Unverzichtbar für Schüler, Lehrer und Eltern: Schulsozialarbeiterin Susanne Hager (re.) mit Christine Kolbeck, stellvertretende Leiterin des Gymnasiums.
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Unverzichtbar für Schüler, Lehrer und Eltern: Schulsozialarbeiterin Susanne Hager (re.) mit Christine Kolbeck, stellvertretende Leiterin des Gymnasiums.

Streit und Mobbing bleiben nicht aus

Seit zehn Jahren hilft die Schulsozialarbeit bei der Konfliktlösung am Gymnasium

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Als erstes Gymnasium im Landkreis hat Geretsried vor zehn Jahren die Schulsozialarbeit eingeführt. Im Interview ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz.

Geretsried – Eine Person, die für alle Schüler da ist, zu der Kinder und Jugendliche mit all ihren Ängsten, Problemen und Sorgen kommen können: Am Geretsrieder Gymnasium ist das Susanne Hager (38). Vor zehn Jahren hat die Schule an der Adalbert-Stifter-Straße die Schulsozialarbeit eingeführt – als erstes Gymnasium im Landkreis. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichten Susanne Hager und Christine Kolbeck (64), stellvertretende Schulleiterin, über die Arbeit und was sich im Lauf der Jahre verändert hat.

Frau Kolbeck und Frau Hager, das Gymnasium Geretsried hat vor zehn Jahren, als erstes im Landkreis, die Schulsozialarbeit eingeführt. Wie kam es dazu?

Christine Kolbeck: Der damalige Schulleiter, Dr. Hermann Deger, hat sich sehr für dieses Thema eingesetzt. Und ich kann nur sagen: Die Stunden für die Schulsozialarbeit sind wertvoll angelegt.

Warum?

Kolbeck: Die Lehrer stehen vor immer mehr Aufgaben, die sie nicht alleine stemmen können.
Susanne Hager: Sie müssen in erster Linie den Stoff durchbringen. Natürlich sind Klassenlehrer auch dafür zuständig, dass es der Klasse gut geht. Sie haben aber eben nur begrenzt Stunden zur Verfügung.

Braucht ein Gymnasium überhaupt Schulsozialarbeit?

Hager: Ich bin der Meinung, dass diese Arbeit an jeder Schule eine wichtige Einrichtung ist – ob Mittelschule, Realschule oder Gymnasium. Es wird immer nur von Problemschulen geredet, aber auch an einem Gymnasium kommt es zu Auseinandersetzungen und Mobbing. Wo Menschen aufeinandertreffen, entstehen immer Konflikte oder Unstimmigkeiten, die man im sozialen Bereich bearbeiten muss. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Schulsozialarbeiter die Lehrer unterstützen.

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Wie muss ich mir als Laie die Schulsozialarbeit vorstellen?

Hager: Ein wichtiger Teil ist die Prävention. Hier an der Schule haben wir etwa sogenannte Zeit-für-uns-Stunden (Zfu-Stunden). Alle 14 Tage bin ich für jeweils eine Zfu-Stunde in den fünften Klassen. Und in der sechsten Klasse, wenn dort ein Thema aufkommt.

Wie laufen solche Stunden in den fünften Klassen ab?

Hager: Wir beginnen normalerweise mit einem kleinen Austausch, wie es in der Klasse gerade läuft. Danach machen die Schüler Übungen zu einem bestimmten Thema.

Haben Sie dazu Beispiele?

Hager: Zum Thema Teambildung und Kommunikation sollten die Kinder in Gruppen einen Turm aus einem Blatt und Heftklammern bauen. Die Schüler haben gemerkt: Je besser man kommuniziert, umso einfacher flutscht es in der Gruppe.

I

st Schulsozialarbeit heute wichtiger als früher?

Kolbeck: Ich bin jetzt seit neun Jahren hier an der Schule. In der Zeit war es immer wichtig, dass wir eine Schulsozialarbeiterin hatten.

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Gibt es große Unterschiede zwischen damals und heute?

Kolbeck: Als ich an die Schule kam. hieß es bei vielen Lehrern: „Bei uns gibt es kein Mobbing.“ Das wurde regelrecht verleugnet. Ganz nach dem Motto: „Bei uns doch nicht.“ Aber mit der Zeit hat sich das geändert. Alle haben gemerkt, wie wichtig es ist, dass wir jemanden von außen haben.

Das heißt, diese Einstellung hat sich geändert?

Kolbeck: Richtig. Dafür ist jetzt noch das Thema Cyber-Mobbing dazugekommen. Vor neun Jahren war das völlig unbekannt. Das ist ein Bereich, der sehr groß und überhaupt sehr schwierig zu bearbeiten ist. Sowohl für die Schule als auch für Frau Hager.

Warum?

Kolbeck: Weil es wenig greifbar ist. Es kommt aus der Schule, passiert aber außerhalb der Schulhofmauern.
Hager: Das kann einfach immer und überall passieren. Cyber-Mobbing ist nicht örtlich oder zeitlich begrenzt. Jeder hat sein Smartphone ständig dabei, jeder kann das schnell mal machen.

Also haben sich die Probleme der Schüler durch die neuen Medien verändert.

Kolbeck: Das mit Sicherheit. Fälle von Cyber-Mobbing haben wir besonders in der Unterstufe. Wenn die Kinder beginnen, sich mit sozialen Netzwerken zu beschäftigen, gehen sie offensichtlich sehr unbedarft heran. Oder die Jugendlichen machen es später subtiler, damit es nicht mehr so auffällt.

Das beginnt dann plötzlich auf dem Schulhof?

Kolbeck: Cyber-Mobbing fängt häufig mit ganz harmlosen Klassenchats an, dann richtet es sich plötzlich gegen einen einzelnen Schüler. Manchmal kippt die Stimmung auch: Der, der gemobbt hat, ist dann am Ende selbst das Opfer.

Arbeiten Sie hier auch präventiv?

Kolbeck: In unserem Medienprojekt „Für die digitale Zukunft, die wir wollen“ wird unter anderem der Umgang mit sozialen Medien oder mit Internetgefahren behandelt.
Hager: Wenn die Schüler aufgeklärter sind, was etwa Cyber-Mobbing oder generelles Mobbing betrifft, überlegen sie es sich vorher zweimal. Die Schüler haben dann nämlich selber mal gespürt, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden.

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Wie vermitteln Sie das? In Rollenspielen?

Hager: Ja genau, diese Übung finde ich wichtig.
Kolbeck: Das Vorgehen kennt jeder: Man spricht einfach nicht mit dem Opfer und grenzt ihn aus, man schmeißt ihm das Federmäppchen runter und so weiter. Hier kann man sich auf beiden Seiten einfühlen.

Frau Hager, ist Mobbing unter den Schülern der Hauptbestandteil Ihrer Arbeit?

Hager: Nein, es gibt auch normale Konflikte. Die treten auf und verschwinden wieder, wenn wir sie besprochen haben. Das geht von kleinen Streitereien bis hin zu großen Ärgereien. Diese können schon mal ein bisschen weitergehen. Bei solchen Vorfällen weiß ich, dass ich dafür mehr Zeit investieren muss.

Mit welchen Problemen kommen die Kinder noch zu Ihnen?

Hager: Zu mir kommen Schüler die sagen: „Ach zu Hause ist es irgendwie stressig, und meine Eltern verstehen mich nicht.“ Oder manche Kinder verstehen sich mit ihrem Lehrer nicht.

Und Sie versuchen, für die Kinder eine Lösung zu finden?

Hager: Ich mag da nichts vorgeben. Die Schüler haben selbst Ressourcen, die sie finden können: Wie ist mein Weg? Wie darf ich diesen gehen? Wen kann ich mit einbeziehen? Müssen die Eltern dabei sein oder kann ich das selber klären?

Kommen mehr Schüler, Lehrer oder Eltern zu Ihnen?

Hager: Das ist bunt gemischt. Natürlich kommen viele Schüler zu mir. Die klopfen in der Pause an meine Tür, kommen rein und fragen: „Dürfen wir kurz stören?“ Dann gibt’s Eltern die anrufen: „Mein Kind hat das und das Problem.“ Oder auch Lehrer, die sagen: „In meiner Klasse ist XY vorgefallen, wie können wir das angehen?“

Info

Susanne Hager ist in der Regel montags, mittwochs und donnerstags zwischen 8.30 und 13.30 Uhr in ihrem Büro im Erdgeschoss des Oberstufenbaus (Y. EG 3) des Gymnasiums erreichbar. Auch telefonisch unter der Nummer 0 81 71/ 93 25 23 oder per E-Mail an die Adresse susanne.hager@gymger.de kann man die Schulsozialarbeiterin kontaktieren.

Franziska Konrad

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