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Unter einem Lagerhallendach in Geretsried sollen Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt werden.

Infoveranstaltung von Stadt und Landratsamt

Im Mai ziehen 143 Flüchtlinge in die Filigran-Halle

Geretsried – Sachlich und friedlich verlief die Informationsveranstaltung zur künftigen Asylunterkunft in der ehemaligen Filigran-Halle an der Blumenstraße. Anfang Mai ziehen dort 143 Flüchtlinge ein.

Das Thema Brandschutz ist geklärt: Die Wohncontainer für Asylbewerber in der ehemaligen Lagerhalle der Firma Filigran an der Blumenstraße sollen jetzt nur einstöckig aufgestellt werden. Ursprünglich war wie berichtet geplant gewesen, die Container zweistöckig aufzubauen. Damit finden 143 statt der ursprünglich gedachten 175 Asylbewerber Platz. Am Freitagabend informierten die Stadt und das Landratsamt über die geplante Unterkunft in den Ratsstuben. 150 Geretsrieder kamen zu dem Termin.

Kaum kritische Fragen: Rund 150 Zuhörer verfolgten am Freitag die Info-Veranstaltung zum Thema Asyl in den Ratsstuben.

Jeweils zwei bis drei Asylbewerber sollen in einer Wohnbox untergebracht werden, so dass sie etwas mehr Privatsphäre als in einer Turnhalle genießen. „Die Filigran-Halle ist mit Sicherheit kein Beispiel für Schöner Wohnen“, räumte Thomas Bigl ein, der am Landratsamt für die Betreuung der Asylbewerber im Landkreis zuständig ist. Doch die Unterkunft ersetze etwa 20 Wohnungen und bedeute für die Behörde somit eine große Arbeitserleichterung. Derzeit habe der Kreis 175 dezentrale Liegenschaften belegt. „Das ist für uns sehr aufwändig“, so der Sozialamtsleiter.
 
Die Menschen, die so lange in der Filigran-Halle leben werden, bis ihr Asylantrag bearbeitet ist – also unter Umständen ein Jahr lang –, sollen sich selbst versorgen. Es gibt mehrere Küchen und einen Gemeinschaftsraum. Wie in anderen Sammelunterkünften sind die Bewohner für die Sauberhaltung ihres Zuhauses zuständig. Direkt neben der Halle soll ein Büro für die Asylsozialberatung eingerichtet werden. Ehrenamtliche Betreuer und Besucher müssen sich ausweisen, bevor sie die Halle betreten. „Wir wollen die Bewohner einfach vor zu viel Öffentlichkeit schützen“, bat Bigl um Verständnis. Ein Sicherheitsdienst wird zumindest anfangs rund um die Uhr vor Ort sein. Auf einen Vorschlag des ehrenamtlichen Helferkreises hin wird die Unterkunft „Abu 2“ heißen. „Abu“ steht sowohl als Abkürzung für „Asylbewerberunterkunft“ als auch für das arabische Wort für Vater und Herberge. Der Container am Robert-Schumann-Weg, in dem seit zwei Jahren etwa 75 Flüchtlinge leben, soll fortan „Abu 1“ genannt werden.

Nutzungsdauer ist auf fünf Jahre begrenzt

Der Stadtrat hat beschlossen, dass die Filigran-Halle für maximal fünf Jahre als Flüchtlingsunterkunft dienen soll. Anfang Mai werden die Asylbewerber laut Bigl in der Blumenstraße ankommen. Um welche Nationalitäten es sich handelt, ob es überwiegend junge, allein reisende Männer oder Familien sein werden, weiß der Sozialamtsleiter nicht. Die Regierung von Oberbayern teile dem Landkreis die Menschen zu. Das Landratsamt könne keinen Einfluss darauf nehmen, erklärte Bigl in der Fragerunde. Man sei jedoch immer bemüht, Gruppen zu bilden, die einigermaßen zusammenpassten.

Ein Besucher fragte, warum nicht wie geplant auf der Böhmwiese Unterkünfte gebaut würden. Bürgermeister Michael Müller (CSU) antwortete, die Stadt halte sich das immer noch als Option offen: „Wir wissen nicht, wie viele Menschen noch nach Deutschland kommen werden. Die Zahlen können wieder steigen, auch wenn es im Moment ruhig ist.“ Laut Bigl erfüllt der Landkreis seine Aufnahmequote innerhalb Bayerns im Moment zu 100 Prozent. In den kommenden beiden Wochen werde er deshalb keine neuen Flüchtlinge einquartieren müssen.

Kaum kritische Fragen aus dem Publikum

Kritische Fragen wurden von den Zuhörern der Infoveranstaltung kaum gestellt – vielleicht auch, weil Bigl zuvor mit einigen häufig geäußerten Vorurteilen gegenüber Asylbewerbern aufgeräumt hatte. Seine Erfahrung nach gut vier Jahren Asylsozialarbeit sei, dass die allerwenigsten Menschen wegen der deutschen Sozialhilfe ihre Heimat verließen. Die meisten würden lieber heute als morgen hier arbeiten. Straftaten würden von ihnen im gleichen Umfang wie von Einheimischen begangen, sagte er.

Die Sozialreferentin des Stadtrats, Sonja Frank (Freie Wähler), brachte am Ende der Veranstaltung fünf junge Asylbewerber zwischen 13 und 28 Jahren zum Podium, die schon länger in der Stadt leben. Die Frauen und Männer stellten sich kurz vor. Manche erzählten von ihrem Berufswunsch, andere dankten den Geretsriedern für deren Gastfreundschaft. Die Geste wurde mit großem Applaus bedacht. „Alles Gute mit Ihrer neuen Nachbarschaft“, wünschte Frank den Besuchern der Infoveranstaltung zum Abschied. Über weitere Ehrenamtliche würde sich der ehrenamtliche Helferkreis „Asyl in Geretsried“ sehr freuen.

Ans Schulzentrum kommen 250 Asylbewerber

Am Asylbewerberheim auf dem Grundstück des Gymnasiums wird fleißig gearbeitet. Nach Auskunft von Thomas Bigl sollen die beiden Gebäude in Holzbauweise, die die Geltinger Firma Vorholz Hawran errichtet, ebenfalls im Mai bezugsfertig sein. „Wir wollen schauen, dass die Bewohner nicht genau gleichzeitig mit denen an der Blumenstraße einziehen, sondern etwas versetzt“, sagt der Leiter des Kreissozialamts.

Wie berichtet baut der Kreis auf dem nördlichen Teil des Gymnasium-Sportplatzes in Richtung Jahnstraße eine Unterkunft für 250 Menschen. Sie ist laut Bigl auf zehn Jahre ausgelegt. „Man muss sehen, wie lange die Zuwanderung dauert. Beim Jugoslawienkrieg damals waren es sieben Jahre“, sagt er. Die Mittelschul-Turnhalle an der Adalbert-Stifter-Straße als Not-Erstaufnahmeeinrichtung wurde wie berichtet am Freitag geräumt. Bigl geht davon aus, dass in der Halle keine größeren Schäden entstanden sind. Der Boden sei gut geschützt gewesen. Ein Sanierungsbedarf habe sich bei einer Begehung am Freitag nicht abgezeichnet, sagt er.

von Tanja Lühr

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