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Skizzierte am CSU-Stammtisch seine Pläne: Bürgermeister Michael Müller mit Ortschef Ewald Kailberth.  

Weg vom „Primat des Autos“

Geretsrieder Bürgermeister will die Verkehrswende

Bürgermeister Michael Müller (CSU) möchte weg vom „Primat des Autos“. Das hat er in der Vergangenheit schon öfters in dieser Form gesagt. Am CSU-Stammtisch am Sonntag im Gasthaus Geiger wiederholte er seinen Wunsch.

Geretsried Eigentlich sollte der neue CSU-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrat Thomas Holz zum CSU-Stammtisch am Sonntag kommen, doch er sagte wegen Krankheit ab. Der Geretsrieder Bürgermeister sprang ein und diskutierte mit den rund 20 Besuchern lebhaft über Verkehrsthemen.

Müller zufolge wandelt sich die Gesellschaft gerade, was die Fokussierung auf das Auto angeht. In den Großstädten wie München besäßen die meisten jungen Menschen kein eigenes Fahrzeug, weil sie alle Strecken problemlos mit S-Bahn, U-Bahn und Tram zurücklegen könnten. In Geretsried tausche sich die Bevölkerung etwa alle zehn Jahre zu etwa einem Drittel aus. 8700 Neubürger habe es seit seinem Amtseintritt gegeben, 6700 Bürger seien weggezogen, sagte Müller. Mit jedem neuen Drittel kämen Menschen mit anderen Ideen und oft mehr Aufgeschlossenheit gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln, weil sie sie gewohnt seien.

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Die Aufgabe der kleineren Städte und Gemeinden bestehe darin, ihnen ein annähernd ebenso attraktives Busnetz anzubieten. Der Kreistag habe deshalb beschlossen, ein Schnellbus-System zu etablieren. Im 20-Minuten-Takt sollen Busse die Städte Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen und Starnberg verbinden. Zusätzlich soll eine Linie zwischen Wolfratshausen und Deisenhofen eingerichtet werden. Der Betrieb der Schnellbusse werde den Kreis rund eine Million Euro jährlich kosten. Der Freistaat fördere die Maßnahme anfangs mit 65 Prozent und dauerhaft mit 50 Prozent.

Der Fahrplan der jeweiligen Stadtbusse, so Müller, müsste natürlich optimal auf die Schnellbusse abgestimmt werden. Der Rathauschef sieht in der Alternative zum (noch) fehlenden Schienenverkehr einen „wesentlichen Schritt zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs“.

Die Diskussionsteilnehmer zeigten sich angetan von diesem „intelligenten Ausbau“ (Stadtrat Franz Wirtensohn). Zuverlässige, schnelle Verbindungen seien den Bürgern wichtiger als kostenlose Busse, glaubt Wirtensohn. Stammtisch-Besucherin Lena Gneist regte an, dass Schüler und Senioren kostengünstiger fahren sollten. Der CSU-Ortsvorsitzende Ewald Kailberth wünscht sich mehr Abstellmöglichkeiten für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen in den Bussen, Besucher Heinz Wensauer will, dass es einfacher wird, Fahrräder mitzunehmen.

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Apropos Fahrrad: CSU-Mitglied Dr. Josef Orthuber bat den Bürgermeister, den Radfahrer-Übergang an der Kreuzung Blumenstraße/B11 sicherer zu machen. Es sei höchst gefährlich, ihn zu benutzen, was Mitglied Helga Knoppek bestätigte. Müller erinnerte daran, dass für die Bundesstraße und ihre Einmündungen das Staatliche Bauamt in Weilheim zuständig sei. Dasselbe gelte für eine von Fußgängern und Radfahrern gewünschte Querungshilfe über die Staatsstraße 2369 auf Höhe des Breslauer Wegs.

Dass der Stadtrat kürzlich die Bezuschussung von Lastenrädern abgelehnt hat, bedeutet für Müller nicht, dass das Thema endgültig ad acta gelegt ist. Ewald Kailberth meinte, ein Modell wie in Bad Tölz sei vielleicht sinnvoll. Dort zahlen die Stadtwerke ihren Bürgern einen Zuschuss in Höhe von 300 Euro zur Anschaffung eines E-Bikes oder Lastenrads, sofern sie einen zweijährigen Stromvertrag mit den Stadtwerken abschließen. Die Fahrräder müssen zudem im Landkreis-Süden gekauft werden. „Das halte ich für eine gute Verbindung“, sagte Kailberth. Der Stadtrat hatte den Antrag der Freien Wähler vor allem deshalb abgelehnt, weil die Umsetzung für die Rathausverwaltung einen hohen Aufwand bedeutet hätte.

Tanja Lühr

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