Nur kurz währte die Freude für Michael Müller über sein gutes Wahlergebnis – hier nach der Bekanntgabe der Zahlen mit seiner Frau Daniela.
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Nur kurz währte die Freude für Michael Müller über sein gutes Wahlergebnis – hier nach der Bekanntgabe der Zahlen mit seiner Frau Daniela.

Corona rückte Kommunalwahl in den Hintergrund

Bürgermeister Müller im Interview: Krisenmanagement statt Siegestaumel

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller steht vor seiner zweiten Amtszeit. Auf seinem guten Wahlergebnis kann er sich nicht ausruhen. Corona-Krisenmanagement ist angesagt.

Geretsried – Trotz dreier Gegenkandidaten hat Bürgermeister Michael Müller in der Kommunalwahl 62,15 Prozent der Stimmen bekommen. Ein Ergebnis, das sich durchaus ein paar Tage feiern und genießen ließe. Doch dafür hatte der CSU-Rathauschef, der nun vor seiner zweiten Amtszeit steht, keine Zeit. Die Corona-Pandemie rückt die Kommunalwahl und alle anderen Themen in den Hintergrund. Krisenmanagement ist angesagt. Unsere Zeitung hat sich mit dem 50-Jährigen über die aktuelle Situation unterhalten – natürlich am Telefon.

Herr Müller, wie geht es Ihnen heute?

Gut, danke.

Sie haben bei der Kommunalwahl ein sehr, sehr gutes Ergebnis erzielt. Konnten Sie das angesichts der Corona-Pandemie wahrnehmen?

Ja, in dem Moment der Verkündung konnte ich es natürlich wahrnehmen. Er stand aber schon unter dem Zeichen des Virus’. Es gab keine öffentliche Feier. Ich habe die Ergebnisse im privaten Rahmen verfolgt. Ein paar Leute waren aber dabei, das ging zu diesem Zeitpunkt ja noch. Am nächsten Tag ging es dann gleich weiter mit der Corona-Krise.

Das heißt?

Erste Anzeichen gab es schon im Vorfeld der Wahl. Wir haben daher die Pandemiepläne aus der Schublade gezogen und einen Krisenstab gegründet.

Wer gehört dem an, und wie oft kommt er zusammen?

Im engeren Kreis sind die Abteilungsleiter der Verwaltung, im erweiterten auch die Fachgebietsleiter. Wir kommen alle zwei Tage zusammen. Im selben Rhythmus gibt es auch Telefonkonferenzen mit dem Landratsamt.

Worum kümmert sich der Krisenstab?

Im Kern geht es darum, die Funktionsfähigkeit der Verwaltung aufrechtzuhalten. Trinkwasserversorgung, Bauhof, Ordnungsamt, Feuerwehr, Friedhof müssen gesichert sein, aber natürlich auch Verwaltungstätigkeiten und Dienstleistungen, zum Beispiel im Standesamt.

Wie gewährleisten Sie das?

Wir haben die Mitarbeiter in zwei Schichten aufgeteilt, um sie zeitlich und räumlich zu trennen. Die eine Schicht arbeitet vormittags im Rathaus und nachmittags von daheim, die andere Schicht umgekehrt. Die Ansprechpartner stehen weiter zur Verfügung. Aber nur per Telefon und E-Mail, um das Kontaktrisiko zu minimieren.

Und das funktioniert?

Das System hat sich bewährt. Uns hilft, dass wir früh reagiert haben. Aber natürlich hatten wir so eine Situation in unserer 70-jährigen Stadtgeschichte noch nicht. Es gibt keine Blaupause, auf die wir zurückgreifen können. Im Pandemieplan ist nicht alles geregelt, manches mussten wir neu erarbeiten. Und neben der Umsetzung dieser Maßnahmen gab es ja auch noch die Kommunalwahl zu stemmen.

Wie sieht aktuell ein Tag bei Ihnen aus?

Ich bin immer vormittags im Rathaus. Da gehe ich meine Post und E-Mails durch, bespreche mich mit unserer Geschäftsleiterin und gegebenenfalls den Abteilungsleitern. Das natürlich unter Einhaltung der Abstandsregel. Dann führe ich Telefonate, womit ich nachmittags von zuhause aus weitermache. Insgesamt konzentriert sich alles stark auf Telefontermine – wie jetzt unser Interview. Und auch die Bürgersprechstunde halte ich nun über das Telefon ab.

Ruht die Politik jetzt?

Nein. Man sagt zwar, eine Krise ist die Stunde der Exekutive, aber das demokratische System darf trotzdem nicht ausgehebelt sein. Mir ist wichtig, dass wir weiterhin Gremienarbeit machen, aber natürlich nur innerhalb der Rahmenbedingungen, die die Pandemie vorgibt. Wir haben einen Ferienausschuss mit den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses gegründet. Er übernimmt in den nächsten sechs Wochen die unabdingbaren Themen.

Das alles macht deutlich: Für Sie ist es ganz ohne Siegestaumel nahtlos weitergegangen.

Die Wahl ist stark nach hinten gerutscht. Ich hab den Wahlkampf am Ende zurückgefahren. Von meinen Honig-Wahlgeschenken habe ich daher noch einiges daheim. Aber die kann ich ja auch noch verteilen, wenn alles wieder gut ist.

Kehrt denn inzwischen langsam Normalität ein, jetzt wo sich die Corona-Nachrichten nicht mehr so überschlagen wie zu Beginn der Pandemie?

Von Normalität kann man noch lange nicht sprechen. Es ist schwer zu sagen, was da noch kommt. Auch lässt sich noch keine Aussage treffen, wie sich all das auf Geretsried und den Landkreis auswirken wird. Wir versuchen möglichst für die Menschen da zu sein und Stabilität zu signalisieren. Gleichzeitig gilt es natürlich, trotz allem das soziale Leben aufrechtzuerhalten. Hier versuchen wir, Angebote wie etwa die Nachbarschaftshilfe nebenan.de zu unterstützen. In solch extremen Zeiten beweist sich der gute Zusammenhalt in der Stadt. Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich hier einsetzen.

Wie belastend ist die aktuelle Situation für Sie persönlich?

Es ist ein Spagat. Als Privatperson mache ich mir Gedanken, was passieren kann. Ich habe schließlich auch Familie und Kinder; und ich selbst bin natürlich genauso wenig immun. Auf der anderen Seite fühle ich mich als Bürgermeister verantwortlich für die Menschen in unserer Stadt.

Wie schlimm ist es für Geretsried, dass das öffentliche Leben lahmgelegt ist?

Keiner kann sagen, wie die Auswirkungen mittel- und langfristig sein werden. Für viele Geschäftsleute, Selbstständige, Gastronomen und Künstler ist die jetzige Situation eine Katastrophe, für uns als Wirtschaftsstandort eine echte Herausforderung.

Muss sich die Stadt nun finanzielle Sorgen machen?

Momentan kann ich das nicht sagen, aber wir beobachten die Sache natürlich genau. Im Haushalt, den wir Ende Januar verabschiedet haben, wird sicher das eine oder andere auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Ich will noch keine Prognose abgeben, wie sich die Situation auf die Steuereinnahmen auswirken wird, aber das wird sicher ein Thema sein, mit dem sich der neue Stadtrat auseinandersetzen muss.

Apropos Stadtrat: Was sagen sie zu dessen neuer Zusammensetzung?

Wir haben mit der CSU gute Ergebnisse eingefahren. Dass die APO (außerparlamentarische Opposition, hier Geretsrieder Liste, Anm. d. Red.) nun in den Stadtrat eingebunden ist, fördert die Demokratie. Nun reicht es nicht mehr, Demonstrationen auf dem Karl-Lederer-Platz zu veranstalten oder Kommentare im Internet abzugeben, sondern es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Das ist ein gutes Zeichen.

Wie bewerten Sie Ihr Ergebnis?

Es ist ein deutlicher Vertrauensbeweis und bestätigt den Kurs, den ich zu Beginn meiner ersten Amtszeit eingeschlagen habe.

Worauf freuen Sie sich, wenn wieder normales Leben einkehrt?

Ein schönes Weißbier im Biergarten zu trinken und dort zusammen mit meiner Frau zu sitzen.

Herzlichen Dank für das Gespräch. Bleiben Sie gesund!

Das wünsche ich Ihnen auch.

sw

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