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Mit stehenden Ovationen verabschiedete der Stadtrat Robert Lug, rechts Bürgermeister Michael Müller.

„Unverkennbares Gesicht“ verlässt Stadtrat

Robert Lug geht: Geretsrieder Stadträte verabschieden sich herzlich

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Robert Lug legt Mandat nachaus persönlichen Gründen 29 Jahren nieder. Der Geretsrieder Stadtrat hat ihm einen herzlichen Abschied bereitet. 

Geretsried – Stadträte, Verwaltungsmitarbeiter und Besucher haben am Dienstag mehrere Minuten im Stehen für Robert Lug geklatscht. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler legte wie berichtet sein Stadtratsmandat nieder. Nach 29 Jahren im Amt und als „unverkennbares Gesicht des Stadtrats“, wie Bürgermeister Michael Müller Lug nannte, fiel der Abschied in seiner letzten Sitzung äußerst herzlich aus.

Zunächst ging alles streng nach Protokoll. Der Rathauschef verlas den Antrag des 54-Jährigen, sein Mandat aus persönlichen Gründen niederlegen zu wollen. Die Frage, ob er dazu noch etwas sagen wolle, quittierte Lug mit einem Kopfschütteln. Das Gremium stimmte Lugs Antrag einstimmig zu.

Nachrücker für Robert Lug ist Heiko Hawla. Bürgermeister Michael Müller hat ihn in der Stadtratssitzung am Dienstag vereidigt. „Wir werden selbstverständlich nicht immer einer Meinung sein, und ich hoffe auf eine lebhafte Debatte sowie faire und sachliche Diskussionen“, sagte der Rathauschef. Hawla ist 50 Jahre alt und arbeitet als Fahrschullehrer. Lugs Funktion als Fraktionssprecher übernimmt Dominik Irmer, bisher Stellvertreter. Stellvertretender Fraktionssprecher ist von nun an Lorenz Weidinger.

Als Müller den ausgeschiedenen Stadtrat zu sich nach vorne bat, zeigte er einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1996 auf der Leinwand. Ein großes Interview mit dem damaligen Wirtschaftsreferenten unter dem Titel „Große Pläne in kleinen Schritten verwirklichen“. Das Foto des jungen Robert Lug mit Nickelbrille sorgte für Gelächter im Sitzungssaal.

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In dem Interview sprach der ehemalige Stadtrat über die Stadtentwicklung. „Wir wollen alle, dass Geretsried mehr Zentralität und Urbanität bekommt. Das ganze Thema steigt und fällt aber damit, ob es der Karl-Lederer-Platz und die ganze Ecke dort schaffen, sich zu einem typischen Stadtzentrum zu entwickeln“, heißt es da. „Wenn das klappen sollte, haben wir 95 Prozent des Stadtentwicklungsproblems gelöst.“ Auf der Großbaustelle vor dem Rathaus wird heute daran gearbeitet. Lug habe maßgeblich daran mitgewirkt, wo Geretsried heute stehe. „Du hast mit viel Elan und Sachkenntnis für deine Ziele gefochten und wusstest Rückschläge hinzunehmen“, lobte Michael Müller seinen Kontrahenten bei der Bürgermeisterwahl 2014. Alle Leistungen aufzuzählen, würde seine Redezeit sprengen, Lug werde aber noch einmal auf der Garten-Soiree am 16. Mai gewürdigt.

Einige Eckdaten erwähnte Müller dennoch in der Sitzung. „Wir kennen uns ja noch von der CSU“, erinnerte er sich. Als Parteikollege des heutigen Bürgermeisters wurde Lug vor 29 Jahren in den Stadtrat gewählt. Zwei Jahre später trat er aus und wurde nach einer Übergangszeit als parteiloser Stadtrat Mitglied der Freien Wähler. Als solches wurde er auch Kreisrat und schließlich 2014 Bürgermeisterkandidat.

„Du warst immer in ehrenamtlicher Funktion, das war kein hoch dotierter Job“, stellte Müller klar. Wenn Lug im Sitzungssaal hinter seinem Laptop gesessen sei und den Haushalt bis ins kleinste Detail durchgearbeitet habe, sei spürbar gewesen, dass ihm die Tätigkeit viel bedeutet habe. „Manchmal bist Du mir auch auf die Nerven gegangen, aber Auseinandersetzungen gehören auch zur Demokratie.“

Robert Lug, der dem Bürgermeister während dessen Rede gegenüber stand, bekam glasige Augen und sagte schließlich doch noch ein paar Worte. „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist, und nach der Rede kann es nicht mehr schöner werden.“ In Erinnerung an die Anfangszeiten, als alle Stadträte in Anzug mit Krawatte, „manchmal von zweifelhaftem Design“, in den Sitzungssaal kamen, trug er zum Abschied einen Zweiteiler.

Als neuer Fraktionssprecher (siehe Kasten)bedankte sich Dominik Irmer im Namen der Freien Wähler beim scheidenden Stadtrat. „Wir verlieren nicht nur einen guten Politiker, sondern auch einen wunderbaren Menschen.“

sw

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