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Großbaustelle: An der Egerlandstraße können Passanten beobachten, wie das bestehende Haus abgerissen wird und ein neues Wohn- und Geschäftsgebäude entsteht. 

„Liegen gut im Zeitplan“

Egerlandstraße: Aushub der Baugrube voraussichtlich Mitte März

An der Egerlandstraße klafft eine riesen Lücke zwischen Paracelsus-Apotheke und Betreutem Wohnen. Bald werden die letzten Reste der alten Wohnblöcke beseitigt sein.

Geretsried  Die Wohnblöcke der Geretsrieder Baugenossenschaft (BG) mit den Hausnummern 58 bis 74 sind komplett abgerissen. Noch wird an den Kellerabteilen und der alten Tiefgarage gebaggert. Gleichzeitig werden schon so genannte Spundwände errichtet. Die Wände aus Baustahl dienen der Sicherung der späteren Baugrube, zum Beispiel gegen hereindrückendes Wasser. An der südlichen Grundstücksgrenze werden zur Sicherung Bohrpfähle in die Erde gerammt.

Aufbruchstimmung und ein bisschen Wehmut

Ein Dutzend türkisfarbener Lastwagen, Bagger und Kräne der ausführenden Firma sind von 7 Uhr morgens bis etwa 20 Uhr abends auf dem Gelände unterwegs. Besonders das Bohren der Löcher für die Betonpfähle verursacht einen Höllenlärm. Es quietscht und rumpelt, wenn man vor den Kränen steht, die dicke, massive Metallröhren in die Erde treiben. „Da ist in der Früh nicht mehr an Schlaf zu denken“, sagt Günther Kraus. Der 79-Jährige wohnt direkt an der Baustelle, am Anfang des Amselwegs. Aber er beklagt sich nicht. „Es hilft ja nichts. Und ich finde es gut, dass sich so viel tut in Geretsried“, sagt er während eines kurzen Gesprächs über den Gartenzaun. Er habe als Kind mit seinen Eltern, Heimatvertriebenen, im Rathaus gewohnt und später in einer jener Baugenossenschafts-Wohnungen vor seiner Haustür, die in den vergangenen Wochen dem Erdboden gleich gemacht wurden. In den Amselweg zog Kraus 1966. Aber Wehmut habe er keine verspürt beim Abriss der alten Blöcke mit den für die 1950-er und 1960er-Jahre typischen Eternitplatten an der Fassade, sagt Kraus: „Das ist der Lauf der Zeit. Alles wird moderner und hoffentlich schöner.“

Anfangs beobachteten viele Schaulustige den Abbruch der Häuserzeile. Inzwischen haben sich die Geretsrieder an die Bauarbeiten gewöhnt. Mütter und Väter mit kleinen Kindern bleiben noch stehen und schauen den Baggern bei der Arbeit zu. Auch Rentner sieht man am Bauzaun, alleine oder fachsimpelnd mit anderen. Heinz Tietze aus der Graslitzer Straße hat früher selber auf dem Bau gearbeitet. „Mich interessiert, was auf so einer Großbaustelle abläuft“, sagt der 77-Jährige. Fast jeden Tag komme er vorbei und freue sich über das rasche Voranschreiten – nicht ganz ohne Hintergedanken. „Ich würde gerne hier einziehen, weil es in meinem Baugenossenschafts-Haus keinen Aufzug gibt und in den neueren Häusern schon“, sagt Tietze.

Nach Auskunft von Ursula Hölzl von der BG läuft bislang alles planmäßig und ohne Beschwerden von Nachbarn. Der Amselweg sei weiterhin fußläufig sowie mit dem Auto erreichbar. „Dank des milden Winters liegen wir gut im Zeitplan“, so die Sprecherin der Baugenossenschaft. „Da stets Probleme wie unerwartetes Material im Erdreich, Maschinenschäden oder Witterungseinflüsse auftreten können, lässt sich das Ende der Arbeiten nicht genau terminieren“, erklärt Hölzl. Voraussichtlich werde mit dem Aushub der Baugrube für das neue Wohn- und Geschäftsgebäude, in dessen Erdgeschoss wie berichtet ein Aldi-Markt einziehen soll, Mitte März begonnen. Dann werden laut Hölzl noch mehr Lastwagen unterwegs sein. Doch die Autofahrer und Radfahrer müssten sich keine Sorgen machen. Sicherungsposten würden die Ein- und Ausfahrt auf die Egerlandstraße überwachen und auf den übrigen Verkehr aufpassen.

Für die Kunden der Sparkasse ändert sich nichts

Wann gegenüber die Abrissbirne für das Sparkassen-Gebäude anrückt, kann Sparkassen-Pressesprecher Willi Streicher noch nicht sagen. Der Bebauungsplan für das neue Gebäude wurde wie berichtet ein zweites Mal öffentlich ausgelegt. Die Sparkassen-Filiale hat ihr Übergangsquartier im ersten Stock des Puls-G-Gebäudes bezogen. „Das ganze Team ist dort komfortabel untergebracht. Für unsere Kunden ändert sich nichts“, sagt Streicher. Der einzige Nachteil gegenüber vorher sei, dass das Gebäude ab 22 Uhr abgesperrt sei und man nicht mehr mit dem Aufzug zu den Geldautomaten gelangen könne. Über die große Außentreppe ist dies jedoch Tag und Nacht möglich. Ansonsten verweist Streicher auf die Automaten an der Händelstraße, in Stein und Gelting.

Auch interessant: Die letzten Mieter der Egerlandstraße verlieren ihre Wohnung – und ein Stück Heimat

Aus dem Sparkassen-Haus ausgezogen ist Anfang Februar auch das Uhren- und Schmuckgeschäft Varga. Es ist ab Mitte März an der Jeschkenstraße 13, im Ärztezentrum, zu finden.

Tanja Lühr

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