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Groß war das Interesse an der ersten Bunker-Führung von Bernd Walter (re.). Der 54-Jährige setzt damit die Tradition seines Vaters Martin Walter fort, der vergangenes Jahr gestorben ist. 

Spannende Geschichte

Nach dem Tod seines Vaters: Bernd Walter setzt Bunker-Führungen fort

Bernd Walter setzt mit den Bunker-Führungen eine Familientradition fort. Sein Vater wusste alles über die Ruinen in Geretsried. Nun will sein Sohn dieses Wissen weitertragen.

Geretsried „Es wäre schade, wenn das verloren ginge“, sagt Bernd Walter. Nach dem Tod seines Vaters Martin Walter im Sommer vergangenen Jahres hat der Sohn die legendären Geretsrieder Bunker-Führungen übernommen. Zur ersten kamen 85 Interessierte. Die Gruppe begab sich im Süden der Stadt, zwischen Sudetenstraße, der Firma Rohi und der Isar viereinhalb Stunden lang auf die Spuren der Rüstungswerke. An diesem Samstag findet die nächste Tour statt, zwei weitere sind für den Herbst vorgesehen.

Bernd Walter ist wie so viele Geretsrieder Kinder zwischen Bunkerresten und unterirdischen Gängen aufgewachsen. Sein Großvater Emil Walter, der aus Coswig stammt, war Werkmeister in einem der Munitionsbetriebe und später Sprengmeister. Die Geschichten über seine Arbeit faszinierten den Enkel von klein auf. Von seinem Vater Martin Walter erfuhr Bernd viel über das ebenfalls geschichtsträchtige Lager Föhrenwald. Seine Eltern lebten in Waldram, bevor sie nach Geretsried zogen.

Dort befasste sich Martin Walter, der lange als Bauamtsleiter bei der Stadt Geretsried arbeitete, intensiv mit den Jahren 1938, als die Munitionsfabriken im damals so genannten Wolfratshauser Forst gebaut wurden, bis 1945, dem Kriegsende, und der folgenden Demontage der Gebäude. „Er kannte alle Häuser, die aus ehemaligen Bunkern entstanden waren. Er wusste alles über die Finanzierung der Betriebe Deutsche Sprengchemie (DSC) und Dynamit AG (DAG), über die Verkehrswege, das Wasser- und Abwassersystem und über die logistischen Prozesse in den Werken“, sagt sein Sohn.

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Als der passionierte Hobbyhistoriker, Mitglied im Arbeitskreis Historisches Geretsried und Verfasser einiger „Geretsrieder Hefte“, im vergangenen Jahr schwer krank wurde, beschloss Bernd Walter, dieses Wissen weiterzutragen und die beliebten Führungen zu den Schauplätzen der Vergangenheit fortzuführen. Auf zwei Touren begleitete er seinen Vater noch. Er machte sich Notizen, las die „Geretsrieder Hefte“ und ließ sich vor allem viel von seinem Vater erklären. „Es hat ihn gefreut, dass ich seine Aufgabe fortsetzen wollte“, sagt Bernd Walter. Ein bisschen stolz erzählt der 54-Jährige, er habe bei seiner ersten Führung alle Fragen der Teilnehmer beantworten können. Er hat sich nicht nur auf die Kriegs- und Nachkriegszeit vorbereitet, sondern kann auch über die Gegend während der Eiszeit, der Keltenzeit und der Kalkbrennerei berichten.

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25 Jahre lang war der Geretsrieder als Siemens-Mitarbeiter in aller Welt unterwegs. Bernd Walter hat viel erlebt und gesehen. Der Bezug zur Heimat sei dadurch leider etwas verloren gegangen, sagt er. Geschichte an sich interessiere ihn und so habe er das „Erbe“ seines Vaters nicht nur dem Verstorbenen zu Liebe angetreten. Er habe bei der Beschäftigung mit dem Material, das über die Rüstungswerke zur Verfügung steht, gemerkt, dass trotz zahlreicher Dokumente, Pläne und Aufzeichnungen doch manches „schwammig“ sei. Mit Zeitzeugen zu sprechen, um Bestätigung oder auch Widerspruch zu erhalten, sieht er deshalb als wichtige Aufgabe eines jeden (Hobby-)Historikers an. „Es gibt nicht mehr viele Überlebende. Ihr Wissen geht verloren, wenn wir es nicht jetzt abfragen.“

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Weitere Gründe, in Geretsried zu bleiben, sind für Bernd Walter, dass er für seine Mutter da sein möchte, und seine Budo-Schule, eine Abteilung für Kampfkunst, innerhalb des TuS, die er vor zwölf Jahren eröffnet hat. Ob er sich vorstellen könne, künftig beim Arbeitskreis Historisches Geretsried an den Geretsrieder Heften mitzuarbeiten, von denen noch eine ganze Reihe zum Thema Munitionsfabriken geplant sind? Walter sagt, im Moment eher nicht. Er hat mit 54 Jahren noch ein Psychologiestudium auf sich genommen, das Zeit beansprucht. Mit den Führungen und dem Budo sei er ehrenamtlich ausgelastet.

Info

Die nächste Stadtführung mit dem Titel „Bunker im Wald – eine Wanderung in die Zeit der Rüstungswerke“ findet an diesem Samstag, 27. April, statt. Treffpunkt ist um 13 Uhr der Parkplatz an der Sudetenstraße 68 (ehemals Netto). Die Führung dauert etwa drei Stunden, festes Schuhwerk wird empfohlen. Die Gebühr beträgt fünf Euro. Die Anmeldung erfolgt telefonisch unter der Nummer 0 81 71/6 29 84 41 oder per E-Mail an ilka.dietrich-naumann@geretsried.de. Bei schlechtem Wetter entfällt die Führung.

Tanja Lühr

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