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Aufenthaltsqualität in der „Neuen Mitte“: Der Karl-Lederer-Platz wird umgestaltet. Die Mediensäule (re.) und die Überspannung zur Beleuchtung strich der Stadtrat allerdings aus dem Entwurf. 

Letzte Details werden festgelegt

Karl-Lederer-Platz: Aus für den Sternenhimmel

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Wie soll der neue Karl-Lederer-Platz aussehen? Jetzt stehen die letzten Feinheiten fest - vom Sternenhimmel musste der Stadtrat Abstand nehmen. 

Geretsried – Die Gestaltung des Karl-Lederer-Platzes beschäftigt den Stadtrat seit Oktober vergangenen Jahres. In einer Sondersitzung am Dienstag entschied das Gremium abschließend über Details – zuletzt hatte dem Gremium eine ordentliche Aufstellung der Gesamtkosten gefehlt.

Aktuell wird die Tiefgarage am Karl-Lederer-Platz gebaut. Zwischen Juni und Oktober soll die Oberfläche wiederhergestellt und umgestaltet werden. Auf Bitumen als Bodenbelag und die Grundzüge des Entwurfs, den Architekt Klaus Kehrbaum unter Berücksichtigung von Bürger-Ideen erstellt hat, hatte sich der Stadtrat im Januar festgelegt. Geschätzte Kosten: 3,8 Millionen Euro.

Beleuchtung

Zur Beleuchtung hatte Kehrbaum einen Sternenhimmel favorisiert. Das fand auch im Gremium Anklang. Damit die an Stahlseilen montierten Leuchten über dem Platz schweben können, wären Dübel an den benachbarten Häusern oder Masten mit „relativ großer Verankerung im Boden“ (Stadtbaurat Rainer Goldstein) nötig.

Beides gestaltete sich offenbar schwierig. Laut Goldstein reagierten die meisten Anwohner mit Skepsis, Ablehnung oder gar nicht. Und die alternativen Masten könnten teils nicht auf öffentlichem Grund stehen. Für das Rathaus lehnt die Denkmalpflege das Ansinnen ab.

„Wir müssen in den Platz gehen“, schlussfolgerte Goldstein. Als Laternen schlugen die Planer Lichtstelen im Bereich der Straße, der Bäume, des Platzes und der Seitenstraßen vor. Zusätzlich könnte man Rathaus, Wasserfilm und Bäume akzentuieren. Die Stadträte willigten ein. Mit den Stelen könne man sicher einen modernen Raum schaffen, bemerkte Gerhard Meinl (CSU). „Anfangs fand ich den Sternenhimmel auch fesch. Aber es ist mühsam, wenn einer was vorschlägt, was gar nicht geht.“

Mediensäule

Oft geredet worden war auch schon über eine Mediensäule, auf der man Veranstaltungen bewerben könnte. Der Stadtrat hat die Idee am Dienstag in einer knappen Entscheidung beerdigt. Damit bleibt es bei einem Aufzug aus Glas, der aus der Tiefgarage an die Oberfläche führt.

„Eine Mediensäule kam bei den Bürgern gut an“, hatte Kehrbaum zuvor aus der Planungswerkstatt, bei der sich Geretsrieder vergangenes Jahr einbringen konnten, berichtet. Der Platz werde puristisch wirken. „Der moderne Charakter ist bisher nicht vorhanden.“ Volker Reeh und Wolfgang Möckel plädierten für die Säule als Alleinstellungsmerkmal. „Machen wir es g’scheit“, forderte auch Sabine Lorenz. Hans Ketelhut (alle CSU) gab zu bedenken, sich vielleicht bescheidener geben zu müssen.

Für die Luxusvariante, eine viereinhalb Meter hohe Säule mit LED-Bildschirmen und Mediastripes, rechnete Kehrbaum mit rund 300 000 Euro. 15 Stadträte stimmten dafür, 15 dagegen. Nachdem der Entwurf abgelehnt worden war, fanden auch die alternativen Vorschläge für eine Säule in abgespeckter Form keine Mehrheit. „Schade um die Chance, aber so ist es“, kommentierte Bürgermeister Michael Müller.

Tiefgarage

Auch die Wände in der Tiefgarage bleiben laut Stadtratsbeschluss einfarbig. Kehrbaums Entwurf sah einen Künstlerwettbewerb vor, um die über 100 Meter lange Fläche zu gestalten. „Die Wand gehört uns nicht“, bemerkte Meinl mit Blick auf den Durchführungsvertrag, den die Stadt mit dem Investor der Tiefgarage geschlossen hat. Dort hätte man die Idee aufnehmen können, „hätten wir es vorher gewusst“.

Wasserfilm

Statt des alten Bachlaufs am Karl-Lederer-Platz soll vor dem BGZ-Gebäude, Rathaus und der Ladenzeile dazwischen ein Wasserfilm auf Granitplatten entstehen. Die berechneten Kosten betragen gut eine Million Euro.  „Die Brunnenstube müssen wir auswechseln, weil sie viel zu groß dafür ist“, so Kehrbaum.

Zusätzlich entschied sich der Rat für ein Brunnenspiel im Bereich des Karl-Lederer-Platzes 14 bis 20. Für neun Fontänen mit Spritzen, Ablauf und Beleuchtung fallen etwa 71 000 Euro Mehrkosten an. „So ein Spielfeld ist für Kinder lustig“, lobte Dr. Detlev Ringer (Grüne).

Grün

Bäume dürfen in der „Stadt im Grünen“ nicht fehlen. Geplant hatte Kehrbaum mit einem Stammumfang von 25 bis 40 Zentimetern, der Stadtrat hatte sich aber mehr gewünscht. „Die Landschaftsarchitektin empfiehlt pro Gruppe einen großen Baum mit 50 Zentimetern“, erklärte Kehrbaum. Vorgesehen sind Bäume, die man so nicht im öffentlichen Raum kenne: Hainbuche, Kiefer, Pappel und Feldahorn.

„Obstbäume sind kritisch im öffentlichen Raum wegen der Wespen“, sagte der Architekt, nachdem Sonja Frank (Freie Wähler) daran erinnert hatte, dass einige Bürger um Obstbäume gebeten hatten. Heidi Dodenhöft (FW) vermisste Blüten im Frühling. Über Zierkirsche oder -apfel könnte man nachdenken, so Kehrbaum. Auf Wunsch von Hans Ketelhut (CSU) nahm er auch Föhren auf. Den Mehrkosten von 85 000 Euro für die größeren Bäume stimmte der Stadtrat zu.

Treppen

An den Treppen, die vom Platz in die Tiefgarage führen, waren bisher Stabstahlgeländer vorgesehen. „Satinierte Glasscheiben wären eleganter“, warf Kehrbaum ein. Bei Vandalismus wären sie auch leicht zu reinigen. Für diesen Qualitätsbaustein rechnet der Architekt mit 25 000 Euro Mehrkosten.

Die Treppen selbst stattet der Investor laut Durchführungsvertrag mit verzinktem Stahl aus. Hier empfahl Kehrbaum Stufen aus dem Granit, der auch beim Bachlauf verwendet wird als „wesentliche Qualitätssteigerung“. Der Stadtrat plädierte für die aufpolierte Treppe. Dafür fallen 12 000 Euro extra an.

sw

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