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Weiß-blaues Geschenk: Einen Maibaum stellten die Geretsrieder in Chamalières auf. Bürgermeister Louis Giscard d’Estaing (mit Krawatte) freute sich und stellte sich beim Erinnerungsfoto neben Bürgermeister Michael Müller (mit Hut).

„Ein großes Friedensprojekt“

90 Geretsrieder besuchen Partnerstadt Chamalières - und sind begeistert 

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Zwischen Geretsried und Chamalières hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt. Das zeigte sich einmal mehr am Wochenende beim Besuch in Frankreich. 

Geretsried/Chamalières – Der Austausch zwischen den Gästen aus Geretsried und den Gastgebern in Chamalières hat bestens funktioniert. Wer der französischen Sprache nicht mächtig ist, bekam Übersetzungshilfe, berichtet Gerhard Meinl, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Geretsried-Chamalières. Und auch die Siebenbürger Sachsen hatten Erfolg mit der nonverbalen Kommunikation. „Wer miteinander tanzt, braucht die Sprache nicht“, sagt Sieglinde Thamm, Gruppenleiterin der Erwachsenentanzgruppe.

90 Frauen und Männer sind am Mittwoch vor einer Woche mit zwei Reisebussen in die gut 900 Kilometer entfernte Partnerstadt in der Auvergne gefahren. Sie verbrachten „ein wunderbares Wochenende“ mit den französischen Freunden, so Meinl. „Die Städtepartnerschaft lebt“, fasst Bürgermeister Michael Müller zusammen.

Traditionelle Tänze präsentierten die Siebenbürger Sachsen auf dem Place de Geretsried.

Nach der herzlichen Aufnahme in den Gastfamilien startete das offizielle Programm am Donnerstagnachmittag. Die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen – rund 30 Mitglieder waren dabei – trat erstmals in Chamalières auf. „Es hat den Franzosen sehr gut gefallen, und sie haben viele Fragen zu unserer Tracht gestellt“, berichtet Sieglinde Thamm. Auch die französische Volkstanzgruppe „La Bourrée des Volcans“ präsentierte sich auf dem Place de Geretsried. Im Anschluss tanzten beide Nationen spontan zusammen. Thamm: „Das war sehr schön.“

Sechs Geretsrieder hatten sich bereits Mitte Mai auf den Weg nach Frankreich gemacht – mit dem Rad. Wie berichtet sind sie nach 15 Tagen Fahrt und 1080 Kilometern gut in Chamalières angekommen. Am Donnerstag „haben wir die Fahrradfahrer offiziell begrüßt“, berichtet Bürgermeister Müller. Alle gemeinsam feierten bei einem Bierfestival am Abend. Neben regionalem Bier wurde Truffade, ein Gericht aus Kartoffeln und Käse serviert. Für Musik sorgten Mitglieder der Musikschulen Geretsried und Chamalières. „Da ist mittlerweile eine richtige Freundschaft entstanden“, sagt Sabrina Schwenger, kaufmännische Leiterin der Geretsrieder Musikschule. Die beiden Jazz-Bands tauschten im Vorfeld Arrangements aus, übten am Nachmittag und gaben abends ein zweistündiges Konzert. „Ein großartiger Jazz-Abend. Das waren nicht mehr zwei, sondern eine Gruppe. Das ist es, was die Partnerschaft ausmacht“, schwärmt Gerhard Meinl.

Gelungene Symbiose: Die Jazzer der Musikschulen Geretsried und Chamalières gaben ein gemeinsames Konzert.

Das Geschenk, das die Geretsrieder mitgebracht hatten, kam ebenfalls gut an: ein Maibaum mit den Wappen der beiden Städte und einem französischen Hahn an der Spitze. Mit drei Metern war er zwar nicht ganz so groß, wie es in Bayern üblich ist. Aber „wir mussten ihn im Bus transportieren“, so Meinl.

Am Freitag stand ein Ausflug in die Vulkanberge an. „Das Kennenlernen der Umgebung hat mich sehr beeindruckt“, berichtet Bürgermeister Müller. Auch der deutsch-französische Freundschaftsabend, das Stadtfest, das Arbeitsessen der Partnerschaftskomitees sowie das Straßenfest mit Feuerwerk kamen bei allen Beteiligten gut an.

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So kurz nach der Wahl des Europaparlaments waren die Veränderungen der politischen Landschaft freilich Gesprächsthema. „Uns ist die deutsch-französische Freundschaft und die Gemeinschaft in Europa unabhängig von politischen Stimmungen ein hohes Gut, an dem wir weiterhin festhalten müssen“, sagt Müller. Man sei sich einig, die direkte Begegnung weiterhin zu ermöglichen. „Der Austausch ist auch ein großes Friedensprojekt.“

Nach einem zweisprachigen Gottesdienst mit Begleitung eines großen Chores am Sonntag mussten die Geretsrieder Abschied nehmen. Natürlich nicht ohne Pläne für ein Wiedersehen 2020. Müller: „Die Franzosen werden um den 1. Mai zu uns kommen, Details müssen aber noch besprochen werden.“

sw

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