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Schwerpunkt Wasser: Der Arbeitskreis Histori sches Geretsried stellte Heft 7.4 aus seiner Reihe „Zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst“ vor. 

Neues Heft zum Thema Wasser

Mammutprojekt: Arbeitskreis Historisches Geretsried hat die Hälfte geschafft

Der Arbeitskreis Historisches Geretsried präsentiert das aktuelle Heft zum Thema Wasser. Mit Heft 7.4 hat er die Hälfte seines Mammutprojekts geschafft.

Geretsried – (Zufällig) am Weltwassertag stellte der Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) sein neuestes „Geretsrieder Heft“ aus der Reihe „Zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst“ mit dem Schwerpunkt Wasser- und Abwasserversorgung sowie Energieversorgung in den Rüstungswerken vor. Zur Präsentation kamen zahlreiche Besucher in den Saal des Caritas-Altenheims St. Hedwig.

Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl dankte dem Arbeitskreis für sein Engagement, zumal Heft 7.4 unter erschwerten Bedingungen entstand. Größtenteils hat Martin Walter die 60-seitige Dokumentation erstellt. An den profunden Kenner der Geretsrieder Rüstungszeit erinnern sich viele Bürger wegen seiner Führungen durch die Bunkerreste und in die „Unterwelt“ der Stadt. Walter, früher langjähriger Bauamtsleiter, stieg mit den Interessierten in die Schächte, in denen einst die Kanäle verliefen, und zeigte ihnen im Wald versteckte Kraftwerksruinen.Im August vergangenen Jahres starb er überraschend, sodass Harald Zelfel, eigentlich zuständig für die Gestaltung, das Heft mithilfe von Walters hinterlassenen Notizen zu Ende brachte. Das zeige, wie ernst die sogenannten Hobbyhistoriker ihre Aufgabe nehmen, sagte der Vorsitzende des AHG, Dr. Wolfgang Pintgen. „Unsere Motivation ist es, die Besonderheiten Geretsrieds allen Bürgern darzulegen.“

Die beiden Rüstungswerke, die Dynamit Aktiengesellschaft (DAG) im Norden und die Deutsche Sprengchemie (DSC) im Süden der Stadt, bilden den Boden, aus dem Geretsried entstanden ist. Über das gut funktionierende Wasser- und Kanalsystem – rund 80 Kilometer Wasserleitungen und 25 Kilometer Kanalnetz – freuten sich die ersten Heimatvertriebenen, als sie anfingen, ihre Firmen und Häuser in der neuen Heimat aufzubauen. Meinl kann sich noch daran erinnern: „Wir konnten von null auf hundert loslegen“, so der Instrumentenbauer. Die Nationalsozialisten hatten den Wolfratshauser Forst 1938 nicht ohne Grund für ihre Zwecke ausgewählt. Es gab genügend Grundwasser für den Betrieb der insgesamt drei Kraftwerke. Zusätzlich konnte man Brauch- und Kühlwasser aus der Isar pumpen und wieder zurückführen.

Die strengen wasserrechtlichen Bestimmungen seien damals größtenteils eingehalten worden, berichtete Zelfel. Unter anderem wurde für die Rüstungsproduktion die hochgiftige Pikrinsäure verwendet. Nur begrenzte Mengen durften in die Isar geleitet werden – ein gewisser Anteil an Schadstoffen gelangte somit doch in den Fluss. Andere Abfälle wie verunreinigte Sägespäne vernichtete ausgebildetes Personal auf den Brandplätzen. Einer davon befand sich am Lindenrain in Wiesen in der Gemeinde Königsdorf. Die 150 mal 30 Meter große Fläche diente während des Kriegs einerseits für Probesprengungen, andererseits auch der Vernichtung von Ausschussmaterial.

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Die drei Kraftwerke, die mit Elektrizität und Dampf arbeiteten, versorgten die Produktionswerke. Eines war der heutige Kunstbunker am Isardamm. Die Werke entsprachen dem damals aktuellen Stand der Technik. Rauchgasfilter dienten allerdings nicht dem Umweltschutz, sondern verhinderten, dass die Besatzung feindlicher Flugzeuge über den Rauch das Werk entdeckte.

Harald Zelfel verstand es, seinem Publikum anhand von Karten und Fotos verständlich zu machen, wo sich welche Werke, Kanäle, Brunnen und Plätze befanden. Auch im Heft finden sich erneut viele Illustrationen. Einige ältere Zuhörer erinnerten sich noch an Kanalschächte, in die sie – verbotenerweise – als Kinder gekrabbelt waren oder an Kletterpartien auf den damals noch nicht eingezäunten Hochbehälter in Schwaigwall, von dem aus man „eine herrliche Sicht auf die Stadt hatte“, wie ein Mann erzählte.

Mit Heft 7.4 hat der Arbeitskreis Historisches Geretsried die Hälfte seines Mammutprojekts „Zwei Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst“ geschafft. Die Hefte 7.5 bis 7.8 sind für die kommenden beiden Jahre geplant. Die informativen Hefte kosten jeweils zehn Euro und sind erhältlich im Rathaus, im Museum, bei Bücher Ulbrich, im Schreibwaren-Geschäft Schröter, im Geltinger Dorfladen, in allen Sparkassen-Filialen und in der Poststelle Wendler in Stein.

Tanja Lühr

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