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Spaß trotz Handicap: Günther Mayer, der seit einem Motorradunfall im Rollstuhl sitzt, war kürzlich an der Geretsrieder Realschule zu Gast. 

Beim Leben auch das Hirn einschalten

„No risk, no fun?“:  Rollstuhlfahrer  leistet an der Realschule Aufklärungsarbeit

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Seit einem Unfall sitzt Günther Mayer im Rollstuhl. Mit der Präventionskampagne „No risk, no fun?“warnt er Schüler vor den Gefahren von Selbstüberschätzung.

Geretsried – Es war an einem Montag vor 22 Jahren in München. Günther Mayer, 28 Jahre alt und Student aus dem Allgäu, war mit seinem Motorrad auf dem Weg zu einem Nebenjob. Dann kam die Kurve. „Ich habe die Gefahr zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt“, sagt Mayer, der seitdem im Rollstuhl sitzt. Zusammen mit Holger Kranz von der Deutschen Stiftung Querschnittsgelähmung besucht er auf Einladung von Organisatorin und Lehrerin Steffi Holzhauer die Geretsrieder Realschule. Mit der Präventionskampagne „No risk, no fun?“ wollen die Männer die Achtklässler über die Gefahren von Selbstüberschätzung und deren Folgen aufklären.

„Ich war zu schnell unterwegs und rutschte weg“, schildert Mayer seinen Unfall von damals. „Dann knallte ich mit dem Rücken gegen einen Pfosten.“ Der junge Mann trug zwar Schutzkleidung, „aber das ist auch keine Garantie. Sie kann nicht alles verhindern.“ Im Unfallkrankenhaus Augsburg erfuhr Mayer, dass sein Rückenmark irreparabel verletzt worden ist. „Ich werde den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen.“ Eine Katastrophe für den 28-jährigen. „Ich hatte noch so viele Träume und Pläne. Das hatte mit Sicherheit nicht dazu gehört.“ Hätte ihn vor dem Unfall jemand gefragt, ob er sich ein Leben im Rolli vorstellen könne, dann hätte Mayer geantwortet: „Nein, dann lieber gleich alle Lichter aus.“ Heute denkt er anders. „Ich hatte genau zwei Möglichkeiten: entweder das Beste daraus zu machen oder in ein Pflegeheim zu gehen und zu warten, bis der Sensenmann kommt.“

Mayer entschied sich für Ersteres. Für ihn ist das Leben trotz Handicap lebenswert – und genau das versucht er, den Jugendlichen auch zu vermitteln. Mayer entdeckte das Rollstuhl-Basketball-Spielen für sich, schaffte es bis in die Bundesliga, managt die U22-Nationalmannschaft. „Haben Sie nie den Glauben an Gott verloren?“, will ein Schüler von ihm wissen. „Nein“, antwortet Mayer. „Aber ich war zwischendurch ziemlich sauer auf ihn.“

Günther Mayer berichtet den Schülern aus seinem Alltag. Danach können sie in einem Parcour und beim Basketballspiel selbst ausprobieren, wie sich ein Rollstuhl handhaben lässt. „Sie sollen ihr Leben leben“, erklärt der heute 50-Jährige, während er die Jugendlichen beobachtet und Tipps gibt. „Aber sie sollen dabei das Hirn einschalten und auch einmal Nein sagen, wenn es vernünftiger ist.“ sh

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