Anders und doch wieder gleich: Tanja Zeiler von „Gemeinsam Mensch“ und Ludwig begrüßen sich.
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Anders und doch wieder gleich: Tanja Zeiler von „Gemeinsam Mensch“ und Ludwig begrüßen sich.

Projekt vom Verein „Gemeinsam Mensch“

Gymnasiasten überwinden Berührungsängste durch Perspektivwechsel

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Wie müssen sich Menschen mit Behinderung fühlen? Das empfinden die Sechstklässler des Gymnasiums Geretsried bei einem besonderen Projekt nach.

Geretsried Wie soll man eine Karotte schälen, wenn man sie nicht richtig greifen kann? Wie seine Jacke zuknöpfen? Wie sich die Schuhe binden? Wie fühlt es sich an, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist?

Verständnis für Menschen mit Behinderungen auf- und Vorurteile abzubauen, ist das Ziel des Vereins „Gemeinsam Mensch“ mit seinem Projekt Perspektivwechsel. Bereits zum dritten Mal war das Team um Gründerin Anita Donaubauer am Gymnasium Geretsried in den sechsten Klassen zu Gast. Donaubauer selbst ist aufgrund einer Infantilen Zerebralparese – eine spastische Störung des Nerven- und Muskelsystems – auf den Rollstuhl angewiesen. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern versuchte sie, die Schüler an mehreren Stationen auf ihre Schwierigkeiten im Alltag hinzuweisen – und wie sie diese, so weit es geht, lösen kann.

Birgit Stein, am Gymnasium zuständig für Inklusion, begrüßt das Programm. „Wir haben selbst hier im Haus einen Schüler im Rollstuhl“, berichtet sie, „Inklusion ist für uns also kein Fremdwort.“ Generell sei es wichtig, einander so zu akzeptieren, wie man ist. „Es kann jeden durch Unfall oder Krankheit treffen.“ Gleich zu Beginn startete sie einen Versuch: „Wer wollte, konnte jedem unserer, an Infantiler Zerebralparese erkrankten Gäste die Hand geben. Hinterher sagten alle, dass es sich zwar irgendwie anders angefühlt hätte, aber die Bedeutung dieser Begrüßung genau die gleiche war.“

Der Schwerpunkt der Aktion liegt vor allem auf der Selbsterfahrung und den Gesprächen miteinander. „Die Kinder können sich beim Rolli-Basketball ausprobieren, einen Parcours mit verschiedenen Höhen befahren, einen Blinden beobachten“, zählt Stein auf. Oder sie können selbst testen, wie es ist, mit einer spastisch gelähmten Hand eine Karotte zu schälen oder ein Band einzufädeln. Dazu mussten die Sechstklässler einen Handschuh mit zwei zusammen genähten Fingern anziehen. Zudem schränkte ein Gummiband die Beweglichkeit der Arme ein. „Wie soll das jetzt gehen?“, fragte Alex, Gemüse in der einen, Schäler in der anderen Hand. Donaubauer lachte. „Probier‘s nur“, ermutigte sie ihn. „Wir haben jeden Tag mit so einer Hand zu kämpfen – und wir können sie nicht so einfach ausziehen wie einen Handschuh.“  sh

Serie Abimacher: Das Gymnasium Geretsried im Porträt

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