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Tatkräftig: Die River Rats – hier Florian Lechner und Andreas Dornbach – packten am Samstag mit an beim Ausräumen des Eisstadions an der Jahnstraße. 

„Das sind wir dem Verein schuldig“

Alles muss raus: Im Geretsrieder Eisstadion helfen alle zusammen

Das Eisstadion wird saniert und überdacht. Aber zuvor muss alles raus. Im Verein packen alle mit an - auch die Erste Mannschaft nach ihrem spektakulären Sieg.

Geretsried Ein Dutzend Metalllatten liegen im Eingangsbereich beim Drehkreuz, daneben abgehängte Schilder mit der Aufschrift „Raucherzone“. Ein Drahtverhau lugt dahinter hervor. In einem Korb haben sich alte Trikots, Strümpfe und Handschuhe angesammelt. Im nächsten Gang stehen zwei Tore und ein Mini-Tor. Auf dem Boden rund um die Eisfläche warten die über 100 Kilo schweren, gelben und blauen Abschrankungen aus massivem Eisen, die sogenannten Wellenbrecher, auf ihren Abtransport. Im Heinz-Schneider-Eisstadion findet das große Ausräumen und Ausmisten statt.

Alles muss raus, denn Anfang März sollen die Bagger anrücken. Sie werden zuerst die alten Stützpfosten des früheren Eisstadion-Dachs abreißen. Im Anschluss wird das lange ersehnte neue Dach über die Halle gespannt. Für die Räumaktion hat der Vorsitzende des ESC-Stadionvereins, Enrico Lehwald, sämtliche Mannschaften eingespannt. Am Samstagmorgen, dem Morgen nach dem spektakulären 7:5-Auswärtssieg in Dorfen, ist die Erste der River Rats dran. Florian Lechner und Andreas Dornbach sind trotz Feierns früh auf den Beinen. Die beiden bauen die Spieler- und Strafbänke ab und tragen sie in den großen Umzugslaster vor dem Stadion. Die noch brauchbaren Einrichtungsgegenstände werden teils im Bauhof der Stadt, teils in einer angemieteten Halle zwischengelagert. Nicht mehr ansehnlich sind die Bänke aus den Umkleidekabinen. Sie wandern in die Müllentsorgung nach Quarzbichl.

Ob sie beim Abschied von dem altvertrauten Mobiliar Wehmut überkommt? Lechner und Dornbach antworten lachend: „Weiß Gott nicht.“ Genau wie alle Eissportclub-Mitglieder, -Fans und -Freunde freuen sie sich, dass das Stadion ab dem Spätherbst endlich wieder überdacht sein soll. Erklärtes Ziel ist es, im Oktober im neuen Stadion in die Spielzeit 2019/20 starten zu können. „Das macht’s wesentlich einfacher“, sagt Stürmer Lechner, der auch in diesem Punkt keinerlei Sentimentalität wegen des Endes der 13-jährigen Freiluftära verspürt. Mit dem Dach erhält die Heinz-Schneider-Arena wie berichtet auch einen neuen Geschäftsraum, einen neuen Fitnessraum, ein größeres Stüberl und einen behindertengerechten Tribünenabschnitt. Die Stadt investiert stolze 7,6 Millionen in den Umbau.

Der Betreiberverein sei dafür „wahnsinnig dankbar“, betont Lehwald. Deshalb versuche man, so viel wie möglich an Eigenleistung beizutragen, ebenso an Eigenmitteln. „Ein paar Zehntausend Euro werden wir wohl reinstecken“, sagt er. Der Vereinsvorsitzende träumt unter anderem von einer modernen LED-Anlage: „Die Lichter sollen strahlen, Eishockey soll ein richtiges Erlebnis sein, bei dem Spieler und Zuschauer Spaß haben.“

Auch die Hobby-Eishackler packen mit an. Die Mannschaft „Los Promillos“ baut am Nachmittag die alte Holzhütte, die Bar, unterhalb des Ice-Stüberls ab. Balken für Balken zersägen die Männer, überall fliegen Späne. Coach Roland Smiatek, einst Spieler der 1B, erzählt während einer Pizza-Pause, sein Team habe am Sonntag vor einer Woche von 21 bis 22 Uhr die allerletzte Eiszeit der Saison genutzt. „Klar war das schön, wenn du beim Blick nach oben die Sterne am Himmel gesehen hast. Aber es sind auch viele Zeiten ausgefallen wegen Regen oder Schnee, die Saisons waren kurz“, erinnert er sich.

Hobbyspieler Andreas Blatt findet es völlig richtig, dass alle Nutzer des Stadions jetzt zusammen helfen: „Das sind wir dem Verein schuldig“. Er glaubt, dass der Eissport durch die Überdachung und Renovierung der Halle noch mehr an Bedeutung in der „Eishockey-Stadt Geretsried“ erfahren wird. Mit Dach könne bis zu acht Monate im Jahr statt wie jetzt nur vier gespielt werden, die Öffnungszeiten könnten wegen des besseren Lärmschutzes auf 23 Uhr ausgedehnt werden, es gebe wieder mehr Eiszeiten, etwa für Schüler noch vor dem Unterricht oder für die Eisstockschützen. Der Sport auf Kufen – egal ob profi- oder hobbymäßig, ob Hockey, Eiskunstlauf oder Stockschießen – sei gut für Jung und Alt. Er fördere nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Gemeinschaft, sagt Blatt.

Laut Rico Lehwald sollen die Arbeiten bis Ende dieser Woche abgeschlossen sein. Als letztes würden die Banden abgebaut. Die Herstellerfirma aus Österreich hole sie ab. Ihr gegenüber bestünden noch Gewährleistungsansprüche. „Wir haben unseren Teil dazu beigetragen, dass alles pünktlich über die Bühne gehen kann“, sagt der Betreibervereins-Chef. Er hofft, dass die teils bereits von der Stadt beauftragten, teils noch gesuchten Firmen mit der Gesamtrenovierung des Stadions an der Jahnstraße bis Oktober fertig sind.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch: Geretsried – die Großbaustelle: Ein Überblick

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