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Austausch mit Abendessen: Die Stadt Geretsried hatte die Mitglieder des Asylhelferkreises in die Ratsstuben eingeladen. 

50 Ehrenamtliche im Einsatz

Asyl in Geretsried: Situation hat sich entspannt, Hilfe braucht‘s aber weiterhin

Die Not von Asylbewerbern wird in der Öffentlichkeit nicht mehr so wahrgenommen wie vor ein paar Jahren. Der Asylhelferkreis ist aber weiterhin unermüdlich im Einsatz.

Geretsried – Viele neue Asylbewerber sind im vergangenen Jahr nach Auskunft der zuständigen Sachbearbeiterin am Landratsamt, Jeannette Kegler, nicht in die beiden Gemeinschaftsunterkünfte nach Geretsried gekommen. In der Asylbewerberunterkunft (ABU) II an der Blumenstraße leben aktuell 50 Menschen, in der ABU III der Regierung von Oberbayern an der Jahnstraße sind es 200. Dezentral sind etwa 50 Geflüchtete untergebracht. Viele der seit 2015 eingewanderten Syrer, Afghanen und Afrikaner sind mittlerweile anerkannt und haben eigene Wohnungen.

Immer noch hoch ist jedoch laut Kegler die Anzahl der so genannten Fehlbeleger in den Unterkünften, also derer, die zwar anerkannt sind, aber kein eigenes Dach über dem Kopf finden. Obwohl sich die Situation deutlich entspannt hat, brauchen die Familien und Alleinstehenden nach wie vor Unterstützung. Die bekommen sie von den Mitarbeitern der Abteilung Asylwesen am Landratsamt, von der Organisation „Hilfe von Mensch zu Mensch“, von der Stadt und nicht zuletzt von Ehrenamtlichen.

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Um den Geretsrieder Helferkreis Asyl ist es ein wenig still geworden in der Vergangenheit. Untätig sind die Mitglieder deswegen aber nicht. „Ich habe eine Liste mit 100 Helfern. Mehr als 50 von ihnen sind aktiv“, sagt die städtische Asylkoordinatorin Suzan Jarrar. Fast alle dieser 50 aktiven Betreuer folgten am Freitagabend der Einladung von Bürgermeister Michael Müller zu einem Jahresauftakt-Abendessen und Austausch in den Ratsstuben. „Gut, dass Sie an Ihrer Arbeit dranbleiben, auch wenn sie nicht mehr im medialen Fokus steht“, sagte Müller. Diese Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt machten Geretsried aus, darauf könne man stolz sein.

Die Sozialreferentin des Stadtrats, Sonja Frank, sagte, die Not der Asylbewerber werde von der Öffentlichkeit nicht mehr so stark wahrgenommen. Die Menschen würden sich im Alltag weniger abheben, außer vielleicht durch ihre Hautfarbe. Frank: „Aber Probleme bestehen weiterhin.“ Sie rief die Ehrenamtlichen dazu auf, sich an Suzan Jarrar zu wenden, die sich dann bei den übergeordneten Stellen für die Belange der von den Helfern Betreuten einsetze.

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Die Integration der ausländischen Mitbürger stelle „eine der größten Herausforderungen“ dar, so die Sozialreferentin. Sie selbst hatte sich zusammen mit Martina Schmid als eine der ersten in Geretsried bereits 2012 um geflüchtete junge Männer aus Afghanistan gekümmert. „Das hat mein Leben verändert“, sagt Frank. Auch Suzan Jarrar ist in die Betreuung der Asylbewerber von Anfang an involviert. 2015 empfing sie zusammen mit anderen engagierten Frauen und Männern die ersten Flüchtlinge, die in den eigens aufgestellten und inzwischen wieder abgebauten Containern am Robert-Schumann-Weg, die ABU I, einzogen. Ebenfalls seit 2015 dabei ist Isobel Muir-Ruckstuhl. Sie arbeitete in der Kleiderkammer und betreut jetzt einzelne Familien. Muir-Ruckstuhl begleitet vor allem Schwangere und Familien mit kranken oder behinderten Kindern. Rolf Reisinger gibt nach wie vor kostenlose Deutschkurse. Elisabeth Sowa bringt Asylbewerber-Kindern alle zwei Wochen im Hallenbad das Schwimmen bei. Und Isabella Kaltenegger will im Frühjahr mit den Bewohnern der ABU III Hochbeete bauen, wie sie es bereits am Schumann-Weg getan hat.

Auch eine ehemalige Bewohnerin der ABU I gehört inzwischen dem Helferkreis an. Die 17-jährige Yoshi ist mit ihren Eltern und ihrem Bruder vor fünf Jahren aus dem Sudan geflüchtet. Die Familie ist heute anerkannt und lebt in einer eigenen Wohnung. Yoshi geht in Bad Tölz zur Schule. Sie dolmetscht bei Arztbesuchen und Behördengängen, außerdem kocht sie leidenschaftlich gern für den Helferkreis. „Ich möchte etwas zurückgeben, denn wir wurden sehr freundlich aufgenommen und uns wurde sehr viel geholfen“, sagt die junge Frau mit den Rasta-Locken.

Mit einem Auftritt des afghanischen Stand-up-Comedians Hani Who sowie bei Musik und Tanz ließen die Ehrenamtlichen nach dem Essen den Abend humorvoll ausklingen.

Tanja Lühr

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