Tatort Sonnwendfeier: Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich am Dienstag zwei junge Geretsrieder unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung verantworten.
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Tatort Sonnwendfeier: Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich am Dienstag zwei junge Geretsrieder unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung verantworten.

Masskrug-Wurf auf Polizist

“Beispiellose Tat“ bei Sonnwendfeuer: Rädelsführer eigentlich „brav wie Lämmchen“

  • VonRudi Stallein
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Der Vorfall bei der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi hat nicht nur für den Geretsrieder Folgen, der einen Masskurg auf einen Polizisten geworfen hatte. Zwei weitere Geretsrieder standen nun vor Gericht.

GeretsriedDie Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi im vorigen Jahr, bei der ein 19-Jähriger einen Polizisten mit einem Masskrug beworfen hat, hatte am Dienstag für zwei weitere Geretsrieder ein gerichtliches Nachspiel. Die jungen Männer, 19 beziehungsweise 20 Jahre alt, waren als „Rädelsführer“ ausgemacht worden. Sie mussten sich unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung vor dem Jugendschöffengericht des Wolfratshauser Amtsgerichts verantworten. Beide wurden schuldig gesprochen.

Das Gericht setzte die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus. Als Auflage müssen die Heranwachsenden jeweils zwei Wochen Dauerarrest absitzen, 40 Sozialstunden leisten und dürfen für die Dauer der Bewährung keinen Alkohol und keine Drogen konsumieren.

„Wir wissen alle, was passiert ist, da muss ich nichts leugnen“, räumte der 20-Jährige vor Gericht ein, „die Polizisten angepöbelt“ und mit dem Spruch „ACAB“ („all cops are bastards“) beleidigt zu haben. Obwohl sie einen Platzverweis erteilt bekommen hatten, seien sie geblieben. Weil deshalb ihre Personalien aufgenommen werden sollten, eskalierte die Situation. Als der Mitangeklagte sah, dass sein Freund von der Polizei festgenommen wurde, eilte er ihm zu Hilfe, stieß einen Beamten weg und wurde letztlich ebenfalls zu Boden gebracht. Beide Beschuldigten waren zum Tatzeitpunkt erheblich alkoholisiert: umgerechnet knapp 0,9 Promille ergab der Atemalkoholtest für den älteren, rund zwei Promille dürften es bei dem jüngeren Angeklagten gewesen sein.

Geretsried: Polizist bei Sonnwendfeier mit Masskrug beworfen

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Während der 20-Jährige sich ausführlich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußerte, wies der 19-Jährige mehrfach auf seine „Volltrunkenheit“ hin, die für zwei weitere Anklagepunkte verantwortlich gewesen sein soll. 14 Tage vor dem Fest auf der Böhmwiese war er bereits auf der Sonnwendfeier in Gelting aufgefallen. Damals soll er ebenfalls den Platzverweis ignoriert und einen Polizisten beleidigt haben. Und am 21. Juli 2018 trat er nach einer Sauftour mit einem Kumpel die Außenspiegel an einem Mercedes ab.

Die hohen Promillewerte milderten die Strafe ebenso wenig wie das Bemühen seines Verteidigers, seinen Mandanten von den Beleidigungen freizusprechen. Der Ausspruch „ACAB“ sei nicht gegen einen bestimmten Polizisten gerichtet gewesen, sondern aus „Entrüstung über die polizeiliche Maßnahme in den Himmel gerufen“ worden, so der Anwalt. „Das ist, gelinde gesagt, etwas weltfremd“, entgegnete Richter Urs Wäckerlin.

Jugendgerichtshelfer: Angeklagte ohne Alkohol „brav wie Lämmchen“

Unbestritten war hingegen, dass der maßlose Alkoholgenuss ursächlich für die Straftaten war. „Es handelt sich hier um kindische Unruhestifter, die sich weigern, erwachsen zu werden und sich mit Alkohol ganz toll vorkommen“, meinte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch. Ohne Alkohol seien sie „brav wie Lämmchen“. Diesen Eindruck vermittelten die Zwei auch in der Gerichtsverhandlung. Wäre es schon kurz nach dem Vorfall zum Prozess gekommen, wäre ihnen eine Jugendstrafe wahrscheinlich nicht erspart geblieben, stellte Wäckerlin fest. Nur weil sie inzwischen ein Jahr lang nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten waren, mochte das Gericht „schädliche Neigungen“ nicht mehr uneingeschränkt bejahen.

In seiner Urteilsbegründung ließ es der Richter nicht an Deutlichkeit fehlen. „Was dort vorgefallen ist, spottet jeder Beschreibung. Das war ein gewalttätiger, aufgebrachter Mob, der sich der Polizei entgegengestellt hat“, so Wäckerlin. „Nicht die Polizisten haben dazu beigetragen, dass die Situation so eskaliert ist, das haben sie selbst getan.“ Deshalb sei der „Warnschussarrest“ erforderlich. „Diese beispiellose Tat verlangt eine entschiedene Reaktion“, betonte der Richter.

Beide Angeklagten hatten sich im Laufe der Verhandlung noch einmal bei den Polizisten entschuldigte und beteuert, aus dem Vorfall ihre Lehren gezogen und ihr Leben geändert zu haben.

Der Masskrugwerfer war kürzlich vom Landgericht zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Das sagt der Polizeipräsident zum Gerichtsurteil.

rst

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