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Das neue Stein im Modell: Eifrig sammelten rund 35 engagierte Bürger am Freitag und Samstag in einem Workshop Ideen, wie man den südlichsten Ortsteil von Geretsried aufwerten könnte.

Auftaktveranstaltung zum Projekt „Soziale Stadt“ im Ortsteil Stein 

Von der Boccia-Bahn bis zum Bürgerhaus

Die Steiner haben sich ihren Stadtteil schöner gebaut – zumindest am Modell. Etwa 35 ausgewählte, in Vereinen und Organisationen engagierte Bürger nahmen am Wochenende im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ an einem Workshop zur Umgestaltung des Viertels teil.

Geretsried Stein soll attraktiver werden. In den kommenden Jahren will Bürgermeister Michael Müller in dem Stadtteil ein Bürgerhaus bauen. Es soll die Kommunikation unter den Bewohnern fördern, ein Treffpunkt für Jung und Alt werden. Das schlechte Image des großteils von Ausländern bewohnten Quartiers soll sich wandeln. „Viele kleine Bausteine werden zur Aufwertung beitragen“, ist Dr. Rafael Stegen sicher. Der Wirtschafts- und Sozialgeograf vom Büro Salm und Stegen führt das staatlich geförderte Projekt „Soziale Stadt“ in Stein im Auftrag der Kommune durch.

Vize-Bürgermeister hofft auf ein besseres Miteinander der Bewohner

Die Auftaktveranstaltung fand am Freitag und Samstag in Form eines Workshops statt. Diesen leitete Stegen zusammen mit dem Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJA), Rudi Mühlhans, dessen Vorsitzender Kerstin Halba und dessen Integrationsbeauftragter Dagmara Sosnowska. Als Vertreter der Stadt schaute Vize-Bürgermeister Hans Hopfner vorbei. „Ich habe meine Kindheit in Stein verbracht. Der Ort liegt mir sehr am Herzen“, sagte Hopfner am Freitag bei der Begrüßung der Akteure. Was er sich vor allem von der Stadtteilverschönerung erhofft, ist ein besseres Miteinander der Bewohner.

Spielplätze könnten aufgewertet werden

An dem Workshop beteiligten sich Vereinsvorsitzende, Kindergartenleiterinnen, alteingesessene Steiner Bürger aus dem „Speckgürtel“ – den Einfamilienhäusern rund um den Steiner Ring – sowie neu hinzugezogene Bürger, oft mit Migrationshintergrund, die in den Geschosswohnungen innerhalb der Ringstraße leben. Zum Beispiel die 16-jährige Rajana. Sie kam vor 13 Jahren mit ihrer Familie aus Tschetschenien nach Geretsried. Zusammen mit anderen Interessierten erarbeitete die treue Besucherin des Jugendtreffs Ein-Stein ein Spielplatzkonzept. Auf den Grundstücken der Wohnblöcke gibt es viele kleine Spielplätze. „Das ist gut so. Aber sie könnten aufgewertet werden“, sagt Rajana. An Ideen wurden ein Volleyballfeld, ein kleiner Trimm-Dich-Pfad, ein Trampolin sowie Schach- und Boccia-Spielfelder genannt.

Steiner Ring könnte niveaugleich ausgebaut werden

Eine andere Arbeitsgruppe befasste sich mit der Verkehrssituation. Denkbar wäre ein Kreisverkehr am Ortseingang, der zum einen die gefährliche Abbiegesituation entschärfen und zum anderen deutlicher auf den Stadtteil hinweisen könnte. Die Straße Steiner Ring könnte niveaugleich ausgebaut werden, das „Zentrum“ rund um den Kiosk und die Sparkasse als solches durch städtebauliche Akzente betont werden. „Wir brauchen aber erst eine Verkehrsstudie, damit wir wissen, was an Straßenbelägen, an Temporeduzierungen und Gestaltung möglich ist“, sagt Dr. Rafael Stegen.

Wünsche für das geplante Bürgerhaus

Mit dem geplanten Bürgerhaus, für das es noch keinen Standort gibt, befasste sich eine weitere Gruppe. Wünsche für den Treff wurden zahlreiche geäußert: Er soll einen Ausstellungsraum, Gymnastik- und Werkräume beherbergen, eine Wohnküche, einen Raum für private Feiern und einen für Eltern-Kind-Veranstaltungen. Die jugendlichen Workshop-Teilnehmer nannten noch eine Kletterwand.

Prozess darf auch länger dauern

Für kleinere Verschönerungen steht ab sofort ein Budget bereit, das Quartiersmanagerin Dagmara Sosnowska zusammen mit einem weiteren neuen Mitarbeiter des TVJA verwaltet. Den Namen des Mitarbeiters wollte Rudi Mühlhans noch nicht verraten. „Die Quartiersmanager können unbürokratisch mal 200 Euro zur Verfügung stellen, wenn zum Beispiel an einem beliebten Treffpunkt eine Sitzbank aufgestellt werden soll“, erklärt Stegen. Der Projektleiter betont: „Im Gegensatz zum Johannisplatz und zum Neuen Platz wird es in Stein keine Top-Down-Planung geben. Die Umgestaltung wird hier aus der Mitte der Bürger heraus geschehen. Dieser Prozess darf und soll länger dauern.“

Modell im Maßstab 1:500

Siegfried Gulde, einer der alteingesessenen Steiner, begrüßt das Vorgehen. Schon der Workshop habe gezeigt, wie wichtig es sei, dass die gemischte Bevölkerung sich an einen Tisch setze und zusammen etwas entwickle. Gulde war einer der eifrigsten Bastler an dem Modell im Maßstab 1:500. Er hat Styroporhäuschen ausgeschnitten und mit Buntpapierschnipseln die Grünflächen und Aufenthaltsplätze dazwischen markiert. Das Modell wird beim nächsten Termin, dem bayernweiten Tag der Städtebauförderung am 13. Mai, der Öffentlichkeit präsentiert. Es soll alle Bürger zu weiteren Gesprächen und zur Beteiligung am Projekt „Soziale Stadt“ anregen.

Tanja Lühr

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