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Der Karl-Lederer-Platz erhält im Zuge der Zentrumsgestaltung ein neues Gesicht.

Geretsried bekommt „Neue Mitte“

Schritt für Schritt zum kompletten Fahrverbot am Karl-Lederer-Platz?

Der Karl-Lederer-Platz in der „Neuen Mitte“ soll ein verkehrsberuhigter Bereich werden. Nach der Umgestaltung könnte Schritt für Schritt ein komplettes Fahrverbot verhängt werden.

Geretsried – Rund 3,7 Millionen Euro heuer und noch einmal rund 500 000 Euro in 2020 lässt sich die Stadt die Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes kosten. Über Beleuchtung und Brunnenanlage hat der Stadtrat bereits beraten. In seiner Sitzung am Dienstag befasste er sich mit der Möblierung der guten Stube und mit der Begrünung.

Bauamtsleiter Rainer Goldstein und Architekt Klaus Kehrbaum machten dem Gremium Vorschläge, wie der Platz zwischen Rathaus und Egerlandstraße aussehen könnte. Teils sind Ergebnisse aus dem Bürger-Workshop eingeflossen, teils ließ man sich von den Ortszentren in Memmingen und Bregenz inspirieren, wohin die Stadt eine Informationsfahrt unternommen hatte.

Wie in Bregenz ist in Geretsried ein sandfarbener Bodenbelag geplant. Für Grün sollen unterschiedlich große Laub- und Nadelbäume wie Hainbuche, Feldahorn und Kiefer sorgen. Kehrbaum möchte eine Abbildung des heimischen Mischwalds in die ansonsten eher kühle, urbane Stadtmitte bringen. Er meint, das wäre ein schöner Kontrast, der durch die in anderen Innenstädten üblichen Platanen nicht erreicht würde. Die Bäume sollen in Gruppen – die größte vor dem Café Waldmann – und als Solitäre stehen. In den Gruppen sieht Kehrbaum sogenannte Unterpflanzungen mit niedrigeren Büschen vor. Die „Bäume mit Charakter“ möchte er zusammen mit Rathausmitarbeitern und interessierten Gemeinderäten direkt in einer Baumschule aussuchen. „So etwas bestellt man nicht aus dem Katalog“, findet er.

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Ihren Maibaum, der nur den Monat Mai über steht, könnte die Egerländer Gmoi künftig vor dem Rathaus oder auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufstellen. Während der Adventszeit könnte dann ein Christbaum in das Fundament gesetzt werden.

Stadträtin Karin Schmid (CSU) schwärmte von der Weihnachtsbeleuchtung in Meran, die man von Baum zu Baum auch in Geretsried spannen könnte – für Kehrbaum durchaus eine interessante Option.

Auch die Stühle gefielen, von denen der Stadtplaner Fotos zeigte. Sie sollen aus unempfindlichem Metall, relativ schwer, aber trotzdem für Jedermann verrückbar sein. Eine höhere Variante eignet sich für ältere Menschen, niedrigere Sitze laden zum Lümmeln ein. „Stühle erinnern eher an einen Garten oder Park als Holzbänke“, so Kehrbaum. Außerdem fördere es die Kommunikation, wenn man sich gegenübersitze. Zudem sind große, helle Steine, auf denen Kinder herumturnen können, als Sitz- und Spielmöbel vorgesehen. Die Fahrradständer ähneln denen, die es bereits an der Egerlandstraße gibt. Von ihnen will man etwa 70 über den Platz verteilen.

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Länger diskutierten die Räte über die geplanten Poller, die das Parken verhindern sollen. Heiko Hawla (Freie Wähler) lehnte die Hindernisse in Form von Stangen ab. Auch Heidi Dodenhöft (FW) und Karin Schmid würden lieber Pflanzentröge aufstellen. Man einigte sich darauf, vorerst auf jede Art von Hindernissen zu verzichten und erst einmal abzuwarten, wie diszipliniert die Autofahrer sich verhalten. „Wir haben schließlich eine große Tiefgarage. Wird trotzdem oberirdisch falsch geparkt, soll die Kommunale Verkehrsüberwachung verstärkt aufschreiben“, meinte Dr. Detlev Ringer (Grüne).

Der Wunsch nach einer Fußgängerzone, der von einigen Stadträten und Bürgern immer wieder geäußert wurde, ist für Kehrbaum jederzeit erfüllbar. Der Fachmann empfiehlt – falls die Mehrheit es will –, sich dem Ziel Schritt für Schritt zu nähern. Vorerst würde er Tempo 20 auf dem Karl-Lederer-Platz einführen, später könnte daraus Schrittgeschwindigkeit werden und irgendwann vielleicht ein komplettes Fahrverbot für Pkw. Bereits im Oktober oder November könnte der neu gestaltete und möblierte Platz eröffnet werden.

Tanja Lühr

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