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Gotik, Neogotik, Renaissance: Diese drei Stile sind in der Tölzer Stadtpfarrkirche zu finden.

Baustilkunde

Wo im Landkreis Schätze aus dem Mittelalter zu finden sind

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Romanik, Gotik, Renaissance: Eine Architekturhistorikerin zeigt Beispiele im Landkreis. In Tölz-Wolfratshausen sind viele Spuren des Mittelalters zu entdecken.

Geretsried – Wer mit offenen Augen durch den Landkreis streift, kann sie entdecken: architektonische Spuren des Mittelalters. Dr. Kaija Voss weiß, wo diese zu finden sind. In einer vierteiligen Vortragsreihe an der Geretsrieder Volkshochschule erklärt die Architekturhistorikerin die Eigenheiten einer jeder Stilepoche.

Dr. Kaija Voss leitet die Vortragsreihe

In der Auftaktveranstaltung in der Stadtbücherei beschäftigte sich die Expertin mit dem Mittelalter. „Es gibt zwei prägende Mittelalterstile“, sagte Voss. „Die Romanik und die Gotik.“ Erstere Epoche hat von 950 bis 1250 gedauert. Typisch für die romanische Baukunst sind Rundbögen, dicke, festungsartige Mauern mit kleinen Fenstern. Ein beliebtes Element in Kirchen sind flache Holzdecken.

Wer die nächst gelegene romanische Kirche sehen möchte, muss sich in den Nachbarlandkreis aufmachen. Die Basilika St. Michael in Altenstadt bei Schongau wurde zwischen 1165 und 1220 als Pfarrkirche gebaut. Das Gotteshaus mit seinen zwei markanten Türmen sei ein „sehr schönes Beispiel“ für die Romanik. Auch ein Blick in das Innere der Basilika lohnt sich: Dort hängt eine Kopie des „Großen Gotts von Altenstadt“. Das Original befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum.

Gotischer Lockenkopf: Einige Tölzer Bürger wurden in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt verewigt.

Die Christusfigur ist Voss zufolge ebenfalls der Romanik zuzuordnen – gut zu erkennen am „Vier-Nagel-Typus“. Beide Hände und Füße sind jeweils mit einem Nagel durchbohrt. Und: Statt der Dornenkrone trägt der Erlöser einen Goldreif. „Er ist nicht als Leidensfigur dargestellt, sondern als Überwindender des Schmerzes.“ Auch die Schlehdorfer Friedhofskapelle beheimatet einen solchen Schatz. Das Kruzifix, das zwischen 970 und 1200 entstanden ist, ist mit Putten in eine barocke Szenerie eingebettet.

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Ebenfalls ein Beispiel für die Romanik ist in der Kirche St. Nantwein auf dem Wolfratshauser Friedhof zu finden. Gemeint ist die Darstellung eines Heiligen, die nach 1286 entstanden ist, so Voss. „Vermutlich ist es der Heilige Nantovinus, und vermutlich handelt es sich um eine Grabplatte.“ Ein typisches Gestaltungsmerkmal ist die Bedeutungsperspektive: „Was wichtig ist, ist groß.“ Beim Heiligen Nantovinus sind das die Hände.

Mitte des 13. Jahrhunderts wird die Romanik von der Gotik mit ihren in die Höhe strebenden Bauwerken abgelöst. „Sie ist in Frankreich in und um Paris entwickelt worden“, erklärte die Expertin. Bekanntestes Merkmal dieses Baustils ist der Spitzbogen. Beispiele dafür sind die Münchner Frauenkirche und die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt in Bad Tölz, die nach einem Brand Ende des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Seither prägt das Gotteshaus das Stadtbild. „Es ist eine Bürgerkirche“, berichtete Voss. Denn ein Teil der Porträtbüsten sei Tölzer Bürgern gewidmet.

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Im 19. Jahrhundert ist die Kirche „regotisiert“ worden. So stammt ein Portal mit einer eigenartigen Gestaltung aus dieser Zeit. „Da ist was ganz was Irres“, erklärte Voss. Zu sehen ist ein sogenannter Grüner Mann umgeben von Blättern, der sich selbst aufisst. Solche Gestalten sollten – ähnlich wie die Wasserspeier mit ihren furchterregenden Gesichtern – Unheil abhalten.

Auf die Gotik folgte die Renaissance, die in Italien nach 1400 entstand. In Deutschland hielt sie erst 100 Jahre später Einzug. „Antike Formen, eine klare Gliederung und Proportionen spielen jetzt wieder eine Rolle“, erklärte die Architekturhistorikerin. Ein frühes Beispiel für die Renaissance ist ebenfalls in der Tölzer Stadtpfarrkirche zu finden. Gleich neben dem Altar geht es in eine kleine Kapelle. Es handelt sich um die 1513 erbaute Grablege der Tölzer Pflegerfamilie Winzerer.

Auch in der Gemeinde Egling steht mit Schloss Harmating ein Relikt aus dieser Zeit. Teile des Gebäudes stammen laut Voss zwar aus dem 13. Jahrhundert. Aber sein heutiges Erscheinungsbild ist im Stil der Renaissance gehalten.

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Vortragsreihe

„Baustilkunde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – Vom Landkreis in die Welt“ ist eine Vortragsreihe mit Dr. Kaija Voss. Der nächste Vortrag findet an diesem Mittwoch, 27. März, um 19 Uhr im Schulungsraum 2 an der Geltinger Straße 14 in Gelting statt. Pro Veranstaltung kostet die Teilnahme zwölf Euro. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0 81 71/52 91 44 möglich.

nej

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