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„Gegen das Vergessen – für Demokratie“: So heißt die Ausstellung der Realschulklassen 10e und 10f, die noch bis Weihnachten im Vorraum der Mensa des Schulzentrums zu sehen ist. 

Ausstellung in der Mensa

Das Grauen von Dachau

Ein Besuch im Konzentrationslager Dachau hinterlässt wohl bei jedem ein beklemmendes Gefühl. Die Schüler der Klassen 10e und 10f haben ihre Eindrücke von einer Besichtigung im vergangenen Juli gleich am nächsten Tag in Bilder gefasst. Diese Bilder sowie Fotos, Gedichte und eine Hommage an den KZ-Überlebenden Max Mannheimer sind derzeit als Ausstellung im Vorraum der Mensa des Schulzentrums zu sehen. „Gegen das Vergessen - für Demokratie“ lautet der Titel.

Geretsried – „Lost in the Crowd“, verloren in der Menge, hat Shannon Henseler ihre Acrylmalerei genannt: ein abgezehrtes Gesicht mit vor Schreck geweiteten Augen. Von Maja Sliwinski stammt die „Ankunft“ in Dachau: im Vordergrund zwei Hände in warmen Farben, noch voller Hoffnung, im Hintergrund graue Tristesse. Ein anderer Schüler hat die als „Brausebad“ getarnte Gaskammer aus der Erinnerung gezeichnet, wieder ein anderer eine Zelle samt Insasse.

Mit einem schwarzen Vorhang, der ein winziges Stück in einer Ecke des Raums abtrennt, haben die Schüler eine Stehkammer nachgebildet. Bei dieser Foltermethode der Nationalsozialisten mussten die Gefangenen ohne Essen und Trinken so lange stehen, bis sie zusammenbrachen.

„Dachau war beeindruckend und schockierend“, sagte Rebekka Hofbauer in ihrer Eröffnungsrede bei der Vernissage am 9. November. Das Datum war bewusst gewählt worden. Am 9. November 1938 fand die Reichs-Pogromnacht statt. Die Rednerin Maja Sliwinski appellierte an die anwesenden Gäste, die Demokratie zu verteidigen. Sie sei durch Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Terror wieder in Gefahr.

Sliwinski zitierte den 2016 verstorbenen Max Mannheimer, der den Schülern bei seinen beiden Besuchen an der Realschule gesagt hatte: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dafür, dass es nicht mehr passiert schon.“ Dem wohl berühmtesten jüdischen KZ-Überlebenden haben die Zehntklässler eine Foto-Dokumentation seiner „vier Leben“ gewidmet – dem Leben vor dem Lager, im Lager, dem Leben danach in Freiheit und dem Leben als durch die Welt reisender Zeitzeuge. Die Informationen hatten sie bei einem ganztägigen Workshop im Max-Mannheimer-Haus gesammelt.

Begleitet wurden die Schüler bei dem fächerübergreifenden Projekt von den Kunstlehrern Maximilian Blauhuth und Claudia Schletz sowie von Geschichtslehrerin Sigrid Roik-Heindl. Bei der Themenwahl für die Bilder und Gedichte seien die damaligen Neuntklässler völlig frei gewesen, sagt Claudia Schletz. Sie sei, „beeindruckt, welche Kreativität die Schüler an den Tag gelegt haben, auch beim Aufbau der Ausstellung“.

„Ihr habt das Thema NS-Gewalt hervorragend in Bilder gefasst“, lobte Direktor Christian Zingler die Zehntklässler. Die Ausstellung ist noch bis zu den Weihnachtsferien zu sehen.

Tanja Lühr

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