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Bis hierher und nicht weiter: Das Grundstück wurde provisorisch mit einem Bauzaun abgeriegelt.

Altlast an der Siebenbürger Straße

30 Jahren Ölsee: Eine unendliche Geschichte

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Seit 30 Jahren wird an der Siebenbürger Straße Öl aus dem Erdreich gepumpt. Damals war man bei Bohrungen auf den sogenannten Ölsee gestoßen.

Geretsried – Heute vor 30 Jahren stieß man bei Bohrungen an der Siebenbürger Straße auf den sogenannten Ölsee. Mit seiner Entdeckung 1989 erreichte das Altlastenproblem in Geretsried seinen Höhepunkt. Und die Sache ist bis heute nicht ausgestanden. „Mindestens weitere fünf Jahre“ muss das Grundstück saniert werden, „sehr wahrscheinlich“ noch länger, sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts.

Was war die Ursache für den Schadensfall 118, wie er offiziell heißt? Von etwa 1950 bis 1974 hatte die Wäscherei Gloning auf dem Areal industriell verunreinigte Putzlappen gereinigt und Abwässer versickern lassen. Das Waschwasser wurde laut einem Bericht der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) zwar in einer technisch einfachen Reinigungsanlage behandelt. Trotzdem befanden sich in den Abwässern, die in drei auf dem Gelände liegende Bombentrichter gekippt wurden, Mineralöl- und Lösungsmittelrückstände. „Durch die langjährige Betriebszeit der Firma reicherten sich große Schadstoffmengen im Untergrund sowie im Grundwasser an“, heißt es in dem Bericht der GAB weiter.

Verseuchtes Erdreich: Das Bild zeigt eine Bohrung auf dem Grundstück.

Detaillierte Untersuchungen zeigten das volle Ausmaß des Schadens und wiesen eine Ausbreitung „weit über das Firmengrundstück hinaus nach, zum Teil sogar bis zur im Abstrom liegenden Isar“. Eine umfassende Sanierung des Erdreichs war unumgänglich. So tauschte man in den Jahren 2000 und 2001 den Boden aus. Zirka 5000 Tonnen „hoch verunreinigtes Material“ wurden ausgehoben, in abgedeckten Lkw zu einem Bodenreinigungszentrum nach Roth gebracht und biologisch behandelt. Anschließend verwendete man das Erdreich wieder.

Dem Untergrund wurden damals 1300 Liter reines Öl und mit dem Aushub weitere 60 000 Liter Mineralöl (letzteres entspricht in etwa der Menge zweier Tanklastzüge) entzogen. Diese erste Teilsanierung verursachte Kosten in Höhe von rund 675 000 Euro.

Von 2004 bis 2015 wurde das Erdreich mit einer Ölabsaugpumpe gereinigt. In dieser Zeit wurden laut Landratsamt 214 000 Kubikmeter Grundwasser und 17 800 Liter Öl-Wasser-Gemisch gefördert. 2015 ersetzte man die Ölabsaugpumpe durch einen Ölskimmer. Dieser kann das Öl von der Wasseroberfläche direkt abschöpfen. Im Vergleich zur ersten Variante wird laut Peischer nahezu kein Wasser mit ab- und ausgetragen. Von 2015 bis zum Stichtag am 30. Juni des vergangenen Jahres wurden so 58 500 Kubikmeter Grundwasser und fast 7000 Liter Öl gefördert.

Die Sanierung des Grundstücks werde laufend überwacht. „Das geförderte Grundwasser, das gereinigte Anlagenwasser sowie die Grundwassermessstellen werden monatlich auf deren Schadstoffgehalte untersucht“, erklärt Peischer. Die Proben nehme vor Ort ein Mitarbeiter eines vom Landkreis beauftragten Unternehmens. „Die jeweiligen Ergebnisse werden dem Landratsamt und dem Ingenieurbüro übersandt, das die Sanierung betreut.“ Auch dem Wasserwirtschaftsamt in Weilheim werden die Ergebnisse laut Peischer vorgelegt. „Zudem ist der Projektleiter des Unternehmens, das die Grundwasserreinigungsanlage betreibt, regelmäßig vor Ort, wartet die Anlage und kümmert sich um die Entsorgung des dabei anfallenden Schmutzwassers.“

Wie lange sich die Sanierung noch hinziehen wird, ist schwer zu sagen. Die Landratsamtssprecherin wagt keine Prognose: „Eine konkrete Angabe zur Sanierungsdauer ist derzeit noch nicht möglich.“ Beziffern lassen sich dafür die Kosten, die der Ölsee bisher verursacht hat. Exakt 2 532 078,49 Euro sind bis zum 31. Januar dieses Jahres aufgelaufen.

Die Chance, das investierte Geld von den Eigentümern – das Grundstück befindet sich in Privatbesitz – zurückzubekommen, ist äußerst gering. Peischer: „Für den Fall eines Verkaufs des Gloning-Grundstücks wurden im Grundbuch bereits die erforderlichen Eintragungen vorgenommen.“

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Neubaupläne scheitern

Große Pläne gab es Anfang der 2010er Jahre für das Gebiet an der Siebenbürger Straße. Auf den Industriebrachen von Gloning und Rosner-Lacke sollte ein Wohngebiet entstehen. Auf dem Rund 28 000 Quadratmeter großen Areal waren insgesamt 35 Reihenhäuser und Doppelhaushälften sowie zwei Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Aus Sorge, im Untergrund könnten Umweltgifte lauern, hat es der Stadtrat jedoch mehrheitlich abgelehnt, dort Wohnbebauung auszuweisen. Das Gremium fürchtete Regressansprüche, sollte es durch die Altlasten im Boden zu Schäden kommen. Während das Grundstück der ehemaligen Industriewäscherei Gloning weiterhin saniert wird, hat sich auf dem ehemaligen Areal von Rosner-Lacke wieder Gewerbe angesiedelt.

nej

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