen (siehe Kasten). Kerstin Fischer – zum Spielen trägt sie Sonnenbrille, T-Shirt und Turnschuhe – hat es mit ihrer ersten Kugel eine Hand breit an die große Murmel herangeschafft. Freißmann steigt in den Kreis, aus dem die Spieler werfen. Er zielt genau auf die Kugel der 57-Jährigen – und stößt sie weiter weg.

Boule besonders beliebt in Frankreich und im Münchner Hofgarten

„Es gibt Leger und Schießer“, erklärt Gerda Schatz (58), die die Partie etwas entfernt von einer der Bänke am Rand des Spielfelds verfolgt. Sie gehört ebenfalls zu den Kugelwurffreunden, aber auch Passanten werfen den Boule-Spielern immer wieder neugierige Blicke zu. Ohnehin ist einiges los am Neuen Platz, neben der Boule-Fläche spielen zwei Frauen Schach, im Brunnen toben Kinder. Freißmann sei ein Schießer, erklärt Schatz weiter. Sie selbst sei wie Kerstin Fischer eine Legerin. Kein Nachteil, vor allem wenn man mit mehreren spielt. „Jede Mannschaft braucht beides“, sagt Schatz. Die Kugelwurffreunde spielen jedes Jahr untereinander einen Wanderpokal aus und beteiligen sich auch an Turnieren, wenn möglich. Was die Boule-Spieler schätzen, ist die Geselligkeit gepaart mit dem Wettkampfcharakter. „Man trifft sich mit Freunden“, sagt Freißmann. Zudem sei man an der frischen Luft, ergänzt Fischer. Und der Aufwand sei nicht groß. „Im Prinzip kann man auf jeder Kiesfläche spielen“, so die 57-Jährige. Besonders beliebt sei der Münchner Hofgarten. Und „in Frankreich spielen sie an jeder Ecke“. Boule habe absolutes Suchtpotenzial.

Die Fläche am Neuen Platz kann jeder nutzen. Alles, was es braucht, sind Kugeln und mindestens einen Mitspieler. „Es gibt einfache Einsteigersets ab 30 Euro“, sagt Freißmann. Wer bei Turnieren mitspielen will, braucht Exemplare aus Metall in einer bestimmten Größe. Zudem muss das Gewicht aufgedruckt sein. Passionierte Boule-Spieler messen ihre Handgröße aus und kaufen für sie passende Kugeln. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Freißmann, der seine mit seinem Namen gravieren ließ. Schließlich muss man sich vom Gegner abheben.

Boule kann jeder spielen

Leila Brandstetter kann ihre Kugeln besonders gut von den Gegnern unterscheiden – dank rosa Pünktchen. 

Leila Brandstetter kann ihre Kugeln ganz leicht von denen der anderen unterscheiden. Sie steht inzwischen auf dem Spielfeld, um ein Match gegen André Hofmann auszutragen, der sich neben Bernd Stowasser ebenfalls für den Platz eingesetzt hat. Brandstetter besitzt eine Ausführung mit rosa Punkten – ihr Nagellack passt sogar dazu. Anfangs habe sie nur zugeschaut, als Michael Freißmann, ihr Nachbar, sie zum Boule-Spiel gerufen hat. Doch lange konnte sie sich nicht entziehen. „Ich freue mich, unter Leuten zu sein, jeder kann das spielen“, sagt die 53-Jährige.

Die Boule-Freunde hoffen, dass das Spielfeld am Neuen Platz gut angenommen wird. Dann bräuchte es sogar noch mehr Spielmöglichkeiten. „Am Johannisplatz würde es sich auch anbieten“, findet Michael Freißmann. Und irgendwann ist vielleicht ganz Geretsried im Boule-Fieber und an jeder Ecke werden Kugeln geschoben – ganz wie in Frankreich.

Die Spielregeln

• Spielen können jeweils drei gegen drei Spieler (Triplette), zwei gegen zwei Spieler (Doublette) oder ein Spieler gegen einen (Tête-à-Tête),

• Jeder Spieler hat zwei Kugeln (Triplette) beziehungsweise drei (Doublette und Tête-à-Tête).

• Welche Mannschaft beginnt, wird ausgelost.

• Ein Spieler der Mannschaft A zieht einen Kreis, aus welchem heraus gespielt werden soll. Er wirft die Zielkugel, „Schweinchen“ genannt, in eine Entfernung von sechs bis zehn Meter.

• Im Anschluss wirft er die erste Kugel –möglichst nah ans „Schweinchen“.

• Nun versucht Mannschaft B, eine Kugel näher an der Zielkugel zu platzieren, entweder bis das gelingt oder bis sie keine Kugel mehr hat.

• Mannschaft A ist am Zug, entweder bis sie den Zug gewinnt oder alle Kugeln gespielt sind.

• Wenn eine Mannschaft keine Kugeln mehr hat, spielt die andere auch noch alle Kugeln zu Ende.

• Zum Schluss werden die Punkte gezählt: Die Mannschaft, deren Kugel am nächsten an der Zielkugel liegt, gewinnt. Sie erhält für jede Kugel, die näher am „Schweinchen“ liegt, einen Punkt und beginnt die nächste Runde. Der neue Wurfkreis wird dort gezeichnet, wo zuvor die Zielkugel lag.

• Wer zuerst 13 Punkte erreicht hat, ist der Sieger.

Quelle: Monsieurboule

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