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Zufrieden mit der Mediation an der Karl-Lederer-Grundschule: (v. li.) Tanja Schwarz, Franziska Haas von der Mediationszentrale München und Schulleiterin Elke Goymann. 

Verein begleitet Schulen

Mediatoren an Schulen: Warum es wichtig ist, über Konflikte zu reden

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Die Mediatoren an der Karl-Lederer-Schule leisten erfolgreiche Arbeit. Deswegen will die Isardamm-Grundschule nachziehen.

Geretsried – An der Isardamm-Grundschule sollen Mädchen, Buben und Eltern künftig die Möglichkeit haben, Konflikte mithilfe von Mediatoren zu klären. „Es gibt immer mehr Gesprächs- und Schlichtungsbedarf“, sagt Schulleiterin Monika Bauer. Sie glaube, dass ein neutraler Blick von außen hier helfen könnte. Deswegen holt sie sich Unterstützung von der Mediationszentrale München. Die Stadt Geretsried bezuschusst die Arbeit des Vereins.

Die Mediatorinnen Tanja Schwarz und Franziska Haas sind schon seit ein paar Jahren ehrenamtlich in der Karl-Lederer-Grund- und Mittelschule vertreten. Dort hat sich das Angebot etabliert. Viele Konflikte können im Unterricht geklärt werden. „Aber wenn sich was verfestigt, sind die Mediatoren super“, sagt Elke Goymann, Leiterin der Grundschule. Wichtig sei der Schule die Demokratiebildung. Die Mediation ist ein wichtiger Baustein davon. „Wir sind sehr heterogen und jede Kultur hat ihre eigene Art, mit Konflikten umzugehen“, erklärt Goymann. Bei der Mediation lernen die Kinder, Streit friedlich zu lösen. Wobei auch Eltern oder Schulmitarbeiter zum Gespräch kommen können.

Schwarz erinnert sich an einen beispielhaften Fall. „Zwei Jungs sind sich in der Pause im wahrsten Sinne des Wortes an die Gurgel gegangen“, berichtet die Mediatorin. Der deutsche und der arabische Schüler erklärten daraufhin in der Lehrerbibliothek jeweils aus ihrer Sicht, was passiert war. Der deutsche Bub hatte sich über den ersten Schnee gefreut und in der Pause eine Schneemauer gebaut. Für den arabischen Buben war die weiße Pracht völlig neu – und unheimlich. „Schon auf dem Weg zur Schule bekam er Schneebälle ab, die Schneemauer machte ihm Angst“, so Schwarz. Also zertrampelte er das Bauwerk, und es kam zur Rauferei. „Im Gespräch haben beide sofort die Situation des jeweils anderen verstanden“, sagt die Mediatorin.

Eine Woche lang durfte kein „Eltern-Taxi“ vor der Karl-Lederer-Schule halten. So lief die autofreie Woche.

Schwarz und Haas suchen nie nach Schuldigen. Sie geben den Schülern einfach die Möglichkeit, einander zuzuhören. „Es geht darum, die eigenen Grenzen und die des anderen kennenzulernen und zu akzeptieren“, sagt Haas. Die Mediation verläuft immer nach einem ähnlichen Muster – und findet nur statt, wenn Lehrer, Eltern und Schüler zustimmen. Das ist meist der Fall. „Wir sind systemneutral und keine disziplinarische Maßnahme“, so Haas. Bei Konflikten, meist geht es um das Thema Zugehörigkeit, sitzen die Beteiligten gemeinsam am Tisch und sagen, wie die Situation ist, wie sie eigentlich sein sollte und wie sie so werden kann. Die Treffen sind ergebnisoffen. „Die Kinder sind oft ganz erleichtert, wenn ich ihnen sage, dass sie am Ende nicht beste Freunde sein müssen“, so Haas.

Die Mediationszentrale unterstützt mittlerweile 28 Schulen in und um München. „Der Traum wäre, dass es flächendeckend alle Schulen wären. Nicht als Pflicht, sondern weil es zum guten Ton gehört“, sagt Haas. Dabei ist ihr wichtig: „Wenn ich Mediation an die Schule hole, heißt es nicht, dass ich ein totales Konfliktproblem habe, sondern ich einen offenen Umgang mit Konflikten pflege.“

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Als Haas und Schwarz selbst noch Schülerinnen waren, konnten sie nicht zur Mediation gehen. Konflikte in Bildungseinrichtungen sind jedoch kein neues Phänomen. „Die klassische Rangelei auf dem Pausenhof war früher vielleicht noch akzeptierter, aber die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Empfindsamkeit für Konflikte“, erklärt Haas. Auch sei die Vielfalt an Kulturen mehr geworden, und eine Rolle spiele sicher auch, dass Eltern nicht mehr so involviert seien wie früher. „Beide müssen arbeiten gehen und wenn sie sich einbringen, dann oft zu viel“, so Haas. Schwarz ergänzt: „Dann stellen sie sich schützend vor ihr Kind.“

sw

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