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Zuhause auf Rädern: Ein Tiny-House ermöglicht Wohnen auf kleinstem Raum.

Dorf kann nicht in Ziegelei entstehen

Abgekartete Sache ? Nach Tiny-House-Absage wird Kritik an der Stadt laut

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Ein Tiny-House-Dorf in der Geltinger Ziegelei ist nicht möglich. Das hat der entsprechende Ausschuss des Stadtrats entschieden. Thorsten Thane, der für das Projekt kämpft, kritisiert die Vorgehensweise. 

Geretsried– Sieben Tiny-Houses, also Kleinsthäuser auf Rädern, wollten Mitglieder des Vereins „Einfach gemeinsam leben“ in der Geltinger Ziegelei ansiedeln. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss beerdigte die Idee in seiner jüngsten Sitzung (wir berichteten). Vorsitzender Thorsten Thane verfolgte die Entscheidung zusammen mit fünf Mitstreitern von den Zuschauerstühlen – und kritisiert die Vorgehensweise.

„Ich fand, das war eine abgekartete Sache. Es ging nicht darum zu diskutieren, sondern die Sache schnell abzuhandeln“, lautet Thanes Einschätzung auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Termin sei kurzfristig angesetzt worden, sodass der Verein erst eine Woche vor der Sitzung an den Bürgermeister habe schreiben können. „Wir wollten das Grundstück mit den Ausschussmitgliedern anschauen, aber es kam keine Reaktion“, so der 47-Jährige.

Da dadurch kein Stadtrat vorab informiert werden konnte, habe die Ziegelei als Standort nur abgelehnt werden können. Stadtbaurat Rainer Goldstein hatte argumentiert, dass die Ziegelei im Außenbereich liegt und eine Bauleitplanung auf dem Grundstrück den Zielvorgaben des Landesentwicklungsprogramms Bayerns widerspricht. „Der Vortrag war extrem negativ und ließ keine Möglichkeit zur Diskussion“, kritisiert Thane.

Thorsten Thane Vorsitzender „Einfach gemeinsam leben“

Dem Vorsitzenden ist wichtig hierbei zu betonen, dass es sich um seinen persönlichen Eindruck handelt. Der Verein hat keine Stellungnahme abgesprochen. Er hat sich erst für Ende des Monats verabredet, um zu überlegen, in welche Richtung es nun weitergehen soll. Fest steht, dass „Einfach gemeinsam leben“ weiterhin für alternative Wohnformen werben will. Zum Beispiel habe man die Landratskandidaten um Gesprächstermine gebeten. Der Verein will aufklären und Vorurteile abbauen.

Der Verein hat sich vergangenes Jahr offiziell gegründet. Mit einer Petition will er erreichen, dass das Baurecht zwischen einem Tiny House und einem „normalen Haus“ unterscheidet, um das Aufstellen zu erleichtern. Leuchtturmprojekt sollte das Tiny-House-Dorf in Gelting werden. Ein Eigentümer in der Ziegelei würde sein Grundstück dazu verpachten – was dem Verein ohne Baurecht allerdings nichts nützt.

Nach dem Beschluss im Ausschuss, dass das Projekt auf besagter Fläche nicht umsetzbar ist, ist die Ziegelei für Thane jedoch nicht gestorben. Er sieht die Entscheidung als „vorläufigen Beschluss aufgrund der momentanen Sachlage“. In der BR-Sendung „Jetzt red i“ zum Thema Wohnen diskutierte der Vereinsvorsitzende unter anderem mit dem bayerischen Bauminister Dr. Hans Reichhart. Der hatte erklärt, dass Tiny-Houses auf einem erschlossenen Grundstück im Außenbereich durch eine Bauleitplanung möglich wären. Goldstein hatte daraufhin zwar betont, dass die Beurteilung schwer sei, ohne den Sachverhalt in vollem Umfang zu kennen. Doch habe Reichhart Thane versprochen, sich den Fall anzusehen.

Zudem sei das Gelände in der Ziegelei eine Option. Bisher zwar die einzige, doch „wenn es jemanden gibt, der dem Projekt aufgeschlossen gegenübersteht und ein Grundstück hat, darf er sich gerne melden“, wirbt Thane. In Geretsried kenne man sich bereits – der Stadtrat stand dem Ansinnen prinzipiell positiv gegenüber –, doch sei die Umsetzung im Umland genauso gut.

Thane jedenfalls ist motiviert, weiter für ein Tiny-House-Dorf zu kämpfen. Als Selbstständiger und Alleinerziehender werde er sich trotz Versicherung im Rentenalter keine Wohnung mehr leisten können. Auch einen Kredit für ein Haus zu bekommen, erscheint ihm unwahrscheinlich. Ein Tiny-House wäre die Lösung. Thane: „Ich will rechtzeitig etwas gegen meine persönliche Altersarmut tun.“

sw

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