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Engpass an der Baustelle: Vor dem Rathaus am Karl-Lederer-Platz steigt Josefine Hopfes lieber vom Rad, um entgegenkommende Fußgänger nicht zu gefährden.

Einige Brennpunkte

Mit dem Rad durch Geretsried: Schwachstellen und ein Schildbürgerstreich

  • vonPeter Herrmann
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Die Stadt will fahrradfreundliche Kommunen werden. Wo Verbesserungsbedarf besteht, zeigt eine Rundfahrt mit ADFC-Mitgliedern.

Geretsried – Anfang des Jahres beschloss der Stadtrat, die Aufnahme in die „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK) zu beantragen. Dass an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht, zeigte eine Brennpunkt-Radtour von Mitgliedern des ADFC-Kreisvorstands. Unser Mitarbeiter Peter Herrmann war mit seinem Radl dabei.

B11-Einfahrt Geretsried Nord

„Dort besteht ein ganz erhebliches Gefahrenpotenzial für den querenden Radverkehr“, erklärt Josefine Hopfes. Gerade während des Berufsverkehrs komme es dort für Schüler und radelnde Pendler zu langen Wartezeiten, um überhaupt einmal die Verkehrsinsel in der Mitte zu erreichen. Ist der Radfahrer dort angelangt, kann es zwar vorkommen, dass ein Autofahrer abbremst und ihn passieren lassen will. Doch auf der dahinterliegenden Rechtsabbiegespur in Richtung Wolfratshausen könnte ein zunächst nicht erkennbares, heranbrausendes Fahrzeug eine Kollision verursachen. Weil das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle – nach der Fertigstellung von rund 780 Wohnungen an der benachbarten Banater Straße – in den nächsten Jahren noch steigen wird, fordert der ADFC eine komplette Überarbeitung der Verkehrsführung. „Weitere Fahrradspuren, Ampelanlagen, ein Limit auf Tempo 30 und Einbahnregelungen wären Lösungsansätze“, schlägt ADFC-Mitglied Werner Grimmeiß vor. Hopfes zeigte sich enttäuscht, dass die Stadt im Zuge der vor einigen Jahren vorgenommenen Untertunnelung des Schwaigwaller Bachs an der Blumenstraße nicht gleichzeitig eine Radunterführung gebaut hat. „Das war ein Schildbürgerstreich“, kritisierte sie.

Die Situation am Karl-Lederer-Platz

Der Radweg direkt am Rathaus ist zwar durch die Tiefgarageneinfahrt unterbrochen, eine Umfahrung aber gefahrlos möglich. Schon im Sommer 2019 nahm der ADFC zum geänderten Bebauungsplan am „Verkehrsknoten B11 – Karl-Lederer-Platz“ Stellung. „Die sicherste und direkte Lösung aus unserer Sicht ist eine Unterführung des Geltungsbereichs in Nord-Süd-Ausrichtung“, glaubt Hopfes. Knapp ein Jahr später räumt sie während unserer Tour ein, dass die momentane Umfahrung des Karl-Lederer-Platzes für Radfahrer problemlos ist. Um vor dem Rathaus nicht mit entgegenkommenden Fußgängern zu kollidieren, steigt Hopfes an dieser Engstelle jedoch sicherheitshalber ab und lässt Passanten vorübergehen. Um die Geschäfte am Karl-Lederer-Platz zu erreichen, sei es für die aus nördlicher Richtung kommenden Radfahrer deshalb sinnvoll, schon auf Höhe des Museums in den Verbindungsweg zur Graslitzer Straße einzubiegen. Insgesamt begrüßt der ADFC die Verkehrsberuhigung am Karl-Lederer-Platz.

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Baustelle an der Egerlandstraße

Wie berichtet hat die Baugenossenschaft im März mit den Tiefbauarbeiten für das Vorhaben BGZ2 begonnen. Zudem baut die Sparkasse auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein mehrgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Für beide Vorhaben war eine Sperrung der öffentlichen Verkehrswege zwischen der Einmündung zum Fasanenweg und der Egerlandstraße 61 beziehungsweise 78 nötig. „Der derzeitige Zustand ist keine Dauerlösung: Der Radverkehr findet hier auf dem Fußweg statt“, kritisiert Claudia Redeker. Sie wünscht sich, dass der ADFC aktiv in die weiteren Planungen miteingebunden wird.

Schwachstellen im Geretsrieder Süden

Die Querung des Isarradwegs an der Tattenkofener Straße ist ein großes Sicherheitsrisiko.

Seit vielen Jahren gilt die Querung des Isarradwegs über die Tattenkofener Straße zum Breslauer Weg aufgrund der hohen Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos, die meist mit 100 Kilometern in der Stunde diese Stelle passieren, als Risiko für Rad- und Fußgänger. Eine Ampel oder ein Radtunnel wurde zum Bedauern des ADFC bisher noch nicht realisiert. Sorgen bereiten den Radfahrern auch die Planungen am künftigen S7-Endbahnhof. So soll die Richard-Wagner-Straße abgesenkt und unter den Gleisen hindurchgeführt werden. Auf Höhe der Jeschkenstraße ist ein Kreisverkehr geplant. „Viele Radfahrer werden diese Lösung nicht annehmen“, befürchtet Grimmeiß.

Fazit der ADAFC-Radler

„Der innerörtliche Radverkehr ist stark verbesserungsfähig“, bilanziert Hopfes. Da die meisten Wege und Straße in städtischem Besitz sind, bestünden durchaus große Handlungsspielräume. Bei Staats- und Bundesstraßen sei zwar die Zustimmung der betreffenden Verkehrsbehörden erforderlich. Durch die neue Mitgliedschaft im AGFK und gemeinsamen Befahrungen der Schwachstellen könne man jedoch mehr Druck ausüben. Für die erforderlichen Maßnahmen können zudem Fördermittel des Freistaats Bayern in Anspruch genommen werden. „Das Geld ist da, es muss nur rechtzeitig angefordert werden“, wünscht sich Grimmeiß. Einen Strich durch die Rechnung könnte den Fahrradfreunden nur die noch nicht ausgestandene Corona-Krise machen. „Dadurch wird sich die Realisierung von vielen Maßnahmen verzögern“, befürchtet Hopfes. So erfolgt die für die Ausarbeitung eines Radverkehrskonzeptes notwendige erste AGFK-Bereisung mit Fachvertretern voraussichtlich erst im Herbst 2020 oder Anfang 2021.

ph

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