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Vorfreude auf den Anpfiff: (v. li.) Die Fußballer Jochen Findeisen, Alfons Brade, Gerhard Swoboda, Josef Klein, Hermann Dotzauer, Anton Deglmann, Mathias Stettner, Karl Walter, Ottmar Gebhardt, Richard Stark, Josef Knisch und Alfred Hopfner im Jahr 1961.

Sammlung historischer Fotos

Kiesgrube statt Dusche: Wie der TuS-Fußball seinen Anfang nahm

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Da werden Erinnerungen an die TuS-Anfänge wach: Drei Fußballer sammeln historische Fotos. Das Ergebnis geht ans Museum.

Geretsried – Konrad Graf von Pocci war einer der ersten Schiedsrichter, der ein Spiel des TuS geleitet hat. Der letzte Pocci-Graf pfiff für den Kreis Zugspitze. „Er reiste mit seinem landwirtschaftlichen Unimog zu den Spielen“, erzählt Gerhard Swoboda und zeigt eine Kopie des Schiedsrichter-Ausweises. Er und Josef Köhler haben so einiges Neues ausgegraben, als sie mit Norbert Junius, stellvertretender Leiter der TuS-Abteilung Fußball, in den alten Sachen gekramt haben. Gut zwei Jahre haben sie historische Fotos gesammelt. Aktuell fassen sie das Material in einem Heft zusammen und arbeiten an einem Film, in dem auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Beides wollen sie dem Museum der Stadt Geretsried zur Verfügung stellen.

Bei der Arbeit: (v. li.) Josef Köhler, Norbert Junius und Gerhard Swoboda.

Dass die Drei zusammengekommen sind, war mehr oder weniger Zufall. „Ich hab’ mich kürzlich gefragt, ob es eigentlich historische Unterlagen gibt“, berichtet Junius. So stieß er auf Köhler und Swoboda, die schon längst bei der Arbeit waren. Köhler hatte im Nachlass seiner Mutter Fotos von den Anfängen der Geretsrieder Fußballzeit gefunden. Vier Geretsrieder erkannte er darauf, Freunde seiner Eltern. Die anderen allerdings nicht. „Die vier Geretsrieder haben beim TSV Königsdorf gespielt“, hat der 75-Jährige herausgefunden. Damals gab es noch keinen Geretsrieder Sportverein.

Weil er die Fotos bewahren wollte, bot er sie bei einer Veranstaltung dem Arbeitskreis Historisches Geretsried an. Swoboda stand daneben und bekam große Ohren. „Ich war früher Schriftführer beim TuS und hab’ eh alles für mich gesammelt“, erklärt der 76-Jährige. Zusammen fragten sie herum, wer noch alte Fotos hat, recherchierten die Namen und Hintergründe. „Sonst wäre alles verloren gegangen“, sagt Swoboda und ärgert sich ein bisschen, dass sie nicht schon früher damit angefangen haben. So mancher Ansprechpartner ist verstorben.

Junius hat große Freude, in den Bildern zu stöbern. Es weckt Erinnerungen. „An den Holzzaun am Fußballplatz an der Tattenkofener Straße, unter dem ich immer durchgeschaut hab‘ und an die Eröffnung des Isarau-Stadions“, sagt der 59-Jährige. Und dann gab es da auch noch eine Wirtschaft, die Gaststätte Korb, wo sich sein Vater mit anderen zum Fußballschauen getroffen hat. Junius hat das Material filmisch verarbeitet, auch um Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Der erste Film ist schon fertig und in seinem Format „TuS-TV“ zu sehen. Die Resonanz auf die Sendung sei durchweg positiv, so manchen Zuschauer rührten die alten Fotos zu Tränen.

Swoboda fing mit 14 Jahren an, Fußball zu spielen. „Mein Bruder war auch dabei, so kam ich automatisch dazu“, sagt er. Der 76-Jährige erinnert sich ebenfalls an den ersten Fußballplatz. Die Linien waren mit Sägespäne gezogen, der Ball aus Leder saugte sich im Winter voll und komfortable Umkleiden mit Duschen gab es nicht. „Die Spieler haben sich in der Kiesgrube sauber gemacht.“ Trotzdem machte ihm auf dem Platz keiner was vor. „Mit über 200 Toren bin ich noch immer Torschützenkönig“, sagt Swoboda lachend.

Für die erste Schülermannschaft wurden in den 1950er Jahren Spieler zusammengetrommelt. So kam Köhler zum Fußball, wenn auch ohne geeignete Schuhe. Improvisation war gefragt. Bei einem Auswärtsspiel nach Ammerland durfte der 75-Jährige, der heute in Kochel am See wohnt, mitfahren. „Der erste Torwart hatte den ersten Omnibus in Geretsried“, erklärt Köhler. Damit es das Gefährt mit Holzvergaser-Antrieb den Wolfratshauser Berg nach oben schaffte, mussten die Insassen aussteigen und das letzte Stück zu Fuß gehen.

Lesen Sie auch: So lief die Sendung „Blickpunkt Sport“ mit dem TuS Geretsried

Beim Erzählen kommen die ehemaligen TuS-Fußballer immer wieder auf die Zeiten von damals zu sprechen. An Ehen, die ihren Anfang im Kino nahmen, an ihre Kindheit, in der sie in unterirdischen Gängen spielten oder am Schwaigwaller Berg Ski fuhren. Bei ihrer Sammlung geht es aber nicht nur darum, Erinnerungen zu wecken, betont Junius. „Wir können die Aufbauleistung nicht hoch genug schätzen“, sagt der Vize-Abteilungsleiter. Köhler und Swoboda haben ihre Recherche abgeschlossen. Sie hoffen aber, dass die Jüngeren weitermachen und auch die Erinnerungen anderer Abteilungen bewahrt werden. „Wenn ein paar was anschieben, geht was vorwärts“, sagt Köhler. Und Swoboda ergänzt: „Wenn keiner was macht, passiert nichts.“

sw

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