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Kanadier wollen mit Geothermie-Projekt nach Gelting

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Von: Susanne Weiss

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Soll zurück nach Gelting: Der Bohrturm für ein Geothermie-Projekt. (Archiv)
Soll zurück nach Gelting: Der Bohrturm für ein Geothermie-Projekt. (Archiv) © Sabine Hermsdorf-Hiss

Mit dem Thema Geothermie hatte die Stadt Geretsried eigentlich schon abgeschlossen. Jetzt gibt es neue Hoffnung. Das sorgt allerdings nicht nur für Begeisterung.

Geretsried – Nach zwei gescheiterten Bohrversuchen war der Traum von einem Geothermiekraftwerk im Geretsrieder Stadtteil Gelting geplatzt. Nun besteht neue Hoffnung durch ein Modellprojekt der kanadischen Firma Eavor, das Dr. Robert Straubinger und Andreas Gahr, die beide seit 2010 mit den Bohrungen in Gelting betraut sind, am Dienstag dem Stadtrat vorstellten.

Rückblick: Seit 2005 hat die Stadt das Ziel vor Augen, bis 2035 unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein. „Bis 2017 hat es nicht schlecht ausgesehen“, sagte Roswitha Foißner, städtische Energiemanagerin. Geretsried setzte auf Geothermie, das „Sahnestück unter den erneuerbaren Energien“. 2013 stieß die Firma Enex, Teil der Hörmann Gruppe, auf zu wenig heißes Wasser in der Tiefe. Eine Ablenkbohrung im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundeswirtschaftsministeriums sollte 2017 Abhilfe schaffen. Die Hitze im Untergrund reichte, die Menge an heißem Wasser allerdings erneut nicht. „Die Geologie ist anders als in München, wo das Wasser sprudelt“, so Straubinger.

Die Stadt musste sich also umorientieren. Das Kompetenzzentrum Energie aus Penzberg erstellte einen Teilenergienutzungsplan, der verschiedene Maßnahmen vorsieht, um dem Energie-Ziel der Stadt ohne Geothermie näherzukommen – verdeutlichte aber auch, dass man davon noch weit entfernt ist.

Nun könnte eine neue Technologie den Durchbruch bringen. Einer der beiden Bohrplätze in Gelting, gegenüber des Tierheims, eigne sich für eine „innovative geothermische Wärmeerschließung“, so Straubinger. Die Firma Eavor hat diese in Calgary erprobt. Mit einem sogenannten Eavor-Loop „kann der gesamte Fernwärmebedarf der Stadt gedeckt werden“. Am Standort wäre Platz für vier solcher Eavor-Loops. Somit hätte man eine Ausfallsicherheit und einen Rest, den man zur Stromerzeugung nutzen könnte.

Das Prinzip der Eavor-Loops gleiche dem einer Fußbodenheizung, erklärte Straubinger. Die Voraussetzungen dafür seien hinsichtlich der bestehenden Infrastruktur und geologischen Erkenntnisse in Gelting ideal. Eavor bohrt für einen Loop schlangenartig 4,5 Kilometer in die Tiefe und je 2,5 Kilometer in die Breite. In einen so entstandenen geschlossenen Kreislauf wird kühles Wasser eingebracht, das durch die Wärme aus dem Untergrund erhitzt wird. Das Risiko, auf zu wenig Wasser zu stoßen, das man bei den ersten beiden Versuchen hatte, bestehe somit nicht. Um den Bohrplatz entsprechend zu erschließen, müsste Eavor 9000 Quadratmeter roden, würde dafür aber 20 000 Tonnen CO2 einsparen.

Diese Veränderung der Landschaft gefiel Stadtrat Franz Wirtensohn (CSU) gar nicht. „Muss man immer erst was kaputtmachen, um erneuerbare Energien zu schaffen?“, fragte er. Andreas Scharli von der Energiewende Oberland bezeichnete das Projekt als „Riesenchance“, aber auch als ein sehr großes Projekt. „Doch wer, wenn nicht Geretsried, könnte so ein Projekt stemmen?“, so der Energiemanager.

Der Stadtrat hat am Dienstag noch nichts entschieden. Zunächst soll sich der Arbeitskreis Klima des Gremiums mit den technischen Details des Modellprojekts befassen. Für die weiteren Schritte haben die Kanadier und Enex die Projektgesellschaft Eavor Erdwärme Geretsried GmbH gegründet.

sw

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