Menschliche Überreste, wohl aus dem Mittelalter: Bei Bauarbeiten fand man fünf Skelette, darunter dieses. Foto: sh

Knochen werden untersucht

Nach sensationellem Fund: Das verraten alte Skelette über Gelting

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
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Das Landesamt für Denkmalpflege untersucht den Skelett-Fund aus Gelting. Dabei hat es noch eine weitere überraschende Entdeckung gemacht.

Gelting – Es war Ende März die Sensation in Gelting: Ein Baggerfahrer war dabei, im Zuge der Kanalbauarbeiten einen Graben auszuheben, als ein Teil der Wand nachrutschte – und ein Skelett freigab. Die Arbeiter informierten die Polizei, die umgehend den Fundort absicherte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der Fund nicht aus jüngerer Zeit stammte. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLFD) schaltete sich ein, die Behörde beauftragte wiederum die Firma Farch-Archäologie aus Icking mit den Bergungs- und Dokumentationsarbeiten.

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Doch dieser Tote war nicht der Einzige, den der Boden wieder freigeben sollte. „Bei der Ausgrabung wurden insgesamt fünf Skelette geborgen“, teilt das BLFD auf Anfrage mit. „Wobei ein Skelett zum Zeitpunkt der Fundmeldung nur noch unvollständig erhalten war.“ Im Laufe der Arbeiten wurden zudem noch weitere lose Knochen gefunden. „Sehr wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um noch mehr Gräber.“

Die Toten waren in gestreckter Rückenlage in West-Ost-Ausrichtung bestattet worden, was auf eine Datierung ins Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert) hindeutet. Eine Einschätzung, die sich mit der der Farch-Mitarbeiter deckt. „So, wie sie daliegen, muss es sich um christliche Begräbnisse handeln“, vermutete damals deren Chef Markus Fagner im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn so sollte gewährleistet werden, dass, wenn sich der Verstorbene bei der Wiederauferstehung aufrichtet, er die aufgehende Sonne des jüngsten Tages sieht. Und: „Es waren Körpergräber“, so die Sprecherin des Landesamtes weiter, „sie enthielten keine Beigaben.“

Das Areal hielt noch weitere Überraschungen bereit: In Nähe der Skelette fand man einen Brunnen. „In der Verfüllung wurde Keramik mit einer Wellenbandverzierung entdeckt“, beschreibt das BLFD weiter. Dieses charakteristische Merkmal ist ein Zeichen für das 9. oder. 10 Jahrhundert. „Auf die gleiche Zeit weisen auch weitere Befunde, wie die Überreste von zwei Gruben- und Holzhäusern hin.“ Gelting selbst wurde im Jahr 740 erstmals erwähnt. „Die neu entdeckten Gräber sind sehr wahrscheinlich ein wenig jünger.“

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Die Skelette werden zur genaueren Zeitbestimmung der C14-Analyse, auch als Radiocarbondatierung bezeichnet, unterzogen. Gemäß dem Zerfallsgesetz nimmt in jedem toten Organismus die Menge an gebundenem radioaktiven C14-Atomen ab. „Sobald diese Untersuchung abgeschlossen ist, können wir belastbare Aussagen machen.“

Die Knochenfunde in Gelting sind nicht die ersten in diesem Areal. „Bereits in der Vergangenheit wurden 100 Meter weiter südlich und etwa 130 Meter nördlich der jetzigen Fundstelle Körpergräber gefunden“, betont die BLFD hin. „Ob ein Zusammenhang mit diesen Körpergräbern besteht, muss momentan noch offen bleiben.“

sh

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