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Als Flüchtlinge kamen Ernst Walko (li.) und Werner Sebb 1946 ins damalige Lager Buchberg. Die Ausstellung weckte Erinnerungen.

„Erst dann, wenn man seine Heimat verloren hat, wird bewusst, wie stark die Bindung war.“

Ausstellung „Angekommen“ zur Geschichte der Heimatvertriebenen bis Ende Mai im Museum

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Die Ausstellung „Angekommen“ erinnert an die Geschichte der Heimatvertriebenen. Ein wichtiges Thema für Geretsried.

Geretsried – „Daheim ist man dort, wo man verstanden wird“: Mit diesem Zitat von Dichter Christian Morgenstern eröffnete Bürgermeister Michael Müller am Freitag die neue Ausstellung „Angekommen – Die Integration der Vertriebenen in Deutschland“. Viele Gäste, darunter Altbürgermeisterin Cornelia Irmer, Stadträte, Vertreter der Kirche und der Landsmannschaften sowie Mitglieder des Vereins „Bürger fürs Badehaus“ waren in die Ratsstuben gekommen.

Bedeutende Ausstellung für Geretsried: Bürgermeister Michael Müller eröffnete „Angekommen“ im feierlichen Rahmen in den Ratsstuben.

Rathauschef Müller zollte der Leistung der Geretsrieder Bürger, von der ersten bis zur heutigen Generation, seine hohe Anerkennung. Die Entstehungsgeschichte der Stadt Geretsried zeige beeindruckend, was es bedeutet, verfolgt und vertrieben zu werden, Haus und Hof zu verlieren, nicht aufzugeben, sondern neu anzufangen in einer fremden Heimat. Müller: „Erst dann, wenn man seine Heimat verloren hat, wird bewusst, wie stark die Bindung war.“

Die Ausstellung „Angekommen“, die das Museum der Stadt Geretsried bis Donnerstag, 30. Mai, zeigt, ist heuer sicher eine der bedeutendsten in Geretsried. Sie zeigt unretuschiert durch historisches Bildmaterial und Zeitdokumente, wie schwer der Beginn dieser Stadt und das Stadtleben nach Ende des Zweiten Weltkriegs war. Wie die Menschen ihr Schicksal in die Hand nehmen und aus dem Nichts Neues aufbauen, schenkt aber auch Zuversicht.

Wiedersehen im Bürgermeisterbüro: Hier war einst Waldtraut Diebls Schlafzimmer

Am 7. April 1946 kamen die ersten Heimatvertriebenen aus Graslitz/Sudetenland in Geretsried an. Die kommenden Jahre sollten aus Mangel an allen lebensnotwendigen Gütern entbehrungsreich werden, erläuterte Anita Zwicknagl vom städtischen Kulturamt in einem Vortrag, ehe es mit den Gästen auf einen Rundgang durch die Ausstellung ging. Sie berichtete von der Ankunft in Bayern, der Konfrontation mit den Einheimischen, der erniedrigenden Entlausung in den Lagern und dem Leben in den Baracken. Familien mit bis zu sechs Personen lebten beengt auf 20 Quadratmetern.

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Zwicknagl spannte den Bogen zum Lager Föhrenwald in Waldram, wo zeitgleich die Überlebenden des Holocaust eine sichere Übergangsbleibe bekamen. Trotz der Schwere der Schicksale in dieser Zeit haben die Menschen aus dem Sudetenland, Egerland, Ostpreußen, Siebenbürger-Sachsen, Schlesien und Ungarndeutsche nicht aufgegeben, sondern angepackt, aufgebaut, eine Baugenossenschaft und eine Industriegemeinschaft gegründet, Arbeitsplätze geschaffen und in Zeiten des Wirtschaftswunders aus dem Barackenlager Geretsried 1950 eine aufblühende Gemeinde gegründet – mit Kunst am Karl-Lederer-Platz, mit Kino im Bunker und zunehmend gefüllten Einkaufsläden.

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„Wir sollten aus der Geschichte lernen, sie nie vergessen und immer wieder darüber reden“, mahnte Bürgermeister Müller. Geretsried sei auch ein gutes Beispiel, wie Integration gelingen könne. „Das bewahren wir uns, und das behalten wir im Herzen.“

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