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Auf dem Mannschaftsfoto der River Rats darf Ani Herrmann (86) natürlich nicht fehlen.

Waschen, nähen, anfeuern

Anni Herrmann (86) ist die gute Seele der River Rats

Geretsried - Waschen, nähen umd anfeuern. Anni Herrmann (86) ist die gute Seele des Geretsrieder Eissportclubs. Herrmann glaubt fest an die River Rats. Wir haben sie besucht.

„Servus Anni. Hey, Anni, wie geht’s?“ Kaum jemand geht bei Heimspielen der River Rats durch das Drehkreuz am Eingang zum Eisstadion, ohne die alte Dame, die dort immer steht, freundlich zu grüßen. Anna Herrmann ist mit ihren 86 Jahren die gute Seele des Eissportclubs (ESC) Geretsried.

Seit 35 Jahren wäscht die Geretsriederin Trikots und Stutzen

Die Geretsriederin wäscht seit 35 Jahren Trikots und Stutzen der Ersten Mannschaft. Seit es den elektronischen Einlass statt der Kasse gibt, ist sie sicherheitshalber zur Stelle, falls die Technik einmal versagen sollte (was nicht selten passiert) oder jemand ohne Ticket schnell ins Stadion muss. Die Spieler schätzen und respektieren die kleine, zierliche Frau. Die meisten Besucher kennen die stets gut gelaunte Seniorin.

Alles angefangen hat an der Kasse

Anni Herrmann (86) ist die gute Seele des Eissportclubs.

Angefangen hat alles damit, dass Annis inzwischen verstorbener Ehemann Oskar an der Kasse aushalf. Seine Frau wurde schon bald gefragt, ob sie nicht die Wäsche der Eishockey-Spieler waschen könne. Wie es auch heute noch üblich ist, engagierten sich die Eltern von Spielern ehrenamtlich in irgendeiner Art beim Verein. Damals gehörte die Eishockeysparte noch zum TuS Geretsried. Anni und Oskar Herrmanns Sohn Gerhard spielte in der Ersten Mannschaft. Also war es für beide selbstverständlich, ihn und den Eissport zu unterstützen. Später war der Enkel bei den River Rats kurzzeitig aktiv. Heute jagen Anni Herrmanns Urenkel im Alter von sechs und vier Jahren in ihrer Freizeit dem Puck hinterher.
 
Auch nach dem Tod ihres Mannes hielt die gebürtige Tegernseerin dem TuS und seit 2006 dem neu gegründeten ESC die Treue. Ein „Schock“ war es für die begeisterte Eishockey-Anhängerin, als die Stadt 2006 das Dach des Heinz-Schneider-Stadions wegen Einsturzgefahr abbrechen ließ. „Da habe ich gedacht, es wäre aus mit dem Eissport in Geretsried.“ Doch dank des ungeheuren Einsatzes des ESC als Stadionbetreiber überlebte der Hockeysport, und vergangenes Jahr stieg die erste Mannschaft sogar in die Bayernliga auf. Das war für Anni Herrmann eine „Riesenfreude“, bedeutete aber auch mehr Arbeit.

Über eine jüngere Nachfolgerin wäre Anni Herrmann froh

Jede Woche wäscht die rüstige Seniorin drei Trommeln voll Trikots und eine Trommel voll Stutzen zuhause mit ihrer Waschmaschine bei 30 Grad. Sie holt die verschwitzten Sachen am Montagmorgen mit Hilfe ihrer „Chauffeurin“, Schwiegertochter Inge, nach dem Heimspiel am Sonntag im Stadion ab und bringt sie pünktlich zum Spiel am Freitag zurück. Zum Aufhängen der Hemdchen und der Strümpfe, die über den Schienbeinschützern getragen werden, erklimmt die 86-Jährige über eine enge, steile Treppe den Speicher ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. „Ja, das wird allmählich alles ein bisschen anstrengend“, gesteht sie. Über eine jüngere Nachfolgerin wäre sie froh. Die müsste allerdings auch nähen können, denn das Ausbessern von kleineren Löchern und Rissen in der Kleidung gehört ebenfalls zu Herrmanns Job. Der ESC könne es sich eben nicht leisten, jede Saison eine neue Ausstattung anzuschaffen. So schlimm sei es mit den Reparaturen aber nicht mehr, sagt sie: „Früher, da ging es noch wilder zu. Da litten die Ärmel bei Checks an der Bande deutlich mehr als heute“.

Bis vor Kurzem fuhr sie noch mit zum Auswärtsspiel

Bis vor Kurzem fuhr „die Anni“ noch mit dem Fan-Bus zu jedem Auswärtsspiel ihrer Jungs mit. Die gute Seele kümmerte sich um die Brotzeit vor und nach dem Match. Seit sie jedoch einmal in einer fremden Halle unglücklich stürzte, bleibt sie lieber zuhause. Mit dem Schlittschuhlaufen hatte es die 86-Jährige übrigens selber nie. „Ich hab’s nur einmal abends beim öffentlichen Lauf ausprobiert. Das war nicht mein Fall“, erzählt sie und lacht.

Anni Herrmann hofft im Moment auf drei Dinge: Erstens, dass ihre Rats in der Bayern-Liga bleiben: „Das Zeug dazu hätten sie.“ Zweitens, dass das Stadion bald wieder ein Dach bekommt. Und drittens, dass sich ein Freiwilliger findet, der ihr das Waschen und Flicken der Spielerkleidung abnimmt.

von Tanja Lühr

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