An Partystimmung im Bierzelt wie hier bei der italienischen Nacht ist wegen Corona nicht zu denken. Festwirtsfamilie und Stadt arbeiten an einer Alternative für den Waldsommer.
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An Partystimmung im Bierzelt wie hier bei der italienischen Nacht ist wegen Corona nicht zu denken. Festwirtsfamilie und Stadt arbeiten an einer Alternative für den Waldsommer.

„Wir brauchen jetzt Unterstützung“

Nach Absage in Murnau: Festwirte appellieren an Städte und Gemeinden

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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In Zeiten von Corona ist es undenkbar, Volksfeste wie gewohnt stattfinden zu lassen. Das betrifft auch den Waldsommer in Geretsried, den Familie Fahrenschon organisiert.

Geretsried – Freitag in drei Wochen würde der Waldsommer beginnen. Doch wegen der Corona-Pandemie dürfen Großveranstaltungen bekanntlich nicht stattfinden. Festwirt Christian Fahrenschon, seine Familie und die Stadt möchten wie berichtet eine Ersatzveranstaltung für das beliebte Volksfest an der Jahnstraße bieten.

Details nannte Bürgermeister Michael Müller in der jüngsten Stadtratssitzung aber trotz des näher rückenden Termins noch nicht. „Es ist was geplant, aber wir müssen noch Details mit dem Festwirt absprechen“, sagte der Rathauschef. Solange wolle er sich öffentlich nicht dazu äußern.

Acht bis neun Feste richtet der Rosenheimer Bierzelt- und Schaustellerbetrieb in der Regel pro Saison in der Umgebung aus. Aufgrund der heuer geltenden Auflagen kann keins davon in gewohnter Form stattfinden. Im Mai startete Fahrenschon deswegen in Gmund mit einer Christkindlmarkt-Hütte, aus der Steckerlfisch und Hendl verkauft wurden, in den etwas anderen Sommer. Das Volksfest „zum Midnehma“ wurde gut angenommen.

In Vaterstetten will Fahrenschon nun ab 17. Juli einen Freizeitpark mit Biergarten auf die Beine stellen. Dem Konzept stimmte der zuständige Gemeinderat jüngst zu. In Murnau dagegen kann der Festwirt nach über 40 Jahren erstmals keine Wiesn veranstalten. Normalerweise findet sie im Juli statt. Fahrenschon fiel mit seinem Alternativ-Konzept im dortigen Hauptausschuss durch. Statt eines großen Bierzelts bot er einen Biergarten sowie einige wenige Fahrgeschäfte und Verkaufsstände an. Den Ortspolitikern fiel die Entscheidung nicht leicht, doch am Ende wollten sie das Risiko eines Corona-Ausbruchs im Tourismusort Murnau nicht eingehen.

Fahrenschon war über die Absage nach so langer erfolgreicher Zusammenarbeit und trotz laufendem Pachtvertrag enttäuscht, auch weil sich sein Volksfestersatz kurz zuvor in Bad Aibling als genehmigungsfähig und umsetzbar erwiesen hätte, wie er dem Murnauer Tagblatt erklärte.

Als Reaktion auf die Entscheidung des Ausschusses wandte sich die Festwirtfamilie in einem Facebook-Post an andere Städte und Gemeinden: „Bitte handelt jetzt, damit auch nach dem Corona-Chaos wieder alle Markthändler und Schausteller für euch da sind.“ Einige Betriebe würden einen kompletten Stillstand über das ganze Jahr nicht überleben. „Wir, unsere Mitarbeiter und vor allem die Schaustellbetriebe brauchen jetzt Unterstützung“, so die Fahrenschons. An ein Volksfest in gewohnter Form sei sicher nicht zu denken, es sei aber möglich, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. „Wir sind an der frischen Luft, haben viel Platz, um die Abstände einzuhalten und können auch eine Datenerfassung aller Besucher möglich machen“, versichern die Fahrenschons.

https://www.facebook.com/FestzeltFahrenschon/posts/3020877334657876

In Geretsried stehen die Chancen für eine Alternative zum Volksfest relativ gut. Bereits im April hatte Bürgermeister Müller versprochen: „Auch wenn der Waldsommer nicht wie gewohnt stattfinden kann, werden wir – ganz besonders in dieser schwierigen Zeit – ein verlässlicher Partner sein.“

sw

Lesen Sie auch: Verzweifelte Schausteller demonstrieren in München - „Wie sollen wir die Kinder ernähren?“

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