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Stammplatz: Meist steht Lisl Schmid hinterm Tresen. Von dort aus hat sie einen guten Überblick über den „Saftladen“. 

Jugendzentrum

Saftladen: „Lisl“ Schmid feiert 35-jähriges Dienstjubiläum 

Seit 35 Jahren ist „Lisl“ Schmid die gute Seele im Saftladen - und hat in dieser Zeit viel erlebt. Als die 65-Jährige 1984 ihre Stelle antrat, war das Jugendzentrum gerade einmal ein halbes Jahr alt. 

Geretsried – Sie ist eine Institution im Jugendzentrum Saftladen: Elisabeth Schmid feiert heuer ihr 35-jähriges Dienstjubiläum als Sozialpädagogin. Elisabeth nennt die Iffeldorferin niemand. Die 65-Jährige ist für alle einfach „die Lisl“.

Die Frau mit den vielen Lachfalten, die gerne bunte Kleidung trägt, hat den Saftladen damals mit aufgebaut. Als sie nach dem Studium der Sozialpädagogik an der Münchner Fachhochschule und nach zweieinhalb Jahren am Jugendamt in Heilbronn am 1. April 1984 ihre Stelle in Geretsried antrat, bestand der Jugendtreff gerade einmal ein halbes Jahr lang. „Es war eine spannende Zeit. Wir haben mit den Jugendlichen eine Satzung entworfen. Denn Mitsprache wurde von Anfang an groß geschrieben“, sagt Schmid. Nach wenigen Wochen im Offenen Betrieb habe sie gewusst: „Genau das war der Grund, warum ich studiert habe.“

Schmid hat den Saftladen mit aufgebaut

Einfach war die Arbeit mit den Jugendlichen freilich nicht immer. In den 1980er Jahren galt es, eine Gruppe von Rockern zu integrieren. Schmid erinnert sich, dass sie die Motorradfahrer einmal mit Patienten der Unfallklinik Murnau zusammengebracht habe – eine Begegnung, von der beide Seiten profitiert hätten. Während des Jugoslawien-Kriegs in den 90ern seien viele junge Bosnier, Serben und Kroaten in den Saftladen gekommen. Auch ihre Eingliederung sei geglückt. „Ich habe einfache Kartenspiele wie Watten mit ihnen und den einheimischen Jugendlichen gespielt. Das hat allen Spaß gemacht“, erinnert sich die Sozialpädagogin. 2015/16 zählte die Einrichtung wegen der Flüchtlingskrise bis zu 160 Besucher am Tag. Integration war also schon immer ein wichtiges Thema für das Team.

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Der Saftladen ist unter anderem bekannt für seine „Europa-Feste“. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung, mit ganz unterschiedlichen Interessen, Problemen und Charakteren zusammenzubringen, das sei die Kunst in ihrem Beruf, sagt Lisl Schmid. Der alleinerziehenden Mutter, die wegen ihrer Tochter phasenweise Teilzeit arbeitete, gelang das Kunststück dank ihrer konsequenten, stets wertschätzenden Art, dank vieler Aktionen und Veranstaltungen. Dauerthemen der vergangenen 35 Jahre seien schlechte Noten, Ärger mit den Eltern oder Freunden und leider auch Drogen, sagt die Jugendzentrums-Mitarbeiterin. Es sei wichtig, sich über alles zu informieren. Ob neue synthetische Drogen, Darknet oder soziale Netzwerke – die 65-Jährige kennt sich aus. Schmid: „Man muss alles erklären und entsprechend argumentieren können, sonst wird man nicht ernst genommen.“ Die Iffeldorferin ist bekannt für ihre direkte Art. „Ich bin keine Diplomatin“, sagt sie, weswegen ihr eine Führungsrolle auch nicht so liege. Im Umgang mit den Jugendlichen stelle sie lieber nur wenige Regeln auf. Diese müssten dann aber eingehalten werden. An die „Lisl“ könne man sich jederzeit mit seinen Sorgen wenden, mit ihr könne man blödeln und lachen, sie nehme einen auch mal in den Arm, sagen die Jugendlichen über die langjährige gute Seele des Saftladens.

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Dass immer wieder Ehemalige vorbeischauen, manchmal sogar um Rat bitten, freut die Sozialpädagogin. Zu sehen, wie sich junge Menschen positiv entwickelten, sei einer der schönsten Aspekte ihrer Arbeit.

Der Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit, Rudi Mühlhans, betonte bei einer kleinen Feierstunde anlässlich Schmids Jubiläum, es komme heute nicht mehr allzu oft vor, dass jemand einen so langen Zeitraum beim selben Arbeitgeber bleibe. Noch seltener sei das in einem Arbeitsfeld zu erwarten, das von hoher Dynamik, ungünstigen Arbeitszeiten abends und an den Wochenenden, kaum planbaren Arbeitsumständen und einer täglich wechselnden Klientel geprägt sei.

Kein Tag ist wie der andere

Schmid sagt, sie schätze es gerade an ihrer Tätigkeit, dass kein Tag wie der andere sei. Mit den Arbeitszeiten könne sie sich arrangieren. Erst am Ostersonntag hatte sie wieder Dienst. Ihr Privatleben, die Treffen mit Freunden richte sie nach ihren Wochenplänen. So sehr sie ihren Beruf liebe, freue sie sich trotzdem auch auf den Ruhestand, sagt sie – auf weite Reisen, die Arbeit in ihrem Garten oder gemütliche Lesenachmittage.

tal

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