Damenschuh
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In einem Damenschuh hatte ein Geretsrieder eine Waffe versteckt. Doch die Polizei fand die Waffe, ein Prozess folgte.

Amtsgericht Wolfratshausen

Pistole in Damenschuh versteckt: Acht Monate Haft auf Bewährung

  • vonRudi Stallein
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Wegen unerlaubten Waffenbesitzes hat das Amtsgericht einen Geretsrieder (60) verurteilt. Er war nicht zum ersten Mal unangenehm aufgefallen.

Geretsried – Ein lautstarker Streit auf dem Campingplatz am Badweiher in Wolfratshausen rief am 11. Oktober 2018 die Polizei auf den Plan. Ein Mann hatte angeblich vor einem Wohnwagen, in dem er seine Ehefrau vermutete, randaliert. Als die Beamten am Ort des Geschehens eintrafen, war der Mann verschwunden. Zurückgeblieben war ein mit neun Patronen gefülltes Munitionsmagazin.

„Die Waffe dazu fehlte“, erklärte ein Polizist vor Gericht. Dort musste sich kürzlich ein Geretsrieder (60) wegen unerlaubten Besitzes einer halbautomatischen Kurzwaffe verantworten musste. Die Waffe, eine Selbstladepistole vom Typ Luger, neun Millimeter, war wenig später in dessen Wohnung aufgetaucht – versteckt in einem Damenschuh.

Die Waffe habe er vor 15 bis 20 Jahren von einem ehemaligen Arbeitskollegen bekommen. „Der wollte sie bei Koblenz in den Rhein werfen“, erklärte die Verteidigerin für ihren Mandanten, der früher als Sportschütze aktiv gewesen sei und damals eine Waffenbesitzkarte gehabt habe. Bereits im Oktober 2019 war der Mann (ebenfalls in dieser Sache) wegen Trunkenheit im Straßenverkehr zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt worden. Er war damals alkoholisiert mit dem Auto seiner Frau zurück nach Geretsried gefahren. Eine Blutprobe ergab einen Wert von 1,95 Promille. Zudem brachte er eine weitere Verurteilung mit in die Verhandlung: Das Amtsgericht Memmingen hatte ihn im August vorigen Jahres wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt.

Deshalb stellte sich nun die Frage, ob man ihn noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen lassen könne. Während die Staatsanwältin eine Gesamt-Freiheitsstrafe von zehn Monaten für angemessen erachtete und erklärte, dass es ihr schwerfalle, eine günstige Sozialprognose zu stellen, sah die Verteidigerin eine weitere Bewährung als gerechtfertigt an. Schließlich habe sich ihr Mandant die letzten Verurteilungen „zur Warnung gelten lassen“ und sei zudem endlich sein „massives Alkoholproblem“ angegangen.

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Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder unter Einbeziehung des früheren Urteils aus dem Jahr 2019 zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt acht Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Dem Angeklagten kam zu Gute, dass die neue Anklage „eigentlich schon letztes Jahr hätte mitverhandelt werden müssen“, wie Berger leicht verärgert über eine aus seiner Sicht unnötige „Arbeitsbeschaffung“ feststellte.

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