1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Geretsried

Lebendige Heimat: Ausstellung zeigt die prächtigen Trachten der Egerländer

Erstellt:

Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

Kommentare

Farbenfroh: Helmut Hahn und Ilse Schirmer von der Egerländer Gmoi zeigen zusammen mit Anita Zwicknagl, zuständig für das Museum der Stadt, die Vielfalt der Trachten.
Farbenfroh: Helmut Hahn und Ilse Schirmer von der Egerländer Gmoi zeigen zusammen mit Anita Zwicknagl, zuständig für das Museum der Stadt, die Vielfalt der Trachten. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Eine Ausstellung im Museum zeigt die prächtigen Trachten der Egerländer. Auch Leihgaben der örtlichen Gmoi sind zu sehen.

Geretsried – Huasnoantoutara, Leiwl und Duarschn: Die Trachten der Egerländer – aufwendig in zahllosen Stunden bestickt und von Hand genäht – sind derzeit im Museum der Stadt Geretsried zu sehen.

„Der Anstoß zu der Ausstellung war die Nominierung des Deutschen Trachtenbundes, die Egerländer Tracht zur Tracht des Jahres 2022 zu küren“, sagt Helmut Hahn, Vorstand der Geretsrieder Gmoi, die zusammen mit dem Egerland-Museum in Marktredwitz die Präsentation umgesetzt hat. Besonderen Wert legten die Organisatoren darauf, Trachten zu zeigen, wie sie heute noch getragen werden. „Für uns ist das lebendige Heimat.“ In der Geretsrieder Ausstellung sind auch Leihgaben der örtlichen Gmoi zu sehen. „Meine Stiefel“, sagt Hahn und lacht, „stehen da hinten.“

Im Egerland gab es keine einheitliche Tracht. Jede Gmoi hat ihre eigenen markanten Details. So ist bei der Chotieschauer Frauentracht eine Schnur am Rocksaum sowie eine rote Einfassung des Mieders typisch. „Ebenso ist traditionell der Rock leuchtend rot und das Leiwl blau“, erklärt Ilse Schirmer, Landestrachtenwartin der Egerländer. „Genauso wie die Bischofteinitzer Frauentracht als einzige einen Gürtel oder die Eger einen gestickten Lebensbaum auf der Miederrückseite aufweisen.“

Wertvoll: Die Hauben werden kunstvoll in feiner Handarbeit bestickt.
Wertvoll: Die Hauben werden kunstvoll in feiner Handarbeit bestickt. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Ende des 19. Jahrhunderts gerieten die Trachten ein wenig in Vergessenheit, wurden kaum noch getragen und verschwanden sozusagen in der Truhe. Erst nach dem Ersten Weltkrieg erinnerte man sich wieder an die Kostbarkeiten in den Schränken. „Nur waren die Stoffe durch das Einlagern brüchig geworden“, weiß Schirmer. Die traditionellen Stoffe mit ihren typischen Mustern gab es nicht mehr, ebenso wenig die Schnittmuster. Um Fantasietrachten zu vermeiden, haben sich die Volkstumverbände zusammengetan und die Trachten gemeinsam mit dem Volkskundler Professor Josef Hanika von der Universität Prag erneuert. Eine Trachtenfibel wurde ins Leben gerufen, Trachtenwartinnen leisteten Aufklärungsarbeit, Trachtennähkurse sorgten dafür, das das Wissen weitergegeben wurde.

Natürlich dienten die Trachten auch, um auf Brautschau zu gehen. „Ein rotes Band um den Hut de Männer bedeutet ledig, ein schwarzes heißt vergeben“, erklärt Hahn. „Also vergleichbar wie bei den Bayern die Art, eine Dirndlschürze zu binden.“ Ebenso dürfen nur die verheirateten Frauen Hauben tragen, die mit feinen, feuervergoldeten Silber- oder Kupferdrähten überstickt und sehr wertvoll sind. Hahn: „Es heißt ja nicht umsonst unter die Haube kommen.“ SABINE HERMSDORF-HISS

Öffnungszeiten

Die Ausstellung der Egerländer Trachten im Foyer des Museums der Stadt läuft noch bis Februar. Während der Weihnachtsferien ist das Museum mit Ausnahme von Silvester (Freitag, 31. Dezember), Neujahr (Samstag, 1. Januar) und Heiligdreikönig (Donnerstag, 6. Januar) wie gewohnt geöffnet: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 17 bis 19 Uhr.

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare