In der Dreifach-Sporthalle verlieh das Gymnasium Geretsried die Abiturzeugnisse.
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In der Dreifach-Sporthalle verlieh das Gymnasium Geretsried die Abiturzeugnisse.

Gymnasium Geretsried

Abi-Rede: Die „Benachteiligten“ finden deutliche Worte

Wegen Corona fand die Verleihung der Abi-Zeugnisse heuer in ungewohntem Rahmen statt. Ihre Rede durften die Absolventen nicht halten. Hier veröffentlichen wir sie in Auszügen.

Simon Hammerschmied

Geretsried Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Weil die Geretsrieder Abiturienten wie berichtet corona-bedingt nicht die Möglichkeit bekamen, eine Rede bei der Abschlussfeier zu halten, wandten sie sich an unsere Zeitung mit der Bitte, das mit Mühe Erarbeitete wenigstens in Auszügen zu veröffentlichen.

Julia Bronold und Simon Hammerschmied, die die Rede geschrieben haben und sie auch vortragen wollten, blicken teils kritisch, teils lobend auf ihre achtjährige Gymnasialzeit zurück. Beide hatten sich für das G8 statt des Pilotprojekts „Mittelstufe plus“, sprich G9, entschieden. „Wenn man unserem Jahrgang einen Namen geben müsste, würde er ,Die Benachteiligten’ lauten“, sagt Simon. Aber nicht nur wegen der Corona-Pandemie, die die Schullaufbahn zum Ende hin massiv verändert habe.

Aufgrund des G8-Zugs seien sie nur halb so viele Schüler in der Oberstufe gewesen wie normal. Dadurch seien Kurse wie etwa Latein oder ein Sport-Additum sowie verschiedene W- und P-Seminare nicht zustande gekommen. Noch schlimmer empfanden die Jugendlichen jedoch die Dauerbaustelle an der Schule. Sie sprechen von „klaustrophobischer Enge“, teils heruntergekommenen Klassenzimmern und der „Zumülllung“ des Schulgeländes.

Julia Bronold

Lobend erwähnen sie das große Angebot an musikalischen und sportlichen Aktivitäten. Wen dies weniger begeistert habe, der habe sich als Tutor, Mediator oder SMV-Mitglied für die anderen Schüler einsetzen können. „Unsere Schule bot uns außerdem ein gigantisches Paket an Fahrten, Ausflügen und Events an, welche uns nicht nur halfen, uns gegenseitig kennenzulernen, sondern ebenfalls unseren Horizont erweiterten“, sagt Julia.

Die vergangenen Monate hätten sie und ihre Mitschüler „aus der Bahn geworfen“, schreiben Julia und Simon in ihrem Redemanuskript. Die Unsicherheit, ob sie überhaupt Abitur machen könnten und die Enttäuschung darüber, dass weder Abi-Streich noch Abi-Ball noch eine Abschlussfeier im gewohnten Rahmen stattfinden würden, hätten ihnen allen zugesetzt.

Verärgert zeigen sich die beiden Jahrgangssprecher gegenüber unserer Zeitung, dass Direktor Christoph Strödecke ihnen am Ende auch noch die Abi-Rede gestrichen habe: „Er wollte lieber Grußworte von zwei stellvertretenden Bürgermeistern hören, statt die Repräsentanten des Abiturjahrgangs sprechen zu lassen“, beklagen sie. Strödecke rechtfertigt die kurzfristige Absage an das Duo damit, dass er das Programm wegen der Gefahr einer Ansteckung mit Covid-19 auf eine Stunde zusammenstreichen musste.

Wie berichtet hatten einige Geretsrieder Abiturienten an einer privaten Abschlussreise nach Korfu teilgenommen. Ein Gymnasiast aus Grafing, der sich in derselben Hotelanlage befand, wurde zuhause positiv auf das Virus getestet. „Auch andere Redebeiträge wie der der Elternbeiratsvorsitzenden mussten entfallen“, so der Direktor. Er wundert sich über den Vorwurf. Der Abschlussjahrgang habe sich ihm gegenüber insgesamt eigentlich dankbar gezeigt, dass überhaupt eine kleine Feier zustande gekommen sei. 

Neues Zeugnis für jeden Abiturienten

Eine peinliche Panne ist am Geretsrieder Gymnasium bei der Erstellung der Reifezeugnisse passiert. Ein Schüler hatte in Mathematik eine Nachprüfung zu absolvieren. Der Zusatz „Nachholtermin“ musste bei ihm in Klammern nach dem Fach im Zeugnis vermerkt werden. Durch einen „redaktionellen Fehler“, so Direktor Christoph Strödecke, sei das Wort Nachholtermin bei allen rund 70 Abiturienten aufgetaucht. Der Vermerk habe keinerlei Auswirkungen auf Bewerbungen oder sonstiges, aber der Fehler werde natürlich ausgebessert. Jeder Absolvent erhalte an diesem Mittwoch ein neues Abiturzeugnis.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch: „Abifeier light“: So lief‘s am Geretsrieder Gymnasium

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