Erste Probe nach den Lockerungen: Roland Hammerschmied (re.) und seine „Mixed Voices“ in der Aula der Adalbert-Stifter-Schule.
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Erste Probe nach den Lockerungen: Roland Hammerschmied (re.) und seine „Mixed Voices“ in der Aula der Adalbert-Stifter-Schule.  

„Mixed Voices“-Leiter im Interview

Die Chöre proben wieder: „Da haut’s kräftig Aerosole raus“

Die Zeit des Homesinging s ist vorbei. Cöre dürfen wieder proben. Ein Gespräch mit Roland Hammerschmied über die Lockerungen.

Geretsried– Seit Montag vergangener Woche dürfen die Laienchöre in Bayern nach der coronabedingten Zwangspause wieder unter strengen Auflagen proben. Roland Hammerschmied, Leiter des Vokalensembles „Mixed Voices“ und Vorsitzender des Chorverbands Bad Tölz-Wolfratshausen, freut sich, seine Sänger endlich wieder live zu sehen und zu hören. Doch ob es heuer Auftritte geben wird, ist noch fraglich, wie der Geretsrieder im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Tanja Lühr sagt.

Herr Hammerschmied, ist Ihre Stimme nach drei Monaten Pause eingerostet?

(lacht) Nein, das nicht direkt. Aber man merkt es schon, wenn man eine Zeit lang nicht singt. Nach der sechswöchigen Sommerpause der „Mixed Voices“ zeigt sich das bei der ersten Probe immer sehr deutlich. Aber nicht nur die Stimme, auch das Gehör muss regelmäßig geschult werden, vor allem das des Chorleiters.

Hat jedes Mitglied für sich geübt in den vergangenen Wochen?

Ja, ich denke, jeder hat für sich Stimmübungen gemacht. Vor fünf Wochen haben wir außerdem angefangen, per Videoschaltung zu proben. Ich habe Klavier gespielt und, sagen wir, der Sopran hat dazu gesungen. Dann kam der Bass dran, und so weiter. Das war ein bisschen wie Einzelunterricht und für mich sehr zeitintensiv.

Homesinging neben Homeoffice und Homeschooling – wäre das ein Zukunftsmodell?

Also, das ist alles andere als optimal, zumindest mit den begrenzten technischen Möglichkeiten, die ein jeder von uns hat. Der Ton kam zum Beispiel immer etwa eine halbe Sekunde zeitverzögert bei mir an. Es gab oft Systemabstürze, und polyfone Tonsätze sind gar nicht möglich.

Das heißt, Sie freuen sich, endlich wieder live proben zu dürfen?

Auf jeden Fall. Wir alle freuen uns darauf, uns wieder zu sehen und wieder zusammen singen zu können.

Wo werden Sie sich treffen?

Unser eigentlicher Probenraum in der Musikschule wäre für 30 Personen, die im Abstand von zwei Metern zueinander stehen müssen, zu klein. Die Stadt stellt uns übergangsweise künftig die Aula der Adalbert-Stifter-Mittelschule zur Verfügung. Dort kann der Sicherheitsabstand eingehalten werden, und es kann regelmäßig gelüftet werden. Wir können versetzt in zwei oder drei Reihen hintereinander stehen und singen.

Ärgert es Sie, dass die Chöre mit die letzten waren, für die die Bayerische Staatsregierung nun Lockerungen vorgenommen hat?

Nein. Es gab ja Beispiele, wo das gemeinsame Singen in der Kirche zu erneuten Corona-Infektionen geführt hat. Man merkt es schon selber beim lauten Singen, dass man da kräftig Aerosole ‘raushaut.

Sind für heuer noch Auftritte geplant?

Wir hatten mit den „Mixed Voices“ das Glück, dass wir von Januar bis März alle unsere Auftritte mit dem bis dahin einstudierten weltlichen Programm absolvieren konnten. Jetzt sind die geistlichen Lieder an der Reihe, die wir heuer im Herbst und Winter aufführen wollen. Ob es klappt mit den traditionellen Gratis-Konzerten Mitte November in der Maria-Hilf-Kirche, die dann ja immer gesteckt voll ist, müssen wir sehen. Wir könnten mit Einlasskarten arbeiten, sodass nur 150 Zuhörer pro Konzert ‘reinkommen.
Fraglich ist auch, ob die alle zwei Jahre stattfindende Chor-Weihnacht des Chorverbands Bad Tölz-Wolfratshausen, deren Vorsitzender ich bin, am dritten Adventssonntag stattfinden kann. Die Lenggrieser Kirche wäre dafür ideal geeignet. Wir bereiten uns jedenfalls auf alle Konzerte vor und hoffen das Beste.

Tanja Lühr

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