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Kein Problem mit dem Grundwasser sieht die IGGG bei der Bebauung des Lorenz-Areals.

Thema Grundwasser instrumentalisiert?

Bebauung Lorenz-Areal: Darum kritisiert Interessengemeinschaft die Bauer Group

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Eine Interessengemeinschaft sorgt dafür, dass dem Thema Grundwasser in der Stadt ausreichend Gehör geschenkt wird. Auch bei der geplanten Bebauung auf dem sogenannten Lorenz-Areal hat sie sich eingeschaltet.

Geretsried – Beim Thema Grundwasser verstehen viele Geretsrieder keinen Spaß. Zu oft sind vor allem Bürgern aus dem Blumenviertel bei Starkregen die Keller vollgelaufen. Die Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter und -gefährdeter Geretsrieder (IGGG) sorgt dafür, dass diesem Thema in der Stadt ausreichend Gehör geschenkt wird. Auch bei der geplanten Bebauung auf dem sogenannten Lorenz-Areal hat sich die IGGG eingeschaltet.

Emmerich Wurst ist Sprecher der Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter und -gefährdeter Geretsrieder.

Die Interessengemeinschaft um ihren Sprecher Emmerich Wurst wurde 2010 gegründet. Damals im Sommer standen nach langem, starken Regen aufgrund eines Anstiegs des Grundwasserspiegels rund 60 Keller im Blumenviertel unter Wasser. Die frühere Verrohrung des Schwaigwaller Bachs war beseitigt worden, und somit versickerte das Wasser im freigelegten Bachbett. Außerdem konnte das angestiegene Wasser, das bis zu diesem Zeitpunkt über den Abwasserkanal abgeführt wurde, nicht mehr auf diesem Weg abfließen. Die umfangreich durchgeführte Kanalsanierung – das alte Netz war undicht – verhinderte das, so Wurst. „Ein Ersatz, sprich Drainage, wurde nicht geschaffen.“

Nach Einschätzung von Experten ist der Schwaigwaller Bach mit daran Schuld, dass im Blumenviertel Keller überflutet werden. Die Stadt beschloss ein Grundwassermanagement und traf die Entscheidung, das Bachbett abzudichten. „Wir hoffen, dass das den gewünschten Erfolg bringt“, sagt Wurst. Davon würde auch das neue Wohngebiet an der Banater Straße profitieren, ist sich der 72-Jährige sicher.

Lesen Sie auch: Schwaigwaller Bach: Sanierung ist nur einer von vielen wichtigen Schritten

Auf dem 4,7 Hektar großen Areal zwischen Elbe- und Banater Straße will die Firma Krämmel 21 Mehrfamilienhäuser samt Kindertagesstätte und Boarding-House sowie einer Parkgarage mit Teilunterkellerung bauen. Aktuell liegen die Bauanträge zur Genehmigung beim Landratsamt.

Die benachbarte Bauer Group wehrt sich wie berichtet mit allen Mitteln gegen das neue Wohngebiet. Das Unternehmen sprach in einem Interview mit unserer Zeitung Mitte März von einer „Fehlplanung“ und „städtebaulichen Sünde“. Zudem würde die Planung „erheblich in den sensiblen Grundwasserspiegel“ von Geretsried eingreifen. „Die riesige Tiefgarage wird das Grundwasser aufstauen. Unsere Gutachter warnen davor, dass dies schlimme Auswirkungen für viele Häuser haben wird“, prophezeite ein Sprecher der Bauer Group.

Auch interessant: "Schadenersatz ist nicht unser vorrangiges Ziel"

Diese Aussagen will die IGGG nicht unkommentiert lassen. „Wenn die Firma Bauer Gutachter eingeschaltet hat und tatsächlich zu diesem Ergebnis gekommen ist, hätte man den Finger heben und darüber informieren können, um Bürger vor möglichen Schäden zu bewahren“, meint der Geretsrieder. „Das wäre ein sensibler Umgang gewesen.“ Stattdessen werde das Thema Grundwasser für eigene Interessen „instrumentalisiert“.

Während der öffentlichen Auslegung der Pläne für das Lorenz-Areal verzichtete die IGGG auf eine Stellungnahme. „Wir sind deshalb schon 2017 bei der Firma Krämmel gewesen“, verrät der IG-Sprecher, „und uns wurden die Planungen erklärt.“ Statt einer Tiefgarage gebe es eine Parkgarage, die 1,50 bis 1,70 Meter in den Boden rage. „Die Grundwasserzone wird nicht tangiert“, berichtet Wurst. Und: Statt einer betonierten Bodenplatte werden Formsteine verwendet. „Das ist ein gravierender Unterschied zur Bebauung am Karl-Lederer-Platz.“ Bei Bauwerken, die im Grundwasser stehen können, werden Düker und Drainagen eingebaut.

Wasserstandsmeldung aus dem Stadtzentrum

Die vollgelaufenen Keller im Blumenviertel haben auch Anwohner am Karl-Lederer-Platz sensibilisiert. Sie fürchteten, dass durch die Neubauten „Puls G“ und „Centrum 20“ sowie die Tiefgarage das Grundwasser nach oben steigt und für feuchte Keller sorgt. Während der öffentlichen Auslegung der Pläne meldete sich auch die Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter und -gefährdeter Geretsrieder (IGGG) zu Wort – und fand Gehör. Damit es kein Grundwasserproblem gibt, setzte die ausführende Baufirma, das Unternehmen Krämmel, sogenannte Düker. Das sind Druckleitungen, die zur Unterquerung von Hindernissen angelegt werden. Dabei pendeln sich Flüssigkeiten in miteinander verbundenen Röhren stets auf das gleiche Niveau ein. Fließt nun auf einer Seite immer neues Wasser hinzu, kann es auf der anderen Seite abgeleitet werden. „Als die Baugrube ausgehoben wurde, bekamen wir regelmäßig Wasserstandsmeldungen“, berichtet IGGG-Sprecher Emmerich Wurst. Es stellte sich heraus, dass die Berechnung der Düker korrigiert werden musste. „Sonst hätte es negative Auswirkungen auf die Egerlandstraße gegeben.“ Dort will die Baugenossenschaft Geretsried noch heuer ihre alten Blöcke abreißen und durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus ersetzen. Die Baugenossenschaft habe eigene Messstellen geschaffen, um „bei dem anstehenden Großprojekt der Situation Rechnung zu tragen“, so Wurst.

Infos im Internet:

www.iggg-grundwasser-geretsried.de

nej

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