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Tatort Böhmwiese: Bis nach Mitternacht verlief die Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi friedlich. Dann tauchte eine Gruppe auf und legte sich mit der Polizei an. Einer der jungen Männer warf einen Masskrug nach einem Beamten und verletzte ihn.

War es „Tötungsabsicht“?

Masskrug auf Polizisten geworfen: Geretsrieder muss in Haft

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  • Tobias Lill
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Ein 19-Jähriger aus Geretsried hat während einer Sonnwendfeier einen Masskrug auf einen Polizisten geworfen haben. Handelte er in „Tötungsabsicht“? Das Urteil ist gefallen.

Update vom 12. Mai:Nachdem das Landgericht München den 19-jährigen Masskrug-Werfer zu einer Haftstrafe verurteilt hat, äußerte sich nun der Polizeipräsident zu dem Gerichtsurteil

Masskrug auf Polizisten geworfen: Geretsrieder muss in Haft

Update vom 10. Mai: Der 19-Jährige, der im Juni vergangenen Jahres am Rande der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi einen gläsernen Masskrug auf einen Polizisten geworfen hat, muss ins Gefängnis. Die 1. Jugendkammer des Landgerichts München II verurteilte den griechischstämmigen Geretsrieder wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Attacke des zur Tatzeit alkoholisierten jungen Mannes als versuchten Totschlag gewertet. Der Masskrug traf den Beamten an Schulter und Oberarm, er war eine Woche dienstunfähig. Der einschlägig vorbestrafte 19-jährige Energie- und Gebäudetechniker hatte den Wurf mit dem Bierkrug am ersten Prozesstag eingeräumt. Er habe aber niemanden „tödlich verletzen wollen“.

Update vom 9. Mai: Zielte der Angreifer auf den Kopf des Polizisten? Auf dessen Schulter? Und mit welcher Wucht? Die 1. Jugendkammer des Landgerichts München II beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Masskrug-Wurf am 24. Juni 2018 auf der Böhmwiese in Geretsried. Die Antworten auf die Fragen sind entscheidend dafür, welche Strafe den Täter, einen 19-jährigen Energie- und Gebäudetechniker aus Geretsried, erwartet. 

Dem griechischen Staatsbürger wird wie berichtet seit dieser Woche der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vor. Kurz nach Mitternacht des 24. Juni war es nach der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi zu Ausschreitungen gekommen. Rund 20 Betrunkene pöbelten und schubsten. Zu dieser Gruppe gehörte auch der Angeklagte. Nachdem ein Polizist seine Personalien aufgenommen hatte, soll der 19-Jährige von hinten einen Masskrug auf den Beamten geworfen haben.  Laut Anklage zielte er gegen Kopf und Oberkörper und handelte in „Tötungsabsicht“. Der Krug traf schließlich Schulter und Oberarm. Der Polizist kippte zur Seite, stürzte auf die Knie und blieb für kurze Zeit benommen am Boden. 

Um den Wurf genau zu erforschen, wurde ein Biomechaniker des Instituts für Rechtsmedizin beauftragt. Dieser betonte am Donnerstag jedoch, dass man es in diesem Fall naturwissenschaftlich nicht erfassen könne, wie genau geworfen wurde, aus welcher Entfernung, und wie wuchtig. Die Richter fragten, ob man Rückschlüsse daraus ziehen könne, dass der Polizist auf die Knie ging. „Das ist schon ein Hinweis auf eine große Stoßintensität“, sagte der Biomechaniker, „also relativ weit weg von dem Minimum, das ich berechnet habe. Aber ich kann keine Kurve des Wurfs rekonstruieren.“ Es fehle an der Datengrundlage. 

Außerdem dauere der Flug des Kruges 0,4 bis 0,8 Sekunden. Das sei relativ viel. In dieser Zeit könne sich die avisierte Person auch bewegen. Das heißt: „Man hat keine Kontrolle über den Wurf, auch wenn man ein guter Werfer ist.“ Es sei weitgehend „chaotisch“, was mit dem Bierkrug im Flug passiert. Der Prozess dauert an.

Erstmeldung vom 7. Mai: 

Geretsried – Es war nicht zuletzt die Wortwahl von Mehmet V. (Name geändert), die die Vorsitzende Richterin am Dienstag ein ums andere Mal empörte. Mit Freunden hatte sich der 19-jährige gebürtige Geretsrieder in jener Juni-Nacht 2018 während der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi in seiner Heimatstadt betrunken. Als es zu Tumulten kam, wurde die Polizei zum Fest des Vertriebenenvereins gerufen. Um kurz nach ein Uhr nachts beschimpfte eine Gruppe Jugendlicher die Beamten lautstark. Worte wie „scheiß Cops“ fielen.

Erst fallen Beleidigungen, dann fliegt der Masskrug

Mehmet V. räumte vor dem Münchner Landgericht auf Nachfrage ein, „Bullenschweine“ gerufen zu haben. Die Polizisten forderten die Störer eindringlich auf, ihr Bier auszutrinken und das Festgelände zu verlassen. Ein Beamter sprach den betrunkenen Mehmet V. an – jedoch „zu laut“, wie dieser befand. Er habe sich von der Polizei angegriffen gefühlt. „Dann habe ich halt einen Masskrug geworfen“, sagte der wegen versuchten Totschlags angeklagte Mann am Dienstag während der Verhandlung lapidar, was die Richterin wütend machte. Sie rüffelte den jungen Mann, warum er so rede, als habe er „gerade einen Hund gestreichelt“. Dann fragte sie: „Wenn Ihr Vater sie schimpft, weil sie zu viel trinken. Werfen Sie dann auch einen Masskrug auf ihn?“

Er habe niemanden „tödlich verletzen wollen“, sagte Mehmet V., griechischer Staatsbürger und nach eigener Aussage Moslem. Der Bierkrug traf den Polizisten aus ein bis zwei Metern Entfernung mit erheblicher Wucht. Laut Anklage warf V. den gläsernen massiven Krug „mit Tötungsabsicht“ in Richtung des Beamten. Er habe von der Seite gezielt in Richtung Kopf und Oberkörper des Polizisten geworfen. Das Opfer stürzte und wurde, wie der Staatsanwalt an diesem ersten Prozess ausführte, vom Krug an Schulter und rechtem Oberarm getroffen – zum Glück nicht lebensgefährlich. Die Anklage wirft V. versuchten Totschlag vor, weil er trotz seines Rauschs um die Gefahren einer solchen Tat gewusst habe.

Angeklagter prahlt kurz nach der Tat vor Freunden

Der Deutsch-Grieche, der nach eigener Aussage vor dem Fest gekifft und jede Menge Kräuterschnaps und Whisky getrunken hatte, gestand die Tat weitgehend. Von seiner ersten Aussage bei der Polizei, nur auf die Füße gezielt zu haben, rückte er am Dienstag zumindest zwischenzeitlich ab. Er betonte jedoch, er habe keinesfalls den Kopf treffen wollen. Zeugen zufolge prahlte er damals mit der mutmaßlichen Tat. Einem Bekannten soll er etwa per WhatsApp geschrieben haben: „Denen haben wir es gezeigt. Ha, ha.“ Mehrfach versicherte Mehmet V. nun, das Geschehene tue ihm leid. Dem verletzten Polizisten schrieb er einen Entschuldigungsbrief. Der junge Mann sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Seine in Geretsried gut integrierte Familie saß im Gerichtssaal, einzelne Mitglieder brachen mehrfach in Tränen aus.

Ebenfalls interessant: Masskrugwurf in Geretsried: Griechische Gemeinde verurteilt Tat auf das Schärfste

Der junge Mann war in der Vergangenheit zweimal wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt worden. Er räumte ein, ein Aggressionsproblem zu haben. Ein Anti-Gewalt-Training war zuletzt erfolglos geblieben. Als Heranwachsender kann V. sowohl nach dem Jugend- als auch nach dem Erwachsenstrafrecht verurteilt werden. Im letzteren Fall droht ihm eine hohe Haftstrafe. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie auch: Brutaler Masskrug-Wurf auf Beamten: Polizei fasst 18-Jährigen - was wir über ihn wissen

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