„Fakten gegen Fakes“: Redaktionsleiter Carl-Christian Eick stand 90 Gymnasiasten Rede und Antwort.

Bayernweiter Schülermedientag

In Zeiten von Fake News: Was Schüler über Medien wissen müssen

„Fakten gegen Fakes“ lautete das Motto des bundesweiten Schülermedientags. Am Geretsrieder Gymnasium ging es um den Marktplatz von heute und was die journalistische Arbeit ausmacht.

Geretsried Wie glaubwürdig sind Zeitungen? Wie arbeiten sie? Was unterscheidet einen Journalisten von einem Influencer? Medienkompetenz spielt eine wichtige Rolle im bayerischen Lehrplan. Deshalb hat die Landeszentrale für politische Bildung heuer erstmals einen bayernweiten Schülermedientag unter dem Motto „Fakten gegen Fakes“ veranstaltet. Das Geretsrieder Gymnasium lud dazu den Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, Carl-Christian Eick, als Referenten ein.

„Fakten gegen Fakes“: Redaktionsleiter Carl-Christian Eick stand 90 Gymnasiasten Rede und Antwort.

Vor etwa 90 angehenden Abiturienten der Q11 sprach der 52-Jährige in der Aula über die Arbeit eines Redakteurs. In Zeiten, in denen Nachrichten via Facebook und Twitter, in Blogs und Foren verbreitet würden, sei diese Arbeit umso wichtiger, sagte Sozialkundelehrer Bernd Hammann, der die Veranstaltung an die Schule geholt hatte. Auf der anderen Seite müsse sich auch die ältere Generation mit den neuen Medien auseinandersetzen, die Vor- und Nachteile mit sich brächten.

„Zeitung lesen? Das ist was für meine Oma“: Diese Einstellung haben viele Jugendliche, wie Eick – selbst Vater von zwei Kindern im Alter der Zuhörer – weiß. Die Presse habe jedoch längst auf die Entwicklung reagiert. Sie biete Online-Ausgaben an und bediene sich der sozialen Netzwerke. Im Gegensatz zu anderen Verbreitern von Neuigkeiten und Meinungen im Internet würden sich Redakteure – nur wer eine zweijährige Ausbildung genossen hat, darf sich so nennen – jedoch an den Pressekodex halten. Das heißt, sie sind der Wahrheit verpflichtet, ebenso wie der gründlichen Recherche. Sie veröffentlichen ihre Artikel und Kommentare nicht anonym und sind deshalb jederzeit greifbar.

Was früher der Marktplatz oder das Wirtshaus waren, sind heute die virtuellen Marktplätze. Auch die örtliche Presse schaue auf die diversen Facebook-Seiten wie „Du bist aus Wolfratshausen wenn...“, um zu erfahren, was die Menschen vor Ort gerade beschäftige, sagte Eick. Erst am Morgen seines Vortrags habe er in dieser Gruppe von angeblichen Gaststätten- beziehungsweise Geschäftsschließungen gelesen. Ein Anruf bei zwei der Inhaber habe ergeben, dass beide nicht im daran dächten, aufzuhören. Mit „Fake News“ könne man viel Schaden anrichten, gab der Redaktionsleiter zu bedenken. Leider gerate die Presse aufgrund der zunehmenden, absichtlich oder unabsichtlich veröffentlichten Falschmeldungen in Misskredit. Es werde pauschal auf die „Lügenpresse“ geschimpft.

Dabei prüften seriöse Journalisten Meldungen immer, gegebenenfalls mehrmals. Sie hörten sich alle Seiten an, wie im Fall der aus Schülersicht zu schweren Mathematik-Abiturprüfung, über die sich diese beklagt hatten. Journalisten behandelten vertrauliche Mitteilungen vertraulich, verurteilten niemanden vor einem Gerichtsprozess und respektierten die Würde eines Menschen, indem sie zum Beispiel die Familie von Michael Schumacher in Ruhe ließen.

Auf die Frage, aus welchen Quellen sie sich informierten, antworteten die Schüler ein wenig einsilbig mit „Tagesschau“ und „Meldungen von Tages- oder Wochenzeitungen auf dem Smartphone“, was dem deutschen Durchschnitt entspricht. In einer aktuellen Umfrage wurden die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender als Quelle Nummer eins angegeben.

Eick gab den Jugendlichen nach rund zwei Stunden mit auf den Weg, in der Flut von Neuigkeiten nicht unterzugehen, sondern sich selbst eine Meinung zu bilden. Außerdem ermunterte er sie, während eines Praktikums beim Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur herauszufinden, ob ihnen der Beruf des Journalisten liegen könnte.

Tanja Lühr

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