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Geburtstagskuchen: Friedrich Hofmeister freut sich über die Torte von Betreuungsleiterin Suela Stadtlich.

„Die Nullen summieren sich“

100. Geburtstag zu Corona-Zeiten: Stimmungsvoll-ungewöhnliche Feier im Seniorenheim

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Friedrich Hofmeister feierte im Seniorenheim Schwaigwall seinen 100. Geburtstag. Ein nicht alltägliches Fest in ungewöhnlichen Zeiten.

Schwaigwall – „Viel Glück und viel Segen“, tönte es im Kanon am Sonntag durch den Garten des Senioren- und Pflegeheims Schwaigwall. Das stimmungsvoll-ungewöhnliche Konzert galt Friedrich Hofmeister, der nicht nur seinen 100. Geburtstag, sondern auch den 73. Hochzeitstag mit seiner Frau Ida (98) feiern durfte.

„Wir wollten so ein Jubiläum nicht unter den Tisch fallen lassen“, erklärte Heimleiter Robert Stapfer. Er hatte zusammen mit einigen Helfern und der Geschäftsleitung das „Ständchen mit Abstand“ organisiert, das Hofmeister von seinem Zimmer aus am Fenster verfolgen konnte. Dekanatsaltenheimseelsorgerin Eva Buchner sowie Leitung und Geschäftsführerin Barbara Fuchs sangen. Klaus Gräske begleitete sie am Keyboard, Fuchs’ Kinder Luisa und Friedrich spielten Trompete, der Jüngste, Ludwig, überbrachte Glückwünsche.

Geburtstagsständchen: Ludwig, Luisa und Friedrich Fuchs spielen und singen für den Jubilar. 

Friedrich Hofmeister wurde im südhessischen Groß-Gerau geboren, machte sein Staatsexamen als Chemotechniker und arbeitete später als Betriebsleiter in der Lebensmittelindustrie. Seine Frau Ida lernte er im Krieg in Augsburg kennen. „Sie war Rot-Kreuz-Schwester“, erzählte Tochter Helga Weikert (72). Das Paar verliebte sich, heiratete und bekam vier Kinder. „Ich bin die Älteste und einzige Tochter“, sagt Weikert und lacht. Mittlerweile hat sich der Kreis der Familie auf zehn Enkel und ein Dutzend Urenkel erweitert.

„Mein Vater machte gerne Schreinerarbeiten“, erinnerte sich die Tochter. Noch viel lieber aber sei er schriftstellerisch tätig gewesen. Er verfasste ein Buch mit vielen nützlichen Tipps und leckeren Rezepten. Der Titel lag auf der Hand: „Nicht verzagen, Opa fragen“. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben widmete sich der Senior verstärkt der Ahnenforschung. Er sammelte Daten, sortierte sie chronologisch und begann, ein vierbändiges Werk für seine Kinder zu verfassen. „Zuerst tippte er alles auf seiner alten Schreibmaschine“, sagte Weikert. Ihre Schwägerin und sie hätten dann alles auf den Computer übertragen. Eines Tages gab die Schreibmaschine schließlich ihren Geist auf. Weikert: „Mit über 80 hat sich mein Vater dann noch einen PC angeschafft und hier weiter geschrieben.“

2017 entschloss sich das Ehepaar, in das Seniorenwohnheim Schwaigwall zu ziehen. Hier feierte es bereits den 70. Hochzeitstag (Gnadenhochzeit) und nun eben den 100. Geburtstag Friedrich Hofmeisters. Der nahm die dreistellige Jahreszahl eher gelassen. „Die Nullen summieren sich“, kommentierte er trocken, als ihm Betreuungsleiterin Suela Stadtlich einen Kuchen mit einer 100 darauf überreichte. Auch das Ausblasen der Kerzen machte dem Senior keine Probleme: „Ein Pusterer – soviel Luft habe ich noch.“  sh

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