Blick auf die Baustelle: Das neue Hallenbad samt Parkdeck ist noch gar nicht fertig, da gibt es schon Ärger um die künftige Nutzung.
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Blick auf die Baustelle: Das neue Hallenbad samt Parkdeck ist noch gar nicht fertig, da gibt es schon Ärger um die künftige Nutzung.   

Diskussion um neues Hallenbad

Nutzungsgebühr bereitet Vereinen Sorge: „Wir bekommen das nicht finanziert“

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Die Nachricht, dass Geretsrieder Vereine sich an der Nutzungsgebühr fürs neue Hallenbad beteiligen sollen, verbreitete sich schnell. Nun reagieren die Vorsitzenden. 

Geretsried – Maiko Alpers, Vorsitzender der DLRG Geretsried hat das Wochenende zum Telefonieren genutzt. Mit seinen Vorstandskollegen habe er die Finanzen der Lebensretter durchleuchtet, sagt er. Wie berichtet sollen Vereine für die Nutzung des neuen interkommunalen Hallenbads zahlen. Die Stadt Geretsried will ortsansässigen Vereinen 70 Prozent der Kosten über eine Sportförderung erstatten. Bisher mussten sie wie alle anderen Sportvereine keine Nutzungsgebühren zahlen.

Selbst wenn maximal zehn Euro pro Bahn anfallen würden, wie der Sportausschuss auf Grundlage einer Betreiberstudie dem Stadtrat empfohlen hat, „bekommen wir das nicht finanziert“, stellt Alpers klar. Der DLRG-Chef will sich mit den anderen Geretsrieder Hallenbadnutzern zusammentun und das Gespräch mit den Stadträten suchen.

Neben der DLRG gehört der Wasserball- und Schwimmverein 1972 Geretsried (WSV 72) zu den Hauptnutzern. Dessen Vize-Vorsitzender Uwe Röhler hat die Nachricht über die Gebühren „entsetzt“ aufgenommen. Er habe sich darauf verlassen, was Bürgermeister Michael Müller im Februar kommuniziert habe: dass es bei der Abschaffung von Gebühren für die Geretsrieder Vereine in allen städtischen Sportstätten bleiben solle. Röhler und Alpers hätten sich gewünscht, dass die Stadt vor der Sitzung mit den Nutzern gesprochen hätte.

Der WSV 72 fürchtet einen „Mitgliederexodus“, wenn er seinen Jahresbeitrag erhöhen muss. Zwar würden die Nutzungsgebühren im Vergleich zu anderen Bädern im Rahmen liegen. Wenn aber andere Sportvereine in Geretsried nichts für ihre Hallenstunden zahlen müssen, wäre das ungerecht. „Da schicken Eltern ihre Kinder lieber zum Basketball als zum Schwimmen“, fürchtet Röhler.

Auch der Tauchclub Oberland stünde vor „großen Herausforderungen“, sagt Vorsitzender Franz Noderer. Er nutzt das Hallenbad auch mit seiner Unterwasser-Rugby-Mannschaft. Die Reha-Sport-Freunde Geretsried bieten dort Wassergymnastik an. Bevor die Hallennutzungsgebühren in der Stadt abgeschafft wurden, stand der Verein kurz vor der Auflösung, berichtet Vorsitzende Monika Grasberger. „Wir müssen schauen, was es jetzt kostet“, sagt sie. Angesichts der niedrigen Rente, die viele Mitglieder bekämen, könne der Verein nicht viel höhere Jahresbeiträge verlangen.

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Bürgermeister schaltet sich ein

Bürgermeister Müller präzisierte am Samstag in einer E-Mail an unsere Zeitung einige Punkte. „Bei der Diskussion um Hallennutzungsgebühren gehen bei allen Vereinen die Alarmglocken hoch“, schreibt der Rathauschef. „Ja, ich habe immer gesagt, dass Vereine bei der Nutzung unserer Sportanlagen entlastet werden sollen.“ Allerdings müsse man unterscheiden. Nutzungsgebühren für die städtischen Sporthallen stünden nicht zur Diskussion. Das Hallenbad aber werde nicht mehr von der Stadt, sondern von den Stadtwerken betrieben. Als eigene Rechtsperson müssten diese aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach Vollkostenrechnung Gebühren erheben. Mit 1,6 Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr, wovon die Stadt Geretsried ein Defizit von zirka 520 000 Euro tragen muss, stelle das Bad „eine enorme finanzielle Belastung der Stadt dar“, so Müller. Zudem gelte es, in dem interkommunalen Bad sowohl eine Überbelegung als auch Leerläufe zu vermeiden.

Die Verwaltung erarbeitet jetzt Förderrichtlinien, die dem Stadtrat vorgelegt werden. In die Beratungen bringt Müller einen Vorschlag ein, wie die Geretsrieder Vereine möglichst weiter von den 30 Prozent der Kosten, die sie alleine aufbringen müssten, entlastet werden könnten.

Punktesystem könnte Vereine entlasten

Um Geretsrieder Vereine möglichst von den restlichen 30 Prozent zu entlasten, die sie an Nutzungsgebühren für das neue interkommunale Hallenbad selbst zahlen müssten, schlägt Bürgermeister Michael Müller ein Punktesystem vor. „Die Geretsrieder Vereine sollen ein Kontingent an Punkten erhalten. Für jede Nutzung werden Punkte abgezogen. Wer das Punktekonto überzieht, muss zahlen, wer sein Guthaben nicht aufbraucht, erhält einen Bonus“, erklärt der Rathauschef. Damit würde grundsätzlich die Möglichkeit für Geretsrieder Vereine bestehen, das Bad auch über die 70 Prozent, die die Stadt fördern würde, kostenlos zu nutzen. Die Stadt hätte aber weiterhin ein Instrument der Steuerung. „Würden wir von vorneherein 100 Prozent ohne Wenn und Aber erstatten, sehe ich die Gefahr einer ineffizienten Nutzung der sehr teuren Badeflächen“, erklärt Müller. Das Punktesystem könnte man über die Förderrichtlinien, die der Sportausschuss am Donnerstag in Auftrag gegeben hat, abbilden. Details müssten noch ausgearbeitet werden. Müller: „Mit diesem Vorschlag würde ich jetzt in die weiteren Beratungen des Stadtrates gehen, die Entscheidung darüber obliegt dem Stadtrat.“

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