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Schneller mit dem Bus: Ein geschlossener Ring aus sieben Expressbuslinien durch die Landkreise München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen soll Pendlern das Leben erleichtern. Das ist das Ziel des Vorstoßes vom Münchner Verkehrsverbund und dem Bayerischen Verkehrsministerium.

Verkehrssituation soll verbessert werden

Bis zur S7-Verlängerung: Geretsrieder Rathauschef setzt auf Ringbus-Linien

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Schnellbus oder Ringbus-Expresslinien? Bis die S7 nach Geretsried rollt, gibt es verschiedene Ideen, um den Verkehr zu reduzieren und klimafreundlich zu organisieren.

Geretsried/Berlin – Bis zur Verlängerung der S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried werden noch Jahre ins Land ziehen. Aus diesem Grund plädiert der Geretsrieder Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner (Die Linke) für die Einrichtung eines Schnellbusses zwischen Geretsried und München. Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) hält den Vorstoß nicht zuletzt aus Kostengründen für wenig realistisch. Stattdessen könnten viele Pendler künftig von sogenannten Expressbussen profitieren, die das Bayerische Verkehrsministerium ins Spiel gebracht hat. Darüber hinaus kündigt Müller im Gespräch mit unserer Zeitung an, dem Kreistag einen „weiterführenden Vorschlag“ unterbreiten zu wollen: Eine Busverbindung zwischen Geretsried und dem U-Bahnhof in Fürstenried.

Die kürzlich bekannt gewordenen Umplanungen an der 2. Stammstrecke in München hat der Bundestagsabgeordnete Wagner zum Anlass genommen, sich beim Bundesverkehrsministerium nach den Auswirkungen auf die S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried zu erkundigen. Parallel erneuerte Wagner in einem Schreiben an Geretsrieds Bürgermeister Müller seine Forderung, temporär einen Schnellbus zwischen der größten Stadt im Landkreis und der bayerischen Landeshauptstadt fahren zu lassen.

2. Stammstrecke: Wie wirkt sich die Verzögerung aus ?

In einer schriftlichen Antwort auf Wagners Anfrage weist das Bundesverkehrsministerium in Person des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann (CDU) darauf hin, dass für die Planung, Organisation und die Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) – dazu zählt die Personenbeförderung auf der Schine – die Länder zuständig sind. „Nach Auskunft des Freistaates Bayern stehen die beiden Münchner S-Bahn-Vorhaben, 2. Stammstrecke und Verlängerung der S7, baulich in keiner direkten Abhängigkeit zueinander“, so Ferlemann weiter. Somit seien durch die spätere Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke keine Verzögerungen bei der Gleisverlängerung nach Geretsried zu erwarten. Wie berichtet gehen die Verfahrensbeteiligten davon aus, dass der erste Zug im Jahr 2028 über die Strecke rollt.

Andreas Wagner bezweifelt dies: „Mit Blick auf die Verzögerungen beim Bau der 2. Stammstrecke und die häufigen Störungen im laufenden S-Bahn-Betrieb ist es fraglich, ob sich die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried bis zum anvisierten Termin im Jahr 2028 realisieren lässt“, unkt Wagner. „Es ist sinnvoll und notwendig, bereits heute schnell umsetzbare Lösungen auf den Weg zu bringen, um den Verkehr zu reduzieren und klimafreundlich zu organisieren“, meint der Sprecher für ÖPNV und Fahrradmobilität der Bundestagsfraktion der Linken. Ein Schnellbus könnte zumindest übergangsweise bis zur Realisierung der S 7-Verlängerung „ein attraktives Angebot für Pendler aus dem Nordlandkreis sein“, glaubt der Geretsrieder.

Rathauschef Müller betont, dass die Kommune rein rechtlich nicht für das Thema Schnellbus zuständig sei. Dies sei – wenn überhaupt – Sache des Landkreises. Der, so Müller, müsse auch die Kosten für eine Schnellbuslinie Geretsried-Hauptbahnhof München übernehmen. Genau genommen jedoch nur bis zur Gemeinde Icking – weiter nördlich stehe der Landkreis München in der Pflicht.

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Müller will nicht ausschließen, dass das Thema Schnellbus „noch einmal vertieft diskutiert wird“. Eine zeitnahe Verbesserung der grundsätzlichen Situation verspricht er sich allerdings von der sogenannten Ringbus-Expresslinie: Kreisstädte und große Kommunen rund um München sollen durch Expressbusse miteinander verbunden werden. Dieses Konzept stellten im April der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und das Bayerische Verkehrsministerium vor (wir berichteten).

Bürgermeister will in Sachen Bus mehrgleisig fahren

Insgesamt sind sieben Linien geplant, erklärte MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Die Expressbusse sollen beispielsweise zwischen Starnberg und Wolfratshausen mit nur ganz wenigen Haltestellen pendeln. „Aktuell in der Diskussion ist eine Streckenführung über Wolfratshausen, Waldram, die Tattenkofener Straße, die Richard-Wagner-Straße, die Sudentenstraße und die Jeschkenstraße in Geretsried“, berichtet Müller. Über die Tattenkofener Straße soll der Expressbus schließlich Passagiere nach Bad Tölz bringen. Dort besteht eine Bahnverbindung in die Landeshauptstadt. Laut Müller sollen die Expressbusse am Geretsrieder Rathaus/B11 sowie Am Stern halten.

Müller hält das Pilotprojekt „Ringbuslinien rund um München“, an dem sich der Freistaat laut Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) finanziell beteiligen wird, „für einen guten ersten Schritt“. Die Ergänzung des bestehenden Busangebots sei sinnvoll, der Ausbau der Ost-West-Achse überfällig. Die Planungen seien sehr konkret, sagt der Bürgermeister. Nach den Sommerferien sollen den Kreispolitikern Fahrpläne und ein Betriebskonzept für die Expresslinien durch die Landkreise München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen vorgelegt werden. MVV und Staatsregierung peilen an, dass die ersten Expressbusse in drei Jahren rollen.

Wenn im Herbst über einen neuen Nahverkehrsplan debattiert wird, will Bürgermeister Müller einen „ergänzenden Vorschlag“ zur Diskussion stellen: Ein Schnellbus, der auf direktem Weg zwischen Geretsried und dem U-Bahnhof in Fürstenried verkehrt. Den müsste der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen unterhalten – „da werden sicherlich dicke Bretter gebohrt werden müssen“, weiß Müller.

Parallel setzt der Geretsrieder Rathauschef auf die zeitnahe S7-Verlängerung. Kürzlich hatte er allerdings erstmals öffentlich eingeräumt, dass er persönlich Zweifel habe, dass in neun Jahren tatsächlich Züge zwischen den Nachbarstädten verkehren. Im Rahmen des Besuchs des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Matthias Jena, sagte Müller mit Blick auf den geplanten Gleisbau: „Ich glaube nicht, dass 2028 zu halten ist.“

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Stichwort: S7-Verlängerung

Im Jahr 2028, so hieß es zuletzt, soll die erste S-Bahn bis nach Geretsried rollen. Den Bau der knapp zehn Kilometer langen, elektrifizierten, eingleisigen Strecke samt Bahnhöfen und Brücken, der sich voraussichtlich über fünf Jahre erstrecken wird, finanzieren der Bund, Bayern, der Landkreis, die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Deutsche Bahn. Mindestens 167 Millionen Euro müssen investiert werden, laut Bahn sind das die Planungs- und Baukosten. Diese Kostenschätzung ist jedoch mit größter Vorsicht zu betrachten, denn es handelt sich um den Preisstand aus dem Jahr 2009. Dasselbe gilt für den Tunnel-/Trogbau im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen, der Mehrkosten von rund 44 Millionen Euro verursacht. Eine Sprecherin der Bahn hatte im März dieses Jahres angekündigt, dass Ende 2019 eine belastbare Kostenberechnung vorliegen soll.

cce

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