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Paradion: Projektleiter Jakob Fischer erklärte die Geschichte der Russlanddeutschen. 450.000 sollen in Bayern leben – davon einige in Geretsried. 

Für die Integration muss noch viel getan werden

Jenseits von Helene Fischer: Ausstellung über Deutsche aus Russland

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Eine Ausstellung im Quartierstreff zeigt die leidvolle Geschichte der Deutschen aus Russland. Der Erfolg von Helene Fischer aus Krasnojarsk ist eine Ausnahme.

Geretsried – Rund 40 Besucher folgten am Montagabend der Einladung des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJA) in den Quartierstreff am Steiner Ring. Dass die Eröffnung der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ an keinem geeigneteren Ort hätte stattfinden können, betonte Bürgermeister Michael Müller in seiner Grußansprache. „Geretsried ist ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann“, sagte der Rathauschef. Gerade im südlichsten Ortsteil Stein fanden viele Deutsche aus Russland in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Heimat. So wie Irina Pfaffenrod, die vor 22 Jahren nach Geretsried übersiedelte und mittlerweile im ganzen Stadtteil bekannt ist. „Am Anfang war es schwer, aber jetzt mag ich diese bunte Stadt“, erklärte sie bei der Ausstellungseröffnung.

Ein Blick über den kommunalen Tellerrand warfen Maria Filina von der Hanns-Seidel-Stiftung und der Projektleiter der Ausstellung Jakob Fischer. Filina berichtete, dass derzeit etwa 450 000 Russlanddeutsche im Freistaat leben – in ganz Deutschland wird ihre Zahl auf etwa 4,1 Millionen geschätzt. Die Geschichte der Volksgruppe begann mit dem sogenannten Einladungsmanifest der russischen Zarin Katharina II. im Jahr 1763. „Sie versprach deutschen Einwanderern Privilegien wie zum Beispiel Steuerfreiheit, Selbstverwaltung und Freistellung vom Militärdienst“, erklärte Fischer. 

Mit den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert begannen dann für die Russlanddeutschen leidvolle Jahre, die von Zwangsarbeit und Vertreibung geprägt waren. Erst ein 1990 zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsidenten Michail Gorbatschow geschlossenes Abkommen verbesserte die Beziehungen. Da Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin den Russlanddeutschen dennoch wenig verheißungsvolle Zukunftsperspektiven anbot, kam es in den 1990er-Jahren zu einer Ausreisewelle nach Deutschland. 

Lesen Sie auch: Aus Russland nach Stein: Das ist die Geschichte von Irina Pfafenrod

Die vom Bundesministerium des Innern und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte Wanderausstellung zeigt mit Tafeln und Schaubildern nicht nur historische Zusammenhänge sondern auch die Schicksale einzelner Familien auf. Dabei wird deutlich, dass jenseits der Erfolgsgeschichte der 1984 im russischen Krasnojarsk geborenen Schlagersängerin Helene Fischer noch viel für die Integration und den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen getan werden kann. „Ich wünsche dieser Ausstellung viele Besucher“, hofft Bürgermeister Michael Müller.

Der Trägerverein weist darauf hin, dass außerterminliche Führungen durch die Ausstellungen für Schulklassen, Gruppen und Vereine möglich sind. Wer Interesse hat, meldet sich bei Projektleiter Jakob Fischer unter Ruf 01 71/4 03 43 29, E-Mail j.fischer@lmdr.de oder bei Integration aktiv, Patrick Hingar, Ruf 0 81 71/9 26 65 35, E-Mail patrick.hingar@jugendarbeit-geretsried.de

Infos

Die Ausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ kann jeweils dienstags und donnerstags bei freiem Eintritt zwischen 17 und 20 Uhr im Quartierstreff am Steiner Ring 10 besucht werden. Im Rahmen des Seniorencafés lädt Projektleiter Jakob Fischer am 20. März ab 14.30 Uhr zur Abschlussveranstaltung ein.

ph

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