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Die Polizei sperrte den Fundort ab.

„Den Schreck kann man sich vorstellen“

Kanalbauarbeiten in Gelting: Baggerfahrer macht außergewöhnlichen Fund

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Das war ein Schreck: Bei Kanalbauarbeiten ist ein Baggerfahrer auf die sterblichen Überreste zweier Menschen gestoßen. Die Polizei sperrte die Baustelle ab.

Gelting Es war ein Zufallsfund. Bei Kanalbauarbeiten kamen die sterblichen Überreste zweier Menschen zu Tage. Ein Baggerfahrer war gerade dabei, einen Graben auszuheben, als etwas Erde aus der Wand nachrutschte. „Den Schreck kann man sich vorstellen“, sagt einer seiner Kollegen, die mittlerweile an anderer Stelle ihrer Arbeit nachgehen. „Das passiert einem auch nicht jeden Tag.“

Landesamt für Denkmalpflege hinzugezogen

Schädel, Rippen, Beinknochen: Archäologin Patricia Costache dokumentiert den Skelett-Fund in Gelting akribisch.

Die Arbeiter informierten umgehend die Polizei, die die Baustelle absperrte. Schnell stellte sich heraus, dass der Fund älteren Datums ist. Das Landesamt für Denkmalpflege wurde hinzugezogen. Als erste Maßnahme beauftragte die Behörde die Firma Farch-Archäologie aus Icking, den Fund sachgemäß zu bergen. „Wir versuchen natürlich so schnell wie möglich zu arbeiten“, erklärt Markus Fagner. „Schließlich soll es ja auf der Baustelle weitergehen.“ Mit Rücksicht auf den Grundstückseigentümer nennt unsere Zeitung den genauen Fundort nicht.

Dokumentiert wird analog und digital

Dort sitzt Patricia Costache, Mitarbeiterin der Firma Farch-Archäologie, mit einem Klemmbrett in der Hand auf dem Boden. Vor ihr in der Erdwand ist deutlich das Skelett zu erkennen: Schädel, ein paar Rippen und Beinknochen. Hinter der Archäologin, durch den Bauzaun getrennt, stehen zwei junge Geltinger, die flüsternd die Arbeiten beobachten. Auch das eine oder andere Foto wird geschossen. „Das ist ein Stück Geltinger Geschichte“, sagt einer von beiden. Die Archäologin lässt sich von den Zaungästen nicht stören: Sorgfältig überträgt sie den Fund zeichnerisch auf das Papier, markiert die verschiedenen Bodenschichten und vermisst das Ganze. „Wir dokumentieren alles digital und analog“, erklärt Firmenchef Fagner. Nur durch solche Funde könne die Wissenschaft erforschen, wie unsere Vorfahren gelebt haben. „Schließlich können wir sie ja nicht mehr fragen, wie das damals war“, bemerkt der Ickinger trocken.

Ein paar Schritte weiter ist Ausgrabungsleiter Dr. Tobias Albrecht dabei, das zweite Skelett freizulegen. Schädel, Beine, Arme und ein paar Wirbel sind deutlich zu erkennen. Mit einem Pinsel entfernt Albrecht vorsichtig den Sand. Millimeterarbeit und eine ruhige Hand sind gefragt – zerstört ist schnell etwas, und zwar unwiederbringlich.

Skelette stammen wohl aus dem Hochmittelalter

Markus Fagner und sein Team bargen die Skelette.

Fagner schätzt, dass die Skelette aus dem Hochmittelalter, also Mitte des 11. bis Mitte des 13. Jahrhunderts, stammen. Gelting selbst wurde bereits um das Jahr 740 in Unterlagen des Klosters Benediktbeuern erwähnt. Ein weiterer Hinweis auf das Alter ist die Anordnung der Knochen, denn: „So, wie sie da liegen, muss es sich um christliche Begräbnisse handeln. Der Kopf liegt im Westen, der Blick geht nach Osten.“ So sollte gewährleistet werden, dass, wenn sich der Verstorbene bei der Wiederauferstehung aufrichtet, er die aufgehende Sonne des jüngsten Tages sieht. Fehlende Grabbeigaben und die Armhaltung unterstreichen diese erste Einschätzung.

Fagner deutet auf den zweiten Fund. „Die Arme liegen parallel nebeneinander. Später hat man die Hände in Gebetshaltung gelegt oder über der Brust gefaltet.“ Ob es sich bei den menschlichen Überresten um einen Mann oder eine Frau handelt, ob die Verstorbenen körperliche Gebrechen oder Krankheiten hatten, soll in Kürze eine Anthropologin beurteilen.

Sabine Hermsdorf-Hiss

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